Fed: US-Wirtschaft kommt nicht in Schwung – Beige Book

Ben Bernanke

Fed-Chairman Ben Bernanke.

Washington – Die US-Konjunktur kommt nach wie vor nicht richtig in Schwung: Das Wachstumstempo der weltgrössten Volkswirtschaft erhöhe sich zurzeit nur in kleinen Schritten, heisst es in dem Konjunkturbericht der amerikanischen Notenbank Fed vom Mittwoch. In der Hälfte der insgesamt zwölf Notenbank-Distrikte fällt das Wachstum demnach bescheiden aus, in drei Distrikten etwas besser. Die restlichen drei Regionen berichten sogar teils von einem schwächeren Wachstum. Unter dem Strich fällt die Beurteilung der Konjunkturlage etwas ungünstiger aus als im vorherigen Bericht von Mitte Juli. Die Finanzmärkte reagierten nicht spürbar auf die Vorlage des Beige Boook.

Das sogenannte «Beige Book» der Fed ergibt sich aus einer Befragung zahlreicher Wirtschaftsvertreter. Die Umfrage wurde bis zum 20. August durchgeführt, weswegen selbst die jüngste Entwicklung überwiegend Eingang in den Konjunkturbericht gefunden haben dürfte. Im August hatten einige Konjunkturzahlen, etwa vom Arbeits- und Immobilienmarkt, ein insgesamt freundlicheres Bild gezeichnet. Am Mittwoch wurde zudem das Wachstum der US-Wirtschaft im zweiten Quartal mit annualisiert 1,7 Prozent etwas besser ausgewiesen als zunächst ermittelt. Dennoch bleibt das Wirtschaftswachstum mit einer Quartalsrate von gut 0,4 Prozent allenfalls moderat.

Jackson Hole
Ob die US-Notenbank deswegen erneut ihren Instrumentenkoffer öffnet und beispielsweise eine dritte Runde von Anleihekäufen einläutet, könnte sich bereits am Freitag abzeichnen. Dann wird Fed-Chef Ben Bernanke die Eröffnungsrede zum wichtigen Notenbank-Symposium im amerikanischen Jackson Hole halten. Vor zwei Jahren hatte Bernanke die Gelegenheit genutzt, eine zweite Runde von Wertpapierkäufen (QE2) – wenn auch nur sehr vage – in Aussicht zu stellen. Experten sind allerdings skeptisch, ob sich der Fed-Chef bereits jetzt so weit aus dem Fenster lehnt, obgleich der geldpolitische Ausschuss FOMC einer abermaligen Lockerung zuletzt stärker zugeneigt war.

Einen wichtigen Grund, warum Bernanke die hohe Erwartungen enttäuschen könnte, sehen Fed-Beobachter in der unterschiedlichen Ausgangslage: Im Gegensatz zu Mitte 2010 besteht gegenwärtig nicht das Risiko sinkender Verbraucherpreise, mit dem die Fed letztlich ihre zweite quantitative Lockerung begründet hatte. Angesichts einer Kerninflation, die zurzeit mehr als doppelt so hoch liegt wie vor zwei Jahren, seien Deflationsgefahren nur schwer auszumachen, argumentiert Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Zudem habe sich die Kreditvergabe der Banken spürbar erholt. Allerdings hat sich das Wirtschaftswachstum seit 2010 nicht beschleunigt, und die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch.

«Fiskalische Klippe»
Ein anderes schlagkräftiges Argument gegen neue Anleihekäufe lautet, dass die Fed gegen die grössten Risiken für die US-Wirtschaft ohnehin machtlos sei: Das drohende Auslaufen steuerlicher Erleichterungen zum Jahresende («Fiskalische Klippe») ist in erster Linie ein politisches Spiel. «Und die Krise in der Eurozone müssen die Europäer schon selbst lösen», bringt es Fed-Beobachter Weidensteiner auf den Punkt. Die Fed könne allenfalls die Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft abmildern, falls eines dieser Risiken eintrete.

All das könnte dafür sprechen, dass die Notenbank ihr Pulver noch eine Weile trocken hält. Zumal die baldigen Präsidentschaftswahlen der Fed den Vorwurf der Regierungsnähe einbringen könnten und das zweite Anleihetauschprogramm («Operation Twist») noch bis zum Jahresende läuft. (awp/mc/ps)

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