Frankreich: Zwischen den Fronten

François Hollande

Frankreichs Regierungschef François Hollande.

Von Christian König, Public Distribution, Commerzbank Zürich

Die Eurex hat kürzlich mit dem Euro OAT Future das Pendant zum deutschen Bund Future geschaffen. Je nachdem wie sich der neue Regierungschef François Hollande in den kommenden Monaten schlagen wird, werden die Kurse der französischen Staatanleihen steigen oder fallen. Anleger können mit neuen Faktor-Zertifikate in beide Richtungen investieren: Long und Short.

Für Frankreich, und damit auch für die ganze Euro-Zone, hat am 6. Mai eine neue Zeitrechnung begonnen. François Hollande führt seit diesem Tag das Regiment in der zweitgrössten Volkswirtschaft auf dem alten Kontinent. Anders als sein Vorgänger nimmt es der neue Präsident mit dem Sparen nicht mehr so ernst. Er möchte vorrangig die Wirtschaft des Landes beleben.

Euro-Retterin Nummer eins, Angela Merkel aus Deutschland, sieht das Regierungsprogramm mit grosser Besorgnis, hat sie doch erst mit Nicolas Sarkorzy einen umfangreichen Fiskalpakt geschlossen. Im wahrsten Sinne eine spannungsgeladene Atmosphäre braute sich dann auch beim ersten Treffen der beiden Staatsoberhaupte zusammen. In Hollandes Flugzeug schlug auf der Reise nach Berlin der Blitz ein. Weniger elektrisierend war dann das anschliessende Gespräch. Das erste Abtasten verlief ohne nennenswerte Ergebnisse.

Zwei in einem: Wachstum und Sparen
Wie hartnäckig sich Hollande an sein Wahlversprechen klammert, muss sich erst noch zeigen. Er versprach unter anderem Sofortmassnahmen: Auf der einen Seite werden die Gehälter des Staatspräsidenten sowie seiner Minister um 30 Prozent gekürzt. Auf der anderen Seite möchte die Regierung die Beihilfen für Schulbücher und -hefte um ein Viertel anheben und die Benzinpreise für drei Monate einfrieren. All diese Regelungen dienen allerdings nur der vorübergehenden Steigerung der Kaufkraft. Dazu zählt auch eine temporäre Erhöhung des Spitzensteuersatz von 75 Prozent für Einkommen ab einer Million Euro. Experten räumen diesem Vorhaben aus verfassungsrechtlichen Gründen aber kaum Chancen ein. Bereits Ende 2013 sollen die verschiedenen Schritte die Neuverschuldung auf 3 Prozent der Wirtschaftsleistung drücken. Kritiker aber bemängeln, dass der Plan auf einer zu hohen Wachstumsprognose basiert. Zudem würden die Sofortmassnahmen kontraproduktiv wirken und die Mehrzahl der Steuererhöhungen erst im kommenden Jahr greifen.

Fiskalpakt soll um Wachstumsmassnahmen ergänzt werden
Nicht nur im eigenen Land soll der wachstumsorientierten Politik der Vortritt gegeben werden, auch auf europäischer Ebene setzt die neue Regierung um Hollande auf Wachstum und Schuldenabbau. Finanzminister Pierre Moscovici hat im Zuge seines Amtsantritts sofort eine Ergänzung des europäischen Fiskalpakts um wachstumsfördernde Maßnahmen verlangt. „Wir müssen den Aufbau Europas in eine andere Richtung lenken“, sagte Moscovici. Seiner Ansicht nach widersprechen sich Haushaltsdisziplin und Wirtschaftswachstum dabei nicht. Wie nötig eine Belebung des Konjunkturmotors in Frankreich ist, zeigt das erste Quartal. Unterm Strich musste sich das Land mit einer Stagnation zufrieden geben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wurde gebremst von sinkenden Investitionen und schwachen Exporten.

Nicht nur das Nullwachstum in Frankreich, auch die BIP-Zahlen vieler anderer Euro-Staaten im Auftaktquartal scheinen für die Strategie von Hollande zu sprechen. Denn eines ist klar: die Eurozone leidet unter einem Wachstumsproblem. Zwar kam es entgegen den Erwartungen nicht zu einem erneuten Rückgang des BIPs, doch war dies einzig auf die starke Entwicklung in Deutschland zurückzuführen. Die grösste Volkswirtschaft Europas überraschte mit einem Plus von einem halben Prozent gegenüber dem Vorquartal positiv. Nichtsdestotrotz stecken zahlreiche Länder der Währungsunion im konjunkturellen Abschwung oder sogar in einer Rezession. Letzteres gilt beispielsweise für die Länder der europäischen Peripherie.

Frankreich – eine Chance für Europa?
Der Sieg von Hollande bietet Europa eventuell die Chance, neben den nötigen Sparmassnahmen auch auf eine wachstumsorientierte Politik umzuschwenken. Sollte der neue Mann in Frankreich Bundeskanzlerin Merkel für seine Pläne begeistern können, ist ein Kurswechsel auf dem alten Kontinent möglich. Gross ist der Spielraum von Hollande aber nicht, denn das Land bringt es auf eine Staatsverschuldung von mehr als 85 Prozent des BIPs. Eine Besserung ist kaum in Sicht: Nach Einschätzung der EU-Kommission wird Frankreich die Maastrichter Defizitmarke von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr verfehlen. Die Experten rechnen mit einem Wert von 4,2 Prozent.

Der Aktienmarkt preist die Unsicherheit in dem Land bereits seit längerem ein. Der Leitindex CAC 40 verlor in den vergangenen drei Monaten mehr als ein Zehntel und weist eine Underperformance gegenüber anderen wichtigen europäischen Börsenbarometern wie dem DAX auf. Die Kurse der Staatsanleihen klettern dagegen – wenn auch nicht so stark wie in Deutschland – nach oben. Anlegern bietet sich seit neuestem mit dem Euro OAT Future (OAT = „Obligations Assimilables du Trésor“) auch diese Art der Spekulation auf Frankreich an. Die Terminbörse Eurex lancierte Mitte April den Terminkontrakt auf französische Staatsanleihen, dessen Ausstattungsmerkmale sich mit denen des deutschen Bund Futures decken. Es handelt sich dabei um eine fiktive französische Schuldverschreibung mit einer Restlaufzeit von 8,5 bis 10,5 Jahren sowie einem Coupon von 6 Prozent. Profianleger verfügen damit über ein Finanzinstrument, mit dem sie ihre Bestände absichern können. Dass sie dieses auch verwenden, zeigt der erfolgreiche Start des Futures an der Eurex. In den ersten beiden Handelswochen wurden mehr als 129.000 Kontrakte gehandelt.

Gradmesser für die Kursentwicklung von französischen Staatsanleihen
Der Euro OAT Future könnte sich über kurz oder lang als Gradmesser für die Kursentwicklung von französischen Staatsanleihen etablieren. Die Commerzbank bietet nun auch Privatanlegern die Möglichkeit, an diesem Markt zu agieren. Das innovative Produkt grenzt sich in vielerlei Hinsicht von klassischen Hebelpapieren ab. Faktor-Zertifikate verfügen über einen konstanten Multiplikator auch noch konstant bleibt. Anders als beim Mini Future müssen sich Inhaber dieser Papiere auch nicht über einen Knock-out Gedanken machen, da es diesen bei Faktor-Zertifikaten schlichtweg nicht gibt. Darüber hinaus schliesst die innovative Struktur Rollverluste beim Wechsel in den nächsten Future aus. Die laufzeitunbegrenzten Produkte auf den Euro OAT Future sind in Long- und Short-Versionen verfügbar, wahlweise mit einem Hebel von 5 oder 10.

Symbol Basiswert Strategie Hebel Indexgebühr Laufzeit
CBSOA5 OATF Index Short 5 0,5% p.a. Open End
CBSOA1 OATF Index Short 10 0,5% p.a. Open End
CBLOA5 OATF Index Long 5 0,5% p.a. Open End
CBLOA1 OATF Index Long 10 0,5% p.a. Open End

 

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