Griechenland: Frist für Schuldenschnitt abgelaufen

Griechenland

Athen – In Griechenland läuft der Countdown zum dringend benötigten Schuldenschnitt. Private Gläubiger hatten nur noch bis zum Donnerstagabend Zeit, um ihre Zustimmung zu einem mehr als 50-prozentigen Forderungsverzicht zu erklären. Der Ausgang bleibt ungewiss. Griechische Experten mit guten Kontakten zum Finanzministerium schätzten am Donnerstag, dass die Zustimmungsquote bei 60 Prozent liegt. Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums sagte der Nachrichtenagentur dpa, man sei sich sicher, dass am Ende mehr als 75 Prozent zusammenkämen.

«Optimismus für den erfolgreichen Abschluss des Schuldenschnitts», titelte die Athener Zeitung «Ta Nea». «Optimismus, dass der Schuldenschnitt am Abend unter Dach und Fach sein wird», hiess es auch beim Boulevardblatt «Ethnos».

Umschuldungsklauseln dürften aktiviert werden
Als fast sicher galt in Athen jedoch, dass die eigentlich angestrebte Zustimmung von mehr als 90 Prozent nicht erreicht wird. Für diesen Fall wird damit gerechnet, dass Athen Umschuldungsklauseln (CAC) aktiviert, die die Gläubiger zum Forderungsverzicht zwingen. Ein entsprechendes Gesetz hatte das Parlament in Athen im Februar beschlossen. Auch für diese Option ist allerdings eine Mindestzustimmung aus dem Investorenkreis nötig. Das Finanzministerium in Athen plant, erste Ergebnisse am Freitagmorgen zu veröffentlichen. Wie es dann konkret weitergeht, dürfte erst nach Beratungen von Finanzminister Evangelos Venizelos mit seinen Amtskollegen aus den anderen 16 Euroländern bekannt werden.

Euro-Finanzminister entscheiden am Freitag

Die Euro-Finanzminister wollen sich in einer Telefonkonferenz mit den Ergebnissen des griechischen Anleihetausch-Angebots beschäftigen. Auf der Tagesordnung steht auch die endgültige Freigabe des Anfang März grundsätzlich beschlossenen 130-Milliarden-Hilfspakets für Griechenland. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Schuldenschnitt zustande kommt. Das Land hängt bereits seit 2010 am internationalen Finanztropf und hatte bereits damals Hilfszusagen von 110 Milliarden Euro bekommen. Bald danach zeigte sich aber, dass diese Kredite nicht ausreichen, um Griechenland dauerhaft vor der Pleite zu bewahren.

Forderungsverzicht von 53,5 Prozent

Ausgangspunkt für den im Detail äusserst komplizierten Schuldenschnitt ist ein Anleihevolumen von 206 Milliarden Euro. Die Grundsatzvereinbarung mit den Banken sieht einen Forderungsverzicht von 53,5 Prozent vor. Der griechische Schuldenberg würde also im Optimalfall um mehr als 100 Milliarden Euro gestutzt. Anleger sollen, so das Angebot, im Tausch für ihre alten Anleihen neue Bonds mit längerer Laufzeit und niedrigerer Verzinsung bekommen. Unter den Haltern griechischer Anleihen sind allerdings auch Investoren wie Hedge-Fonds, die sich noch nicht in die Karten schauen lassen wollen. Bestimmten Hedge-Fonds wird nachgesagt, dass sie auf ein Scheitern der freiwilligen Umschuldung setzen, um dann bei Zwangsmassnahmen der Athener Regierung Entschädigungen aus Kreditausfallversicherungen zu kassieren.

Immer mehr Banken wollen mitmachen

Nach Angaben des internationalen Bankenverbandes IIF zur Wochenmitte wollen sich immer mehr Banken und Versicherungen freiwillig an dem Schuldenschnitt beteiligen. Die im Ausschuss für den Anleihentausch vertretenen Institute würden mit grosser Mehrheit auf Forderungen an Athen verzichten. Nach diesen Angaben signalisierten bisher 30 Ausschussmitglieder diese Bereitschaft – sie halten zusammen griechische Staatsanleihen im Wert von 81 Milliarden Euro. Das seien 39,3 Prozent der gesamten Forderungen von 206 Milliarden Euro, die Privatleute, Banken, Versicherungen oder Hedge-Fonds an Griechenland haben. (awp/mc/ps)

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