Frankreich und Spanien refinanzieren sich günstiger

François Baroin

Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsminister François Baroin.

Paris / Madrid – Die Euro-Schwergewichte Frankreich und Spanien können sich trotz einer geringeren Kreditwürdigkeit immer noch problemlos langfristig refinanzieren. Am Donnerstag besorgten sich die Euro-Wirtschaft Nummer zwei und vier mit mehreren Anleihen frisches Kapital am Markt. Bei einer robusten Nachfrage gaben die zu zahlenden Renditen teils deutlich nach. Die Auswirkungen der jüngsten Herabstufungen durch die Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P) und Fitch bleiben damit ohne grössere Auswirkungen.

Die zweitgrösste Euro-Wirtschaft Frankreich, die Mitte Januar ihre Top-Bonität bei S&P verloren hatte, trat am Markt mit drei langlaufenden Anleihen in Erscheinung. Dabei musste der französische Staat den Anlegern sogar weniger Zinsen bieten als noch zu Jahresbeginn – also vor dem Verlust seiner Höchstbewertung. Insgesamt nahm Frankreich mit den drei Papieren 7,962 Milliarden Euro auf, womit die angestrebte Kapitalaufnahme von bis zu acht Milliarden Euro fast erreicht wurde.

Robuste Nachfrage – Renditen sinken
Eine neue zehnjährige Anleihe spülte dem französischen Staat knapp 5,7 Milliarden Euro in die Kasse. Die zu zahlende Rendite sank von 3,29 Prozent bei einer vergleichbaren Auktion Anfang Januar auf 3,13 Prozent. Die Überzeichnung – also das Verhältnis von Nachfrage zu Angebot – lag bei 1,71. Noch stärker war die Nachfrage bei den anderen beiden Anleihen mit acht- und sechsjähriger Laufzeit. Hier lag die Nachfrage teils mehr als viermal so hoch wie das Angebot.

Auch Spanien refinanziert sich problemlos
Die viertgrösste Euro-Wirtschaft Spanien, die mit Italien derzeit unter besonderer Beobachtung der Marktteilnehmer steht, konnte sich ebenfalls ohne Probleme frisches Kapital beschaffen. Drei neue Anleihen mit Fälligkeit 2015, 2016 und 2017 spülten dem Staat insgesamt 4,56 Milliarden Euro in die Kasse. Das anvisierte Zielvolumen wurde damit sogar leicht übertroffen. Die Nachfrage war zum Teil mehr als dreimal so hoch wie das Angebot. Die Zinsen, die Spanien den Investoren bieten musste, gingen im Vergleich zu Auktionen im Januar und Dezember deutlich zurück. In der Spitze lag der Rückgang bei zwei Prozentpunkten.

Gemischte Marktreaktion

Am Sekundärmarkt, wo umlaufende Staatspapiere gehandelt werden, wurden die Ergebnisse allerdings gemischt aufgenommen. Während die Risikoaufschläge französischer Titel zu deutschen Staatsanleihen zurückgingen, legten sie in Spanien unmittelbar nach der Auktion spürbar zu. (awp/mc/upd/ps)

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