Graubündner Kantonalbank verdient operativ weniger

Alois Vinzens

Alois Vinzens, Vorsitzender der Geschäftsleitung Graubündner Kantonalbank. (Foto: GKB)

Chur – Die Graubündner Kantonalbank (GKB) kann sich dem Einfluss der Negativzinsen nicht entziehen und hat im ersten Semester 2015 operativ wie erwartet weniger verdient. Der Reingewinn nahm dagegen dank Sonderfaktoren zu. Auf Basis des Halbjahresabschlusses erhöht die Bank ihren bisherigen Gewinnausblick für das Gesamtjahr.

Der Bruttogewinn des Bündner Kantonsinstituts nahm in der Berichtsperiode um 9,9% auf 98,5 Mio ab. Damit fiel das Minus aber weniger stark aus, als vom Management noch im Februar befürchtet. Finanzchef Alois Lötscher rechnete damals mit einem Rückgang des operativen Gewinns um rund 15%.

Investitionen in Digital Banking
Der Reingewinn erhöhte sich dagegen um 1,7% auf 90,0 Mio CHF. Hier schlug insbesondere der Buchgewinn aus dem Verkauf der Swisscanto-Beteiligung mit 16,8 Mio positiv zu Buche. Dieser Gewinn werde in die Reserven für allgemeine Bankrisiken überführt und für Investitionen in Grossprojekte – namentlich im Bereich Digital Banking – genutzt, kündigt die Bank in ihrer Mitteilung zum Semesterabschluss am Freitag an.

«Das operative Ergebnis der GKB kann sich dem Einfluss der Negativzinsen nicht entziehen, wird aber positiv vom Risikoergebnis auf den Ausleihungen beeinflusst», kommentieren Bankpräsident Peter Fanconi und CEO Alois Vinzens die Halbjahreszahlen. Die ZKB-Analysten sprechen in ihrer ersten Einschätzung von einem guten Ergebnis: Das Negativzinsregime fordere zwar Tribut, aber weniger stark als befürchtet. Die Bank stuft den GKB-PS auf «Marktgewichten» von «Untergewichten» hoch.

Negativzinspolitik der SNB belastet
Der Bruttoertrag verminderte sich in der Berichtsperiode um 5,5% auf 183,4, Mio. Der Hauptgrund für den Rückgang liegt bei dem mit 113,1 Mio um 5,2% tieferen Erfolg aus dem zentralen Zinsengeschäft. Hier mache sich die Negativzinspolitik der Nationalbank bemerkbar, welche zu höheren Absicherungskosten geführt habe, führt die GKB an. Die Absicherungskosten auf kurz- und mittelfristigen Positionen würden dabei aber vor allem das laufende Jahr belasten.

Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft nahm der Erfolg um 9,8% auf 52,2 Mio ab. Belastend wirkten der Minderertrag aus Retrozessionen sowie der Rückgang des Depotvolumens aus dem Umbau des Crossborder-Geschäftes. Das Handelsgeschäft schliesslich lieferte dank der Zunahme der Fremdwährungstransaktionen im Kundengeschäft einen um 31% höheren Erfolg von 12,1 Mio.

Der Geschäftsaufwand nahm geringfügig auf 85,0 Mio zu, was zu einer Cost-/Income-Ratio II von 48,8% nach 46,4% im Vorjahr führte.

Erneuter Nettogeldabfluss
Wie bereits in der Vorjahresperiode vermochte die GKB netto keine Neugelder anzuziehen. Vielmehr flossen als Folge der Bereinigung des Crossborder-Geschäftes 310 Mio ab. Für das Gesamtjahr erwartet das Management nun einen Abfluss von 300 Mio, nachdem ursprünglich noch ein Zufluss von 200 Mio in Aussicht gestellt wurde. Die Kundenvermögen reduzierten sich als Folge der Abflüsse sowie negativer Währungseffekte um 2,5% auf 29,4 Mrd.

Zugenommen haben dagegen getrieben vom Wachstum des Hypothekengeschäftes die Kundenausleihungen (+3%). Gestützt werde dieses Wachstum durch vermittelte Immobilienfinanzierungen ausserhalb des Stammgebietes der GKB. Trotz gewachsenem Kreditvolumen bleiben die Wertberichtigungen auf einem tiefen Niveau und würden bislang insgesamt nicht auf erhöhte Bonitätsrisiken hindeuten. Namentlich in der Bau- und Tourismusbranche würden sich die Unternehmer an die geringere Nachfrage anpassen.

Sehr gut kapitalisiert
Mit einer Eigenkapitalquote (Tier-1-Ratio) von 18,6% gehört die GKB weiter zu den bestkapitalisierten Instituten.

Gewinnprognosen erhöht
Ausgehend vom Semesterergebnis erhöht die GKB ihre bisherigen Gewinnprognosen für das Gesamtjahr. So wird neu mit einem adjustierten Reingewinn in der Grössenordnung von 170 bis 180 Mio (bisher 160 bis 170 Mio) gerechnet. Den Konzerngewinn sieht das Management in der Bandbreite von 160 bis 165 Mio CHF und damit im Rahmen des Vorjahres.

US-Steuerprogramm vor Abschluss
Für das laufende US-Steuerprogramm – die GKB nimmt daran bekanntlich in der Kategorie 2 teil – rechnet das Institut mit einem Abschluss in diesem Herbst. Alle Arbeiten seien abgeschlossen und hätten die bisherige Risikoeinschätzung bestätigt. Rückstellungen für die potentielle Busse und die Verfahrenskosten seien vorhanden, versichert die Bankführung. (awp/mc/pg)

Graubündner Kantonalbank

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