Geringe Katastrophenschäden beflügeln Allianz

Michael Diekmann

Allianz-Chef Michael Diekmann. (Foto: Allianz)

München – Geringe Katastrophenschäden heben die Stimmung bei Europas grösstem Versicherer Allianz. Nach einem überraschend guten Abschneiden im zweiten Quartal peilt Vorstandschef Michael Diekmann für 2014 jetzt einen operativen Gewinn von 10,5 Milliarden Euro an – das obere Ende der bisher ausgegebenen Spanne. Schlechter als im Versicherungsgeschäft lief es weiter bei Pimco: Dem zur Allianz gehörenden US-Vermögensverwalter entzogen die Anleger erneut Milliardensummen. Unterdessen sieht Diekmann die Spannungen in Russland und der Ukraine als grösste Gefahr für die Weltwirtschaft. Die dortigen Vermögenswerte des Konzerns seien jedoch gut abgesichert.

Nicht aufs Jahr hochrechnen
Für das laufende Jahr rechnet Allianz-Chef Diekmann weiter mit einem operativen Ergebnis von 9,5 bis 10,5 Milliarden Euro, sieht nun aber das obere Ende der Spanne in Reichweite. Nach den ersten sechs Monaten sind davon 5,5 Milliarden erreicht. Der Vorstand warnte jedoch davor, diese Zahl einfach auf das gesamte Jahr hochzurechnen. Naturkatastrophen sowie Turbulenzen in der Wirtschaft und an den Kapitalmärkten könnten die Ergebnisse teils erheblich beeinträchtigen.

Malaysian Airlines-Unglücke kostet Allianz gegen 60 Mio Euro
Ein Schaden für das dritte Quartal steht bereits fest: Der mutmassliche Abschuss der Malaysian-Airlines-Flugs MH17 in der Ostukraine dürfte die Allianz laut Finanzchef Dieter Wemmer etwa 30 Millionen Euro kosten. Dies ist die gleiche Grössenordnung wie bei der im März verschwundenen Maschine mit der Flugnummer MH370, die ebenfalls zu Teilen bei dem Münchner Konzern versichert ist.

In den Monaten April bis Juni verdiente die Allianz unter dem Strich 1,76 Milliarden Euro und damit 10,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Konzernumsatz legte um ein Zehntel auf 29,5 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn sprang um gut 17 Prozent auf fast 2,77 Milliarden Euro und übertraf damit deutlich die Erwartungen der Branchenexperten.

Schaden- und Unfallgeschäft legt zu
Dabei kamen dem Versicherer vergleichsweise geringe Katastrophenschäden zugute. Naturkatastrophen schlugen diesmal mit lediglich 172 Millionen Euro zu Buche. Ein Jahr zuvor hatte das Hochwasser in Deutschland die Summe auf 549 Millionen Euro getrieben. Diesmal richtete das Sommergewitter «Ela» in Europa hohe Schäden an. Zudem machten der seit Jahren darbenden Allianz-Tochter Fireman’s Fund aus den USA zwei Grossschäden aus der ferneren Vergangenheit das Ergebnis zunichte. In der gesamten Schaden- und Unfallversicherung der Allianz wuchs das operative Ergebnis dennoch um 14 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro.

In der Lebens- und Krankenversicherungssparte verbuchte die Allianz einen kräftigen Sprung bei den Beitragseinnahmen. Sie legten um ein Fünftel auf knapp 17 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn stieg um 47 Prozent auf den Rekordwert von 984 Millionen Euro. Dazu trugen jedoch Einmalgewinne etwa aus dem Verkauf von Wertpapieren und der Bewertung von Absicherungsinstrumenten 120 Millionen Euro bei. Einen Erfolg macht die Allianz bei ihren Lebensversicherungen ohne Garantiezins aus, die sie seit gut einem Jahr in Deutschland anbietet. Beim Verkauf über die eigenen Vertreter kamen die Verträge zuletzt auf einen Anteil von 27 Prozent.

Anleger ziehen Gelder bei Pimco ab
Die Vermögensverwaltung, in der der Konzern seine Töchter Allianz Global Investors (AGI) und Pimco gebündelt hat, musste weiter Federn lassen. Während AGI mehr Geld von Kunden anzog, gingen dem weltgrössten Anleiheninvestor Pimco erneut Summen verloren. Insgesamt beliefen sich die Mittelabflüsse auf gut 17 Milliarden Euro. Diekmann will Pimco dennoch nicht das Vertrauen entziehen. Mit der Leistung der US-Tochter sei er «sehr, sehr zufrieden», sagte er auf Nachfrage. Insgesamt wuchs das gemanagte Vermögen der Allianz-Vermögensverwaltung seit Jahresbeginn um 4,4 Prozent auf 1,8 Billionen Euro. Dabei schlugen sich die steigenden Marktwerte der Anlagen nieder. (awp/mc/pg)

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