FlowBank: Die Rahmenbedingungen für IPOs sind ungünstig

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(Foto: zgv / Shutterstock MNA Photography)

2021 war kein gutes Jahr für Börsengänge. Mehr als die Hälfte der ausgegebenen Aktien handeln inzwischen günstiger als bei der Kotierung. Besonders schlecht ist die Erfolgsquote von SPACs. In den kommenden Jahren erwartet Esty Dwek von FlowBank weniger Börsengänge.

2021 wurden an den amerikanischen Börsen rund 700 Unternehmen kotiert, die insgesamt 500 Mrd. USD eingesammelt haben. Das ist ein Rekord, doch manchmal sei mehr nicht unbedingt besser, gibt Esty Dwek, CIO von FlowBank, zu bedenken. Denn rund 60% der neu kotierten Aktien konnten den Ausgabepreis nicht halten und handeln mittlerweile unter der Erstnotiz.

Kurz nach Jahresbeginn stiegen die IPO-Renditen zwar noch relativ stark an und lagen auch über der Performance des S&P 500. Im März gingen sie dann aber stark zurück und bewegen sich seither seitwärts. «Vor dem Hintergrund von bevorstehenden Zinserhöhungen und neuen Covid-Varianten sollte diese schlechte Performance jedoch nicht überraschen. In den kommenden Jahren dürften deswegen weniger IPOs durchgeführt werden», kommentiert Dwek.

Quelle: PitchBook, FlowBank. Stand: Dezember 2021.

Doch nicht alle neu kotierten Unternehmen handeln unter dem Ausgabekurs. Besonders die Aktien von wachstumsstarken Firmen wie Upstart – der Kurs stieg um 938% – bei einem Umsatzwachstum von 245%, waren an der Börse gefragt. Ebenfalls zu den Gewinnern zählen ESG-fokussierte Unternehmen wie der Elektroautohersteller Rivian, der Schuhhersteller Allbirds oder die E-Commerce-Plattform Rent the Rundway. Nicht zuletzt können auch einige Special Purpose Acqusition Companies (SPCAs) auf ein erfolgreiches erstes Jahr an der Börse zurückblicken.

Quelle: FlowBank

Dwek sieht vor allem bei Titeln, die grosse, etablierte Märkte mit innovativen Produkten aufmischen, intakte Aussichten auf hohe Cashflows und eine entsprechende Rentabilität. Der Grund dafür sei das Potenzial, Skaleneffekte zu erzielen. Als Beispiele nennt sie Global-E Online (+144%), Confluent (+122%) und Monday.com (+118%).

Die Anlagechefin beobachtet auch, dass Einzelhandels-IPOs vergleichsweise gut performten und um durchschnittlich 27% zulegten. Aus Schweizer Sicht sei hier insbesondere der Börsengang von On hervorzuheben.

Firmen trauen sich früher an die Börsen
«Ein rekordverdächtiger Anteil der neu kotierten Unternehmen erwirtschaftet heute keine Gewinne und teils nicht einmal Umsatz. Im Biotech-Sektor hat etwa die Hälfte der neu kotierten Unternehmen keine Einnahmen», so Dwek.
Dafür verantwortlich seien jedoch nicht nur branchenspezifische Faktoren. Die Anlegerinnen und Anleger hätten heute mehr Vertrauen, dass Firmen mit digitalen und innovativen Ansätzen ganze Märkte umwälzen können. Entsprechend seien Börsengänge in den Augen vieler nicht mehr nur ein Mittel, mit dem Unternehmen in einer späteren Phase Kapital aufnehmen können, sondern ein Instrument, mit dem sie sich bereits in einem frühen Stadium Mittel beschaffen können.

«Trotzdem haben sich IPOs im Jahresvergleich schlechter entwickelt als in der Vergangenheit. Neu kotierte Unternehmen an den US-Börsen haben in den letzten sechs Monaten im Median rund 13% eingebüsst, während der historische Median seit 2008 bei rund +15% liegt», rechnet die Strategin vor.

SPACs sind riskante Anlagen
Zwischen Juni 2020 und November 2021 wurden mehr als 700 SPACs lanciert – das sind beinahe achtmal so viele wie in den vorangegangenen 16 Monaten. Diese Deals haben seit Anfang 2020 insgesamt 235 Mrd. USD eingesammelt, allein im ersten Quartal 2021 waren es fast 100 Mrd. USD.

Laut Dwek haben SPACs vor allem von billigem Geld profitiert. Dieser Boom hat die Anzahl Börsengänge auf ein 15-Jahres-Höchst getrieben – knapp 60% der neu gelisteten Titel waren SPACs. Davon mussten allerdings 90% Verluste hinnehmen.

Quelle: Dealogic

SPACs ermöglichen es Unternehmen, zu tieferen Kosten an die Börsen zu gehen. Ausserdem eröffnen sie Privatanlegerinnen und -anlegern den Zugang zu Private-Equity-ähnlichen Anlagen. Gemäss Forschern der Stanford University und der New York University ziehen SPACs allerdings auch immer mehr Kapital von institutionellen Investoren an. Zusammen mit Hedge-Fonds-Managern besitzen diese rund 85% der SPAC-Aktien, bevor diese überhaupt an den Börsen gehandelt werden. Private können vom Boom also nur begrenzt profitieren.

Zudem stellen solche Mantelgesellschaften gemäss Dwek ein nicht unerhebliches Risiko dar: «Der Markt ist von Liquidität überschwemmt und die Anlegerinnen und Anleger suchen nach raschen Gewinnen. Das verführt sie zu Investitionen in SPACs – und somit zu Anlagen in Unternehmen, die noch gar nicht bekannt sind. Das ist ein bisschen so, wie wenn man eine Katze im Sack kauft.» (FlowBank/mc)

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