Finanzplatz Schweiz: Von der Krise zum Wachstum

Finanzplatz Schweiz: Von der Krise zum Wachstum
Urs Rohner, VR-Präsident Credit Suisse. (Bild: Credit Suisse)

Zürich – In den letzten Jahren haben sich das anhaltende Tiefzinsumfeld sowie die Regulierungswelle im Nachgang zur Finanzkrise in beträchtlichem Mass auf das Kerngeschäft der Banken ausgewirkt und Spuren bei der Profitabilität hinterlassen. Dank der ergriffenen Massnahmen und besserem Marktumfeld ist der Ausblick jetzt optimistischer und der Bankensektor sollte auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehren. Dies bekräftigt die heute veröffentlichte Studie der Credit Suisse zum Finanzplatz Schweiz. Analog den früheren Ausgaben liefert die Studie konkrete Vorschläge dazu, wie die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes erhalten und nach Möglichkeit weiter gefördert werden kann.

Die Credit Suisse hat heute, wie seit 2012 alle zwei Jahre, eine Studie zum Finanzplatz Schweiz veröffentlicht um einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion um die Zukunft des Finanzplatzes zu leisten. Urs Rohner, Präsident des Verwaltungsrates der Credit Suisse Group, hat die Publikationsreihe 2012 initiiert: «Für den Schweizer Finanzplatz ist es entscheidend, sich als führendes Zentrum für die weltweite Verwaltung privater Vermögen und für Asset Management zu behaupten. Um die Standortattraktivität der Schweiz und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Finanzplatzes zu erhalten, gilt es nun verschiedene wirtschaftspolitische Massnahmen zu treffen – in unserer Studie stellen wir Handlungsempfehlungen für die Akteure vor.»

Herausfordernde Zeiten gemeistert
Der Schweizer Finanzplatz hat eine herausforderungsreiche Zeit hinter sich – globale Finanzkrise, Eurokrise, Tiefzinsumfeld, Übergang zur Weissgeldstrategie und strengere Regulierungen stellten nur einige der mannigfaltigen Herausforderungen in den vergangenen 10 Jahren dar. Der Beitrag des Finanzsektors ans Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) sank entsprechend von über 11% in 2007 auf 9% in 2017. Der Finanzplatz hat sich jedoch den Herausforderungen gestellt und zahlreiche Strukturveränderungen bewältigt. Dies zeigt sich exemplarisch in der Beschäftigtenzahl: So war die Beschäftigung in den Banken in den letzten Jahren rückläufig und nur dank einem soliden Wachstum des Versicherungssektor, getragen von den Rück- und Sachversicherungen, stagnierte sie im gesamten Finanzsektor bei rund 215’000 Vollzeitäquivalenten. Die Stärke der Konsolidierung im Bankensektor zeigt sich auch darin, dass es mittlerweile beinahe 70 Institute weniger gibt als vor gut zehn Jahren – nicht zuletzt weil über 40 ausländische Banken den Schweizer Markt verlassen haben.

Vermögensverwaltungsgeschäft wird wichtiger
Der Ausblick für den Finanzplatz Schweiz ist gemäss Credit Suisse unter anderem dank den ergriffenen Massnahmen und dem global wieder besseren Markumfeld optimistischer als noch vor zwei Jahren; der Bankensektor sollte auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehren. Die Margen im Kreditgeschäft werden zwar wohl bis auf weiteres tief bleiben – dies selbst wenn die Zinskurve wieder steiler und im positiven Bereich verlaufen sollte, was im Verlauf der kommenden ca. 2 Jahre erwartet wird. Gemäss Analysen der Credit Suisse reagiert nämlich die Profitabilität von inlandorientierten Banken generell nur sehr moderat auf höhere Zinsen und eine steilere Zinskurve. Die Wettbewerbsintensität im Kreditgeschäft bleibt zudem hoch und das Hypothekarkreditwachstum dürfte sich gemäss Credit Suisse tendenziell verlangsamen, wird doch der Immobilienzyklus schon bald seinen Zenit überschritten haben, während die strikteren regulatorischen Anforderungen das Wachstum nach wie vor bremsen. Im Vermögensverwaltungsgeschäft sollte die Schweiz jedoch am globalen Wachstum stark partizipieren können.

Die Credit Suisse rechnet damit, dass das internationale Vermögen, das auf dem Finanzplatz Schweiz verwaltet wird, von heute ca. CHF 2,7 Billionen bis 2021 auf rund CHF 3,1 Billionen zunehmen wird. Auch das verwaltete Vermögen von Schweizer Kunden dürfte steigen: Nur schon dank den erwarteten Zugewinnen auf dem heutigen verwalteten Vermögen könnte dieses von CHF 3,3 Billionen bis 2021 auf CHF 3,7 Billionen ansteigen. Gleichzeitig werden die Massnahmen zur Steigerung der Effizienz die Profitabilität der Schweizer Banken generell stützen, während die Kosten der Umsetzung anderer Massnahmen, z.B. im Bereich von Compliance, eher abnehmen sollten. Zudem sind die Banken heute dank besserer Kapitalbasis widerstandsfähiger als früher, was ihre Stellung bei ausserbilanziellen Aktivitäten im Allgemeinen und im Private Banking im Besonderen stärken sollte.

Regulatorisches Umfeld weiter im Wandel
In der aktuellen Studie fokussieren die Autoren auf vier regulatorische Bereiche, die für die Weiterentwicklung des Finanzplatzes Schweiz auf mittlere bis lange Sicht von spezieller Bedeutung sind: 1) Verbesserte Regulierungsprozesse und eine effiziente Umsetzung internationaler Standards, 2) Marktzugang, 3) Sustainable Finance sowie 4) Digitalisierung. Zu jedem dieser vier Handlungsfelder werden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet:

  • Hinsichtlich Regulierungsprozess wäre eine engere Einbindung des Bundesrates in die Positionierung der Schweizer Vertretung bei internationalen Standardsetzungsgremien wünschenswert. Zudem sollte die Umsetzung internationaler Standards sowohl zeitlich als auch inhaltlich im Gleichschritt mit den wichtigsten vergleichbaren Finanzplätzen erfolgen.
  • Beim Marktzugang braucht die Schweiz kurzfristig, wo nötig und sinnvoll, Regulierungen, die im Effekt mit jenen der EU gleichwertig sind. Zusätzlich ist ein Übereinkommen mit der EU anzustreben, um die offenen Äquivalenzanerkennungsprozesse rasch und basierend auf objektiven technischen Kriterien abzuschliessen. Mittel- bis langfristig ist sodann die Sicherung des Marktzugangs zum EU-/EWR-Binnenmarkt bzw. ein Ausbau desselben auch unter Berücksichtigung etwaiger neuer Optionen anzustreben. Und schliesslich sind bilaterale Übereinkünfte zur Verbesserung des Marktzugangs zu zentralen Kernmärkten anzustreben, insbesondere auch mit Grossbritannien.
  • Im Bereich Sustainable Finance sollten die internationalen Entwicklungen genutzt und nach Möglichkeit mitgestaltet werden. Von schweizerischen Sonderlösungen ist hingegen abzusehen.
  • Weiter wird empfohlen, die laufenden Arbeiten zur Anpassung der Rahmenbedingungen im Bereich FinTech zügig weiterzuführen. Die fortschreitende Digitalisierung wird dabei auch derzeit noch nicht absehbare regulatorische Anpassungen notwendig machen. Hier ist durch einen engen Dialog unter den verschiedenen Stakeholdern eine rasche und adäquate Reaktion auf Veränderungen des technischen und wirtschaftlichen Umfelds sicherzustellen. Dabei ist den grundlegenden Prinzipien einer guten Regulierung (Bedarf, Kosten-Nutzen-Verhältnis, Wettbewerbsneutralität) Rechnung zu tragen.

Schweizer Vorsorgesystem im Umbruch
Die diesjährige Finanzplatzstudie beinhaltet eine vertiefte Analyse des Schweizer Vorsorgesystems und dessen zukünftigen Herausforderungen. Demographische Entwicklungen und neue Arbeitsmodelle fordern gemäss den Autoren ein Umdenken und politische Flexibilität in Bezug auf die Schweizer Vorsorgesysteme. Gezielte Anreize für die freiwillige Vorsorge in der 2. und 3. Säule und ein funktionierender Generationenvertrag sind als Basis für den weiteren Erfolg notwendig. Die Credit Suisse sieht Potential in der integrierten Vorsorge- und Vermögensplanung, wo den Banken eine natürliche Verantwortung zufällt, die es zu tragen gilt. Die verstärkte Betonung der Eigenverantwortung in der beruflichen Vorsorge führt unweigerlich zu einem erhöhten Beratungsbedarf bei den Versicherten. Mehr denn je müssen Lücken in der Vorsorge früh thematisiert und adäquate Lösungen aufgezeigt werden.

Die Publikation «Finanzplatz Schweiz» ist im Internet in Deutsch, Französisch und Englisch verfügbar unter: http://publications.credit-suisse.com/index.cfm/publikationen-shop/schweizer-wirtschaft. (Credit Suisse/mc/ps)

Credit Suisse

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