Freedom Finance: Was Anleger wissen sollten, wenn der TikTok-Börsengang kommt

Andrey Wolfsbein
Andrey Wolfsbein, Schweiz-Sprecher bei der Investmentgesellschaft Freedom Finance. (Foto: zvg)

Bern – Bytedance, zu dem auch die Video-App TikTok gehört, ist eines der wertvollsten Start-ups der Welt. Mit einer Bewertung von 180 Milliarden Dollar und einem Umsatz von rund 34 Milliarden Dollar im letzten Jahr ist der Tech-Konzern für viele Anleger einer der meist erwarteten Börsengänge des Jahres. Doch die chinesische Regierung greift aktuell gegen die eigenen, lange praktisch unregulierten Techkonzerne hart durch. Auch die TikTok-Mutter Bytedance beugt sich dem Druck und verschiebt den Börsengang – vermutlich auf nächstes Frühjahr.

TikTok erfreut sich auch in der Schweiz ständig wachsenden Nutzerzahlen und ist hierzulande wohl die bekannteste App des chinesischen Techkonzerns Bytedance. Die Videoplattform ist vor allem unter Jugendlichen beliebt und ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Eroberung des globalen Marktes durch eine chinesische App. Der geplante Börsengang musste dennoch verschoben werden. Denn chinesische Behörden gehen zurzeit streng gegen den nachlässigen Umgang mit heiklen Daten der Internetunternehmen vor. »Pekings Regulierung fährt einen harten Kurs für mehr Cybersicherheit und Datenschutz, das bekamen auch bereits andere Internetgrössen wie Alibaba oder der Fahrdienstleister Didi zu spüren«, weiss Andrey Wolfsbein, Schweiz-Sprecher der Investmentplattform Freedom Finance. Dennoch sei ein Börsengang im Frühjahr 2022 wahrscheinlich und für private Anleger durchaus spannend.

Mehr Downloads als Facebook
Bytedance wurde 2012 in Peking gegründet. Nach dem Erfolg der News App Toutiao startete der Gründer die soziale Plattform TikTok. Die App mit der man lustige Videos mit Musik und verschiedenen Filtern aufpeppen kann, konnte vor allem während der Pandemie einen beträchtlichen Wachstumsschub verzeichnen. Zu Beginn dieses Jahres überholte TikTok mit 689 Millionen aktiven Nutzern sogar den Platzhirsch Facebook als App mit den meisten Downloads. Einen Grossteil seines Umsatzes macht Bytedance mit Werbung. Wobei die Plattform auch an In-App-Käufen, Live-Streams und Games verdient. Bytedance ist vor allem für TikTok weltweit bekannt, jedoch erzielt die App lediglich drei Prozent des globalen Umsatzes, während 97 Prozent aus den Aktivitäten in China stammen. Dennoch ist TikTok gelungen, woran andere chinesische Unternehmen gescheitert sind: Es hat den globalen Markt erobert.

Das teuerste Startup der Welt
Im Jahr 2020 bewerteten die Investoren TikTok mit rund 50 Milliarden US-Dollar – sogar höher als den früheren Giganten Snapchat. Noch mehr wert ist jedoch die Konzernmutter Bytedance: Nach neuesten Informationen hat das Unternehmen rund 1,9 Milliarden aktive Nutzer monatlich und wird insgesamt mit 400 Milliarden Dollar bewertet, was es zum teuersten Startup der Welt macht. Während sich der Umsatz 2019 noch auf 17 Milliarden US-Dollar belief, waren es im letzten Jahr bereits doppelt so viel. »Bytedance hat im letzten Jahr ein starkes Wachstum verzeichnet und die Tendenz ist steigend«, so Wolfsbein weiter. Das zeige sich auch an den namhaften Investoren, zu denen unter anderem Morgan Stanley, Goldman Sachs oder die Bank of China gehören.

Chancen und Risiken für Anleger
Erst im Juni hat US-Präsident Joe Biden das von seinem Vorgänger erlassene Verbot von TikTok rückgängig gemacht. Dennoch besteht immer das Risiko, dass wichtige Märkte ähnliche Massnahmen ergreifen, da auch andere Regierungen über den wachsenden Einfluss der chinesischen Tech-Unternehmen besorgt sind. In Indien etwa wurde TikTok 2019 für kurze Zeit unter anderem wegen unangemessener Inhalte und unzureichendem Datenschutz verboten. Zieht man andererseits die wirtschaftliche Performance in Betracht, könnten gute fundamentale Faktoren zu einem schnell steigenden Aktienkurs führen. »Wir raten Anlegern jedoch, die Risiken und Diversifizierungsregeln nicht ausser Acht lassen und nur einen Bruchteil ihres Portfolios in Unternehmen mit hohem Risiko investieren«, rät Wolfsbein abschliessend. Je nach Risikobereitschaft könne dies etwa drei bis fünf Prozent des gesamten Anlagekapitals ausmachen. (Freedom Finance/mc)

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