Finanzgeschäfte bescheren Munich Re mehr Gewinn

Nikolaus von Bomhard

Vorstandschef  Nikolaus von Bomhard. (Foto: Munich Re)

München – Überraschend hohe Katastrophenschäden in Japan und Russland haben dem weltgrössten Rückversicherer Munich Re im zweiten Quartal zu schaffen gemacht. Nur lukrative Geschäfte an den Finanzmärkten bescherten dem Dax-Konzern einen Gewinnsprung, während die grössten Mitbewerber Swiss Re und Hannover Rück von geringen Schäden profitierten. Analysten hatten mit besseren Ergebnissen gerechnet. Für das laufende Jahr peilt Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard zwar weiterhin einen Überschuss von drei Milliarden Euro an. Dabei setzt er jedoch verstärkt auf höhere Erträge aus Kapitalanlagen und verzichtet vermehrt auf unattraktive Verträge.

Anleger reagierten enttäuscht auf die Nachrichten. Zum Handelsstart an der Frankfurter Börse stürzte die Munich-Re-Aktie um gut fünf Prozent ab und war damit Schlusslicht im Dax . Analysten hatten mit einem höheren Quartalsgewinn gerechnet.

Keine Flut in Deutschland aber Brände und Schneesturm
Im zweiten Quartal verdiente die Munich Re unter dem Strich 765 Millionen Euro und damit 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zu dem Zeitpunkt hatte die Flutkatastrophe in Deutschland das Ergebnis belastet. Diesmal schlugen etwa ein Brand in Russland und ein Schneesturm in Japan vom Februar teuer zu Buche, der verspätet als Schaden bei der Munich Re einging. Das Kentern und die Bergung des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» im Mittelmeer kostet die Munich Re mit 120 Millionen Euro ein Fünftel mehr als zuletzt geschätzt. Das Sommergewitter «Ela», das im Juni über Deutschland, Belgien und Frankreich gewütet hatte, traf die Erstversicherungstochter Ergo mit Schäden in Höhe von 21 Millionen Euro.

Die Rückversicherung kosteten die Folgen von Naturkatastrophen von April bis Juni 291 Millionen Euro und damit sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Von Menschen verursachte Grossschäden nahmen hingegen um zwölf Prozent zu. Auch wegen des Preiskampfs in der Branche fürchtet die Munich Re, dass von den Beitragseinnahmen im gesamten Jahr weniger übrigbleibt als gedacht. Statt 94 Prozent dürften nun 95 Prozent der verdienten Nettobeiträge von den Kosten für Schäden, Verwaltung und Vertrieb aufgezehrt werden, schätzt der Vorstand.

Branche spürt Preiskampf
Die nächstkleineren Mitbewerber Swiss Re und Hannover Rück hatten im zweiten Quartal hingegen einen deutlichen Rückgang der Grossschäden verbucht. Wie die Munich Re bekommen die Unternehmen den Preiskampf in der Branche zu spüren. Die Schweizer weiteten ihr Prämienvolumen bei der Vertragserneuerung im Juli dennoch deutlich aus, die deutschen Branchengrössen verzichteten dagegen bewusst auf Geschäft. Die Munich Re fuhr das erneuerte Vertragsvolumen um sieben Prozent zurück und musste dabei einen Preisrückgang um 3,6 Prozent hinnehmen.

Erstversicherer wie die Allianz drücken bei den Rückversicherern angesichts allgemein eher geringer Schäden auf die Preise oder behalten die Risiken in den eigenen Büchern. Bei der Absicherung gegen Naturkatastrophen machen zudem Hedge- und Pensionsfonds den klassischen Rückversicherern über Geldanlagen in Katastrophenanleihen und anderen Instrumenten Konkurrenz.

Kapitalanlagen werfen höhere Rendite ab
Mehr Profit sollen der Munich Re nun die Geschäfte an den Finanzmärkten bringen. Die Kapitalanlagen des Konzerns in Höhe von 217 Milliarden Euro dürften dem Vorstand zufolge in diesem Jahr eine Rendite von 3,5 Prozent abwerfen – 0,2 Prozentpunkte mehr als bisher angepeilt. Im zweiten Quartal brachte der Verkauf von Anleihen und Aktien den Münchnern hohe Gewinne, das Kapitalanlageergebnis sprang um fast zwei Drittel auf 2,6 Milliarden Euro nach oben. Ein grosser Teil dieser Gewinne steht allerdings den Lebens- und Krankenversicherungskunden der Ergo zu. Zu dem Erstversicherer des Konzerns gehören auch die Deutsche Krankenversicherung DKV, der Rechtsschutzversicherer D.A.S. und die Europäische Reiseversicherung. (awp/mc/ps)

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