GRIMALDI & PARTNERS: «Sell in May and go away» auch in diesem Jahr?

GRIMALDI & PARTNERS: «Sell in May and go away» auch in diesem Jahr?
Silvano Grimaldi, CEO Grimaldi & Partners. (Foto: zvg)

Zürich – Wird die altbekannte Börsenregel «Sell in May and go away» dieses Jahr Gültigkeit haben? Welche Faktoren dafür und welche dagegen sprechen, zeigt Ihnen Silvano Grimaldi, CEO der unabhängigen Schweizer Vermögensverwaltung Grimaldi & Partners AG.

Erstes Quartal 2019 im Zeichen des Optimismus
Die internationalen Aktienmärkte haben eines der besten ersten Quartale seit Jahren hingelegt. Die Kursavancen der europäischen und amerikanischen Börsen summierten sich auf 10 bis 15% und damit wurden die Verluste von Ende 2018 teilweise wettgemacht. Dieser Optimismus wurde im Wesentlichen getragen von einer nachgiebigen US-Geldpolitik –Stichwort: Zinspause –, besser als erwartet ausgefallene Jahresergebnisse der Unternehmungen, Anzeichen einer schnellen Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China und die Erwartung einer konjunkturellen Wiederbelebung ab dem zweiten Semester 2019.

Korrektur vom Mai nur vorübergehend?
Die Chinesen hatten wahrscheinlich nicht mit einem harten Kurs von US-Präsident Donald Trump bei den Verhandlungen im Handelsstreit gerechnet. So dürften sie überrascht gewesen sein, als Trump im vergangenen Mai wegen der zögerlichen Haltung Chinas beim Abschliessen eines verbindlichen Handelsabkommens mit den USA eine Zollerhöhung auf chinesische Güterimporte im Wert von gar 200 Mrd. US-Dollar verkündete. Dies führte zu einer Eskalation: China verkündete ebenfalls eine Erhöhung der Zölle auf US-Güterimporte. Die Amerikaner reagierten mit dem Ausschluss von Huawei, Chinas Vorzeige-Technologie-unternehmen, vom amerikanischen Markt. Und schliesslich setzten die Chinesen als weiteres Druckmittel die Möglichkeit einer Produktionsbeschränkung von seltenen Erden, von denen die US-Technologiebranche abhängig ist. Die Eskalierung im Handelsstreit hat die konjunkturellen Sorgen bei den Anlegern aufgeweckt. So genügte, dass Chinas Industrie im Mai stärker schrumpfte als erwartet, um Befürchtungen einer Rezession der Weltwirtschaft auszulösen. In der Folge tauchten die Börsen einige Prozentpunkte und die Kursavancen von Anfang Jahr waren teilweise zunichte gemacht. Gegen Ende Mai hatte der Pessimismus, gemessen an der steilen Zunahme der Volatilität, einen Höchstwert erreicht. Sind nun die Anleger zu pessimistisch geworden? Einiges spricht dafür, dass die Korrektur von Mai eine kurzfristige Konsolidierungsphase darstellt.

Fazit
Bekanntlich haben politische Börsen kurze Beine. Es ist damit zu erwarten, dass die USA und China noch dieses Jahr eine Lösung finden werden, denn nächstes Jahr will Präsident Trump wiedergewählt werden und China feiert den 70. Geburtstag der Volksrepublik. Damit liegt es im Interesse beider Länder, den Konjunkturaufschwung nicht zu gefährden.
In Europa dürfte in den kommenden Monaten eine Belebung der Konjunktur einsetzen, zeigen die zuletzt publizierten Indikatoren doch positive Lichtblicke: In der Eurozone lagen die Einkaufsmanagerindizes im Mai einen Tick höher als erwartet, die Arbeitslosenrate ist unerwartet auf 7,6% gefallen, das Wirtschaftsvertrauen hat sich überraschend klar verbessert und die Kreditvergabe im Privatsektor hat an Dynamik gewonnen.
Die Notierungen von High-Yield-Obligationen, die sich normalerweise ähnlich wie Aktien bewegen, sind zuletzt gestiegen (die Rendite gefallen), was als bullisches Zeichen zu werten ist. Somit bestätigt auch dieser wichtige technische Indikator, dass die Maikorrektur eher als eine Zwischenkorrektur zu werten ist bzw. der Aufwärtstrend wieder da sein dürfte. Schliesslich sorgen die Zentralbanken wieder für mehr Liquidität im Markt. Die Handelsstreitsorgen dürfen für die Märkte einfacher zu lösen sein. Ergo dürfte der Risikoappetit der Anleger schrittweise über die kommenden Wochen wieder zunehmen. (Grimaldi & Partners/mc/ps)

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