Global X ETFs: Stablecoins und Tokenisierung: Die nächste Welle der globalen Finanzinfrastruktur

Global X ETFs: Stablecoins und Tokenisierung: Die nächste Welle der globalen Finanzinfrastruktur
Andrew Ye, Investment Strategist, Global X ETFs. (Foto: zvg)

Die Infrastruktur der Kapitalmärkte befindet sich im Wandel. Die weltgrössten Finanzinstitute setzen mittlerweile gemeinsam genutzte, kryptografisch gesicherte digitale Register als Basisinfrastruktur ein. Zwei Anwendungsbereiche stehen im Zentrum dieses Wandels: Stablecoins und Tokenisierung.

Autor: Andrew Ye, Investment Strategist, Global X ETFs

Was sind Stablecoins und Tokenisierung?
Ein Stablecoin ist ein digitaler Vermögenswert, der an eine Referenzwährung – meist den US-Dollar – gekoppelt ist und im Verhältnis 1:1 durch Bargeld oder kurzfristige liquide Vermögenswerte wie US-Schatzanweisungen gedeckt ist. Stablecoins haben einen festen Wert und fungieren als programmierbares, blockchain-basiertes Geld, das eine nahezu sofortige Abwicklung und kostengünstige grenzüberschreitende Überweisungen ermöglicht. Die grössten Stablecoins sind derzeit Tether (USDT) mit einer Marktkapitalisierung von rund 184 Milliarden US-Dollar und USDC von Circle (rund 78 Mrd. Dollar)

Tokenisierung ist der Prozess der Ausgabe einer digitalen Darstellung eines Vermögenswerts, etwa einer Anleihe, eines Fondsanteils oder einer Immobilie, auf einer Blockchain. Der Token ist der Eigentumsnachweis für den Vermögenswert, dessen Übertragung und Abwicklung in einem gemeinsamen Ledger erfolgt. Dies bedeutet eine schnellere Abwicklung, mehr Transparenz und die Möglichkeit, Vermögenswerte zu fraktionieren, die zuvor nur in grossen Stückelungen erhältlich waren.

Marktwachstum und Anwendungsfälle
Die Gesamtmarktkapitalisierung von Stablecoins stieg zwischen 2020 und 2026 von 28 Milliarden auf über 320 Milliarden US-Dollar. Das monatliche Transaktionsvolumen hat sich innerhalb eines einzigen Jahres mehr als verdoppelt, von 1,9 Billionen US-Dollar im Februar 2024 auf 4,1 Billionen US-Dollar im Februar 2025, während die Zahl der aktiven Stablecoin-Wallet-Adressen im gleichen Zeitraum um 53% auf 30 Millionen stieg. Weltweit gibt es mittlerweile mehr als 500 Millionen eigenständige Wallet-Adressen.

Den Grossteil der Stablecoin-Aktivitäten macht heute nach wie der Handel mit Kryptowährungen aus. Der IWF schätzt, dass etwa 80% der Stablecoin-Transaktionen über Bots und automatisierte Systeme abgewickelt werden, die für Arbitrage und die Neugewichtung von Portfolios genutzt werden. Die Zusammensetzung der Anwendungsfälle scheint sich jedoch zu verschieben, was sich an der Entkopplung des Stablecoin-Transaktionsvolumens vom Spot-Handelsvolumen mit Kryptowährungen zeigt. Grenzüberschreitende Zahlungen nehmen rasch zu, vor allem in Schwellenländern. In Lateinamerika nutzten 71 % der Befragten Stablecoins für grenzüberschreitende Zahlungen. Die wirtschaftlichen Vorteile sind überzeugend: Überweisungen mit Stablecoins könnten die Gebühren im Vergleich zu herkömmlichen Banküberweisungen um bis zu 60% senken, und die Abwicklung erfolgt innerhalb von Sekunden statt Tagen. Ein weiterer wachsender Anwendungsbereich sind Treasury-Aktivitäten von Unternehmen, wobei die Nutzung von Stablecoins für Betriebskapital und die Abwicklung in der Lieferkette bis 2025 um etwa 25% steigen wird. Visa und Mastercard haben begonnen, Kartenverbindlichkeiten in USDC on-chain abzuwickeln und Stablecoins damit in die etablierten Zahlungssysteme zu integrieren.

Tokenisierte Vermögenswerte folgen einem ähnlichen Verlauf. Der On-Chain-Wert realer Vermögenswerte (ohne Stablecoins) stieg von etwa 1 Milliarde US-Dollar Ende 2022 auf 21,4 Mrd. Dollar Ende 2025. Tokenisierte US-Staatsanleihen bildeten das grösste Segment, gefolgt von Rohstoffen und institutionellen alternativen Fonds. Die Zahl der privaten Inhaber tokenisierter RWA-Vermögenswerte stieg im Jahr 2025 um mehr als das Siebenfache auf fast 550’000. Prognosen für das Jahr 2030 variieren zwischen 2 Billionen und 16 Billionen US-Dollar.

Institutionelle Adoption
Grosse Finanzinstitute sind längst über Pilotprojekte hinweg. BlackRock brachte 2024 seinen tokenisierten Treasury-Fonds «BUIDL» auf den Markt. In einem Jahr überschritt das Fondsvermögen die Marke von 1 Milliarde US-Dollar und lag Ende 2025 bei über 2,5 Mrd. Dollar. Der Fonds ist mittlerweile in acht Blockchain-Netzwerken aktiv und dient auf Binance als Handelssicherheit.

Franklin Templeton brachte 2021 den ersten in den USA registrierten Investmentfonds auf einer Public Chain auf den Markt. JPMorgan lancierte im Dezember 2025 einen tokenisierten Geldmarktfonds auf Ethereum. Securitize, die Plattform hinter BUIDL, arbeitet unter anderem mit Apollo, Hamilton Lane und KKR zusammen. Weltweit gab es zudem Gespräche zwischen Banken über die Adoption von Stablecoins. Mehrere US-Banken führten Gespräche über die Einführung eines gemeinsamen Stablecoins. In Europa kündigten Ende 2025 neun grosse Banken, darunter ING, Unicredit und CaixaBank, ein Konsortium zur Einführung eines auf dem Euro basierenden Stablecoins an.

Regulatorische Klarheit
Institutionelles Kapital folgt in der Regel der regulatorischen Klarheit. Zwei Rahmenwerke sind dabei von grösster Bedeutung:

Der 2025 unterzeichnete GENIUS Act ist das erste umfassende Rahmenwerk des US-Bundes für Stablecoins. Er verpflichtet Emittenten, Zahlungs-Stablecoins im Verhältnis 1:1 mit US-Dollar oder risikoarmen liquiden Vermögenswerten zu decken, schreibt eine Lizenzierung durch Bundes- oder Landesaufsichtsbehörden vor und unterwirft Emittenten den Verpflichtungen des Bankgeheimnisgesetzes.

Die Verordnung über Märkte für Krypto-Vermögenswerte («MiCA») trat am 30. Dezember 2024 vollständig in Kraft und legt einheitliche EU-weite Vorschriften für Emittenten und Dienstleister im Bereich Krypto-Vermögenswerte fest. Ihre Bestimmungen zu Stablecoins verlangen eine vollständige Deckung durch liquide Vermögenswerte sowie obligatorische Prüfungen.

Tokenisierte Fonds: Eine wachsende Anlageklasse
Tokenisierte Fonds verzeichnen ein deutliches Wachstum. BCG schätzt, dass sie bis 2030 ein verwaltetes Vermögen (AUM) von 600 Milliarden US-Dollar erreichen könnten – eine Entwicklung, die mit dem frühen Wachstum von ETFs vergleichbar ist. Geldmarktfonds liegen dabei an der Spitze: Ihr gesamtes On-Chain-AUM wird bis Ende Januar 2026 10 Milliarden US-Dollar übersteigen.

Fondsmanager bereiten sich entsprechend vor. Die «Funds-Europe-CACEIS Digital Assets Survey» ergab, dass 62% der Vermögensverwalter ohne tokenisierten Fonds davon ausgehen, innerhalb von fünf Jahren einen solchen aufzulegen, wobei mehr als die Hälfte die erwartete Nachfrage seitens der Anleger als Haupttreiber nannten. Unter den Vermögensinhabern bezeichnen 88% die Nachfrage als moderat oder hoch.

Fazit
Stablecoins und Tokenisierung haben den Sprung von der Theorie in die Praxis geschafft. Die weltweit grössten Vermögensverwalter verwalten bereits tokenisierte Fonds, während die USA und die EU rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen haben, um die Entwicklung von Stablecoins und der Tokenisierung zu unterstützen. Zwar machen Stablecoins und Tokenisierung derzeit nur einen kleinen Teil der globalen Finanzmärkte aus, doch die Infrastruktur entwickelt sich weiter und das Engagement institutioneller Akteure nimmt zu. Dies sollte man genau im Auge behalten. (zvg/mc/pg)

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