Goldman Sachs steht wegen Pfändungen am Pranger

Lloyd Blankfein

Lloyd Blankfein, CEO Goldman Sachs.

New York – Die US-Bankenaufseher knöpfen sich Goldman Sachs wegen vorschneller Hauspfändungen vor. Am Donnerstag hat die Notenbank Fed die Wall-Street-Grösse wegen unsauberer Praktiken ihrer ehemaligen Tochterfirma Litton Loan Servicing an den Pranger gestellt. «Eine Geldstrafe wäre angemessen», erklärte die Fed. Darüber soll später entschieden werden. Die Aktie verlor 3 Prozent.

Vor allem das sogenannte «Robo-Signing», die Hauspfändung am Fliessband ohne genaue Prüfung der Dokumente, steht in der Kritik. Damit ist aber jetzt nach einer Übereinkunft Goldmans mit der Finanzaufsicht des Bundesstaates New York Schluss. «Diese Vereinbarung schützt jene Hausbesitzer, die wegen der Finanzkrise in arge Not geraten sind», sagte New Yorks Finanzaufseher Benjamin Lawsky. Goldman Sachs vergibt selbst zwar keine Kredite für Eigenheime. Doch die Investmentbank hatte 2007 Litton übernommen. Die Firma ist ein sogenannter Loan Servicer. Dieser Loan Servicer sorgt im Auftrag eines Kreditinstituts beispielsweise dafür, dass die Zins- und Tilgungszahlungen pünktlich eingehen; im äussersten Fall pfändet der Servicer aber auch die Häuser.

Besserung gelobt
Goldman hat sich jedoch aus dem Geschäft zurückgezogen und Litton an den Wettbewerber Ocwen Financial verkauft. Im Rahmen dieses am Donnerstag abgeschlossenen Verkaufs knöpften sich die Fed und die New Yorker Finanzaufsicht die Investmentbank vor. Goldman, Litton und Ocwen mussten versprechen, künftig genauer bei Zwangsvollstreckungen säumiger Schuldner hinzusehen. Die Hausbesitzer, die bereits zu Schaden gekommen sind, sollen entschädigt werden. Laufende Zwangsvollstreckungen, die Fehler aufweisen, müssen abgebrochen werden. «Goldman Sachs, Ocwen und Litton haben allesamt zugestimmt, die Rechte der Hausbesitzer über ihre eigenen Profitmargen zu stellen», sagte Finanzaufseher Lawsky. Die Fed ordnete an, dass Goldman einen externen Berater engagieren muss, um alte Fälle zu überprüfen.

US-Grossbanken seit Monaten in der Kritik
Seit Monaten stehen die grossen US-Kreditinstitute wegen fehlerhafter Hauspfändungen in der Kritik. Staatsanwälte haben Ermittlungen aufgenommen und Bankenregulierer erste Rüffel verteilt, unter anderem an Grossbanken wie JPMorgan Chase, die Citigroup, die Bank of America und Wells Fargo. Die US-Notenbank Fed hatte wegen der Verfehlungen bereits im April mit Geldstrafen für eine ganze Reihe an Finanzfirmen gedroht. Auch die Deutsche Bank war wegen Pfändungen in die Schusslinie geraten. Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles hatte dem Institut vorgeworfen, gepfändete Häuser verwahrlosen zu lassen und die finanzschwachen Bewohner zu drangsalieren und widerrechtlich zu vertreiben. Die Deutsche Bank vertritt als sogenannter Trustee oder Treuhänder die Interessen von Investoren, die komplette Kreditpakete aufgekauft haben. Sie leitet etwa Gelder weiter und verwaltet Dokumente. Auch sie vergibt selbst keine Eigenheim-Kredite in den USA. (awp/mc/ps)

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