GRIMALDI & PARTNERS: Ausblick für das zweite Halbjahr 2019 – mehr Chancen oder Gefahren?

GRIMALDI & PARTNERS: Ausblick für das zweite Halbjahr 2019 – mehr Chancen oder Gefahren?
Silvano Grimaldi, CEO Grimaldi & Partners. (Foto: zvg)

Zürich – Die Börsen sind gut ins Jahr 2019 gestartet. Allerdings mussten die Anleger in der Mai-Korrektur einen Teil der Jahresgewinne abgeben. Seitdem haben sich die Börsen wieder erholt und teils neue Rekordstände erreicht, so auch der Schweizer Aktienmarkt. Sind nun die Börsen heissgelaufen? Sollen die Kursgewinne ins Trockene gebracht werden? Welche Chancen und Gefahren wird das zweite Halbjahr bringen? Silvano Grimaldi, CEO der unabhängigen und neutralen Schweizer Vermögensverwaltung GRIMALDI & PARTNERS AG, gibt Ihnen eine Roadmap, um diese Fragen zu beantworten.

Konsolidierung über die Sommermonate?
Der Abwärtstrend vom vergangenen Mai wurde im Wesentlichen durch erwartete Zinssenkungen seitens der US-Notenbank gestoppt. Mittlerweile gehen die Anleger davon aus, dass die US-Zentralbanker einen ersten Zinssenkungsschritt in der Notenbanksitzung von Ende Juli beschliessen werden. Auch die Wiederaufnahme der Handelsgespräche zwischen den USA und China nach dem G20-Gipfel in Osaka von Ende Juni hat die Kurserholung der Börsen unterstützt. Ein weiterer positiver Impuls – speziell für den deutschen Aktienindex DAX – kam von der kürzlichen Nominierung von Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank, die wohl einen expansiven geldpolitischen Kurs der EZB beibehalten dürfte. Für den weiteren Verlauf über die Sommermonate dürfte die anstehende Berichtssaison bestimmend sein. Werden die Geschäftszahlen der US- und der europäischen Unternehmen besser als erwartet ausfallen, dürfte dies ein Korrekturrisiko minimieren. Allerdings dürfte die anstehende Wahl des neuen UK-Premierministers für etwas Volatilität sorgen.

Ab Herbst ein neuer Aufschwung am Aktienmarkt?
Die Angst vor einer Rezession in den USA und Europa bleibt immer noch Hauptthema der Anleger. Nicht unberechtigt, denn gemessen an den Einkaufsmanagerindizes, die unter die Wachstumsschwelle 50 gefallen sind, ist der Industriesektor schon seit ein paar Monaten am Schrumpfen. Auch der Brexit, der im Moment in Vergessenheit zu geraten scheint, kann im Herbst für eine Erhöhung der Volatilität sorgen, je nachdem, was im Hinblick auf das aufgeschobene Austrittsdatum von Ende Oktober 2019 passiert. Politische Risiken wie zuletzt die Atomspannungen zwischen den USA und Iran können jederzeit eine Korrektur auslösen.

Andererseits bestehen unterstützende Faktoren: Die Industrieflaute wurde durch ein solides Wachstum im Dienstleistungssektor mehr als kompensiert. In China sind derweil Daten aus dem Einzelhandel und zur Industrieproduktion im Juni robust ausgefallen, was auf eine Stabilisierung des Wachstums, wenn auch auf niedrigerem Niveau, schliessen lässt. Die Inflation dürfte trotz rekordtiefer Arbeitslosenquote u.a. durch die Zunahme der Erwerbsquote kaum ein Problem werden. Die weiterhin niedrigen Zinsen und der Expansionskurs der Zentralbanken dürften der Wachstumsverlangsamung entgegenwirken.

Fazit
Dass in den USA eine Rezession befürchtet wird, liegt unter anderem daran, dass die Konjunktur nach 11 Jahren ohne Rezession im Spätzyklus liegt. Tatsache ist, dass reiche Industrieländer wie Grossbritannien und Australien einen viel längeren Konjunkturaufschwung erlebt haben von jeweils ca. 20 und 30 Jahren. Erfahrungsgemäss ist eine straffe Geldpolitik der Hauptfeind der Konjunktur: Die wichtigsten Zentralbanken (der USA und der Eurozone) sind allerdings auf expansivem Kurs. Die aktuellen Deglobalisierungstendenzen dürften zu weniger Weltwirtschaftswachstum führen, was sich bearish auf Zinsen und Inflation auswirkt.

Abgesehen von den politischen Unwägbarkeiten bleibt das fundamentale Umfeld für Aktien ermutigend: Die moderaten Gewinnschätzungen bergen weniger Enttäuschungspotential und die allgemeine Skepsis unter den Anlegern wirkt kursstützend. Schliesslich dürften die niedrigen Zinsen den Konjunkturzyklus verlängern. Und selbst bei rückläufigen Unternehmensgewinnen – solange die Zinsen niedrig bleiben oder gar noch weiter fallen – dürfte sich die Bewertung der Aktienkurse ausweiten und damit eine steigende Tendenz an den Aktienmärkten bewirken. Somit wird erwartet, dass die Aktienmärkte nach einer Verschnaufpause mit weiteren Kursgewinnen auf das Jahresende zusteuern. Drehen die Unternehmensgewinne im Schlussquartal nach oben, könnte an den Börsen wieder Partystimmung aufkommen. Aus Contrarian-Sicht wäre es erst dann Zeit, Kursgewinne zu realisieren! (GRIMALDI & PARTNERS/mc/ps)

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