GameStop-Hype ebbt ab – Börsianer blicken auf Regulierer

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(Photo by Clay Banks on Unsplash)

Frankfurt – Der Höhenflug der GameStop-Aktien verliert an Schwung. Im vorbörslichen US-Handel notierten die Aktien des US-Videospielehändlers am Mittwoch zwar elf Prozent höher, seit ihrem Rekordhoch der vergangenen Woche haben sie aber dennoch rund 80 Prozent eingebüsst.

Der ebenfalls von dem Spekulationsstrudel mitgerissene Silberpreis stagnierte am Mittwoch. „Die Abschwächung ist offensichtlich“, sagte Oriano Lizza, Händler beim Broker CMC Markets in Singapur. Für flinke Kleinanleger sei es aber ein Leichtes, sich erneut zu formieren und neue Unternehmen ins Visier zu nehmen. „Ich denke, aus regulatorischer Sicht ist die Sorge, dass sie dies weiterhin tun könnten“, sagte Lizza.

In den Tagen zuvor hatten Kleinanleger die Preise von Gamestop-Aktien, Silber und anderen Anlagen mit konzertierten Käufen nach oben getrieben. So zwangen sie andere Investoren, ihre Wetten auf einen Kursverfall aufzulösen. Einige Hedgefonds gerieten dadurch ins Straucheln.

Finanzaufseher eingeschaltet
Die hohe Volatilität an den Börsen ruft nun auch die obersten Finanzaufseher der Wall Street auf den Plan. US-Finanzministerin Janet Yellen hat mit den Spitzen der Börsenaufsicht SEC, der Terminmärkte-Behörde Commodity Futures Trading Commission und der Notenbank Federal Reserve (Fed) sowie ihrem New Yorker Ableger ein Treffen einberufen, das möglicherweise schon am Donnerstag stattfindet.

Unklar ist, ob die Aufseher Konsequenzen aus den Kurskapriolen ziehen werden. Experten rechnen aber damit, dass das Thema Hedgefonds und ihre Marktmacht künftig stärker in den Fokus der Regulierer rücken wird. „Endgültiger Bosskampf“, schrieb ein Nutzer der Internet-Plattform Reddit in einem Chatbeitrag zu dem Treffen mit Yellen. „Sie werden entweder versuchen, die Party zu stoppen, oder sie suchen nach Geld, um uns zu bezahlen und nicht gleichzeitig alles zum Absturz zu bringen.“

Weltweiter Börsen-Ausverkauf möglich
In Foren wie Reddit hatten sich die Spekulanten – zum Teil-Hobby-Händler – ausgetauscht. Homeoffice in Pandemiezeiten und die Geldflut der Notenbanken heizten den Trend zum sogenannten Daytrading weltweit im vergangenen Jahr kräftig an.

„Die Macht der Kleinanleger gibt es wirklich“, sagte Chris Brankin, Geschäftsführer des Handelshauses TD Ameritrade in Singapur. „Wir könnten ähnliche Ereignisse regelmässiger sehen, aber seien Sie sicher, dass die Regulierungsbehörden darauf achten werden, jegliche Marktvolatilität oder Manipulation einzudämmen,“ sagte er.

Gemeinsam sind den GameStop- und den Silber-Kurskapriolen, dass sie einen weltweiten Börsen-Ausverkauf auslösen könnten. Denn in Schieflage geratene Hedgefonds müssten Experten zufolge auch andere Positionen verkaufen, um Liquidität zu beschaffen. Auch die Justiz und die US-Regierung beschäftigt die Kontroverse bereits.

Robinhood und andere Broker hatten Käufe des Videospiel-Anbieters zeitweilig eingeschränkt und damit Empörung quer über Parteigrenzen in den USA ausgelöst. Beide Kammern des Kongresses haben Anhörungen zu den Vorgängen angekündigt. Am Dienstag hatte Robinhood weitere Restrriktionen zum Teil wieder aufgehoben. So dürfen Käufer nun wieder 100 statt der zuvor festgelegten maximal 20 Aktien von GameStop erwerben. (awp/mc/pg)

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