Gute Zeiten für nachhaltige Wandelanleihen

Roland Hotz

Roland Hotz, Fondsmanager des FISCH CB Sustainable Fund.

Zürich –  Es sind vor allem zwei Faktoren, die für die Investition in nachhaltige Wandelanleihen sprechen: Das asymmetrische Kursverhalten von Wandelanleihen und die angestrebte Risikoreduktion bei der Anwendung von nachhaltigen Anlagekriterien.

Von Roland Hotz (Bild), Fondsmanager des FISCH CB Sustainable Fund, und Erol Bilecen, Leiter Client Services von Sarasin

Auch wenn er bereits mehrere Monate hinter uns liegt: Der Atom-GAU in Japan hat einmal mehr vor Augen geführt, wie schnell es zu einer ökologischen und in der Folge daraus auch zu einer ökonomischen Krise kommen kann. Der Aktienkurs von Tepco, des Betreibers von Fukushima, ist dramatisch eingebrochen und das Unternehmen muss nun mit staatlichen Zuschüssen sowie Unterstützungsbeiträgen für Entschädigungszahlungen vor dem Konkurs gerettet werden. Der Fall Tepco zeigt, dass ein mit solchen Risiken behaftetes Geschäftsmodell wie dasjenige eines Atomkraftwerkbetreibers nicht wirklich nachhaltig ist, und Investoren dementsprechend solche Risiken im wahrsten Sinne des Wortes in Kauf nehmen.

Stetig steigende Zahl von Nachhaltigkeitsfonds
Kein Wunder, floriert der nachhaltige Investmentansatz, bei dem neben rein finanziellen Kennzahlen auch ökologische und soziale Aspekte bei der Unternehmensanalyse berücksichtigt werden. Seit dem Ende der achtziger Jahre, als die ersten Nachhaltigkeitsfonds lanciert wurden, ist die Anzahl solcher Anlageinstrumente stetig angestiegen. Allein im Jahr 2010 verzeichneten nachhaltige Fonds in der Schweiz einen Volumenzuwachs von über 30% auf CHF 24,5 Mrd. (2009: 18,8 Mrd.). Zudem haben sich nebst klassischen Aktien- und Obligationenfonds auch andere Investmentformen wie strukturierte Produkte, Private Equity, Mikrofinanz oder eben nachhaltige Wandelanleihen etablieren können.

Während bei Private Equity vor allem der langfristige Aspekt und bei strukturierten Produkten der Aspekt der Renditeoptimierung im Zentrum steht, ist es bei Wandelanleihen der des Risikos. Dieser Faktor spielte in der Vergangenheit eine eher untergeordnete Rolle – zu Unrecht, wie sich am Beispiel Fukushima gezeigt hat. In jüngster Vergangenheit wurden gleich zwei Studien über den Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Risiko bei Obligationen publiziert.

Risikoprämien und Nachhaltigkeit
Diejenige der Zürcher Kantonalbank zeigt auf, dass die Risikoprämien bei als nicht-nachhaltig eingestuften Staaten in der Spitze im Schnitt um rund 270 Basispunkte anstiegen, während es bei den als nachhaltig bewerteten Staaten lediglich rund 150 Basispunkte waren. Eine komplementäre Untersuchung der Bank Sarasin belegt, dass für die Kreditausfallversicherung (Credit Default Swaps) von Unternehmen aus Branchen mit besonders hohen Nachhaltigkeitsrisiken (beispielsweise Automobilindustrie, Fluggesellschaften oder Bergbau) nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Schnitt auf einen Schlag wesentlich höhere Prämien bezahlt werden mussten als für solche aus weniger kritischen Branchen. Die Differenz betrug für Fluggesellschaften im Extremfall hohe 546 Basispunkte oder für Automobilhersteller 303 Basispunkte.

Immobilien und Pharma sind besonders interessant
Was bedeutet dies nun für Wandelanleihen? So lange der Convertible Bond nicht in die unterliegende Aktie gewandelt wurde, kommen alle Vorteile des Obligationenteils voll zum Tragen. Die Rede ist vor allem vom Schutz gegen unten. Fällt der Aktienkurs, nimmt der Wandler stärker den Charakter einer Anleihe an, steigt der Aktienkurs hingegen, verhält sich der Wandler umso aktienähnlicher. Auf diese Weise macht eine Wandelanleihe lediglich rund ein Drittel der Abwärtsbewegung, aber gut zwei Drittel der Aufwärtsbewegung mit. Dies trifft selbstredend auch auf Wandelanleihen von nachhaltigen Unternehmen zu.

Nachhaltige Wandelanleihenportfolios gelten trotz der sich fast schon aufdrängenden Konstellation zurzeit noch als exotisch. Fisch Asset Management und die Bank Sarasin haben zusammen im Mai 2009 den ersten nachhaltigen Wandelanleihenfonds lanciert und zählen damit bis heute zu den wenigen Anbietern dieser speziellen Anlageklasse. Der Erfolg gibt ihnen jedoch recht: Regelmässig belegt das Anlageprodukt Spitzenpositionen im Performance-Ranking. Ein wichtiger Performancetreiber ist die Auswahl der Sektoren. Besonders attraktiv ist etwa der Immobiliensektor, der sich durch hohe Eigenkapitalrenditen auszeichnet. Er wird deshalb in vielen Nachhaltigkeitsportfolios übergewichtet. Zurzeit ebenfalls sehr spannend ist der Pharma- und Biotechsektor, der vor allem durch die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Unternehmen beeinflusst wird. Gleich drei interessante Wandelanleihen ausstehend hat das amerikanische Pharma- und Biotechnologieunternehmen Gilead Science, das unter anderem in der HIV-, Hepatitis B- und Influenza-Forschung stark ist. Im Portfolio des Fisch CB Sustainable Fund findet sich eine A- geratete Wandelanleihe mit einer Laufzeit bis 2016, die derzeit bei 114% bis 115% gehandelt wird. Die Prämie liegt bei 30%, was annualisiert aber nur gerade 6% entspricht. Diese Arten von Convertible Bonds machen ein Wandelanleihenportfolio besonders attraktiv – und aufgrund der Nachhaltigkeitsanalyse tendenziell risikoärmer. (Fisch/mc/hfu)

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