Geld­ge­schäfte macht man mit der Bank? In Zukunft nur in Ausnahmefällen!

Geld­ge­schäfte macht man mit der Bank? In Zukunft nur in Ausnahmefällen!

Achim Him­mel­reich, Part­ner bei Mücke, Sturm & Company

Frankfurt – In den 50er Jah­ren bis weit hin­ein in die 70er Jahre hat­ten Ban­ken eine ähn­li­che Posi­tion wie Ärzte — man wech­selte sie ein­fach nicht. Die Schal­ter­hal­len waren groß und ein­schüch­ternd, die Öff­nungs­zei­ten eher kurz und Kun­den­ori­en­tie­rung ein Fremd­wort. Erst in den 80er Jah­ren begann der Kunde selbst­be­wusst als sol­cher auf­zu­tre­ten: Er for­derte Ser­vice und wech­selte bei Unzu­frie­den­heit den Anbie­ter.

Ein Kom­men­tar von Achim Him­mel­reich, Part­ner bei Mücke, Sturm & Company.

Mit dem Auf­kom­men des Inter­nets wurde die­ser Pro­zess noch ein­mal beschleu­nigt – neue Anbie­ter wie Cor­tal Con­sors, die Com­di­rect oder ING Diba gewan­nen als Direkt­ban­ken sub­stan­ti­elle Markt­an­teile. Online­ban­king erwies sich schlicht­weg als beque­mer und nicht an Öff­nungs­zei­ten gebun­den. Letzt­lich aber zogen die Platz­hir­sche, seien es nun die Spar­kas­sen, die Volks­ban­ken oder auch die pri­va­ten Ban­ken nach, so dass heute mehr oder weni­ger online ein ein­heit­li­cher Ser­vice­le­vel ange­bo­ten wird. Der Sie­ges­zug des Online­ban­king wirkt jedoch wie ein Sturm im Was­ser­glas gegen­über dem Struk­tur­wan­del, der sich aktu­ell abzeichnet.

Mobile und Social wird den Retail­bank­markt radi­kal verändern
Die Men­schen haben sich daran gewöhnt, viele all­täg­li­che Anfor­de­run­gen mit dem Smart­phone zu erle­di­gen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie damit am Point-​​of-​​Sale auch bezah­len wer­den – Unter­neh­men wie Pay­pal, Square und in Zukunft auch die Gigan­ten Google und Apple wer­den dafür sor­gen. Und zwar auf eine Art und Weise, die der Kunde wünscht: Ein­fach, schnell, sexy. Bis­her waren alle diese Anbie­ter aller­dings dar­auf ange­wie­sen, dass der Kunde ein Bank­konto, eine Kre­dit­karte oder etwas Ver­gleich­ba­res hin­ter­legt, so dass die ortho­do­xen Ban­ken doch noch irgend­wie mit­ver­dient haben. Das wird sich in Zukunft ändern: Google hat schon eine Bank­li­zenz, Face­book erwirbt sie gerade, Apple hat bereits von mehr als 800 Mio. Kun­den die Bezahl­da­ten und New­co­mer wie Moven oder Fidor zei­gen, wie mit Inno­va­tion Ban­king leich­ter geht und Spaß macht.

Retail Ban­king der Zukunft wird nicht von Retail Ban­ken gemacht
Längst ist das Smart­phone zum Steue­rungs­in­stru­ment unse­res digi­ta­len Lebens gewor­den. Wer das Smart­phone und seine digi­tale Logik beherrscht, wird die Märkte beherr­schen, durch die der Kunde mit sei­nem Smart­phone navi­giert. Retail Ban­king wird der Kunde daher in Zukunft mit sei­nem Smart­phone erle­di­gen. Er wird Peer-​​2-​​Peer-​​Transfers erwar­ten, einen per­so­na­li­sier­ten Finanz­be­ra­ter und vie­les mehr. Digi­tal wäre es bereits heute mög­lich, sei­nem Kind Geld auf sein Smart­phone zu trans­fe­rie­ren, das es nur im Buch­han­del aus­ge­ben kann und nicht am Kiosk. Sol­che Ser­vices und viele andere wer­den die Bezahl­vor­gänge in Zukunft ver­än­dern und ent­schei­den, wer sich beim Retail Ban­king durch­setzt. Wer wird das sein? Wohl kaum die Ban­ken, denn sie den­ken und han­deln immer noch in über­hol­ter Banking-​​Logik und nicht in Digi­ta­ler Logik. Sicher wird es die eine oder andere Bank geben, die sich im Zuge einer umfas­sen­den digi­ta­len Trans­for­ma­tion neu erfin­det.

Aber die Erfah­rung aus der Geschichte umwäl­zen­der Trans­for­ma­ti­ons­pro­zesse zeigt, dass dies eher die Aus­nahme sein wird. Retail Ban­king bleibt – nur wird es in Zukunft sel­ten von Retail Ban­ken abge­wi­ckelt wer­den.

Achim Him­mel­reich
ist Diplom­kauf­mann und seit 2006 bei Mücke, Sturm & Com­pany. Seit Juli 2010 ist er Part­ner. Sein Schwer­punkt liegt bei stra­te­gi­schen Fra­ge­stel­lun­gen im E-​​Commerce mit Fokus auf die Eta­blie­rung neuer Märkte und Stan­dards. Er ver­fügt über lang­jäh­rige Erfah­rung in der stra­te­gi­schen Ent­wick­lung und Posi­tio­nie­rung im TIME-​​Markt, im E– und M-​​Commerce, bei der Ent­wick­lung von Digi­tal­stra­te­gien für Medi­en­un­ter­neh­men sowie im E-​​Payment. Außer­dem ist er Vor­sit­zen­der der Fach­gruppe E-​​Commerce und Mit­glied des Exper­ten­rats beim BVDW (Bun­des­ver­band Digi­tale Wirtschaft).

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