Helvetia erleidet wegen Corona tiefsten Gewinn seit 2008

Helvetia erleidet wegen Corona tiefsten Gewinn seit 2008
(Bild. Helvetia)

St. Gallen – Die Coronakrise hat dem Versicherer Helvetia im vergangenen Jahr den tiefsten Gewinn seit der Finanzkrise eingebrockt. Neben der Pandemie hat vor allem der Börsencrash nach Ausbruch der Seuche das Ergebnis verhagelt.

Der Reingewinn sackte im vergangenen Jahr um fast die Hälfte auf 281,7 Millionen Franken ab, wie der Konzern am Donnerstag in einem Communiqué bekannt gab. Letztmals tiefer war der Gewinn im Finanzkrisenjahr 2008 gewesen, als die Helvetia lediglich 230,5 Millionen Franken verdient hatte.

2019 hatten unter dem Strich noch 538,1 Millionen Franken in der Kasse geklingelt. Allerdings war das auch das beste Ergebnis seit der Jahrtausendwende gewesen. Dieses wurde durch die Unternehmenssteuerreform nach oben getrieben.

Börsencrash schlägt durch
Im Coronajahr 2020 sorgte der Taucher an den Börsen im Frühling für einen happigen Anlageverlust im ersten Semester. Danach konnte die Helvetia vom Aufschwung an den Finanzmärkten im zweiten Halbjahr profitieren. Im ganzen Jahr halbierte sich das Gesamtergebnis aus Kapitalanlagen noch auf 1,43 Milliarden Franken. Die Folgen von Corona und das tiefere Anlageergebnis zogen den Gewinn in der Nicht-Leben- und Lebenversicherung erheblich nach unten.

Im Versicherungsgeschäft musste Helvetia Coronaschäden von 97,5 Millionen Franken schultern wegen Schadenzahlungen vor allem für Betriebsunterbrüche und Reiseversicherungen. Darin eingeschlossen ist der im Mai vorgestellte Vergleich mit den Gastro-Unternehmen mit Pandemie-Ausschluss in der Epidemieversicherung. Diesen hätten in der Schweiz 95 Prozent der Kunden angenommen, in Deutschland indes nur 55 Prozent.

Die bisherigen Prozesse in der ersten Instanz habe man alle mit einer Ausnahme gewonnen, sagte Konzernchef Philipp Gmür auf der Online-Bilanzmedienkonferenz. Diese Verfahren seien aber noch nicht rechtskräftig. Dennoch rechne er nicht mehr mit substanziellen Belastungen im laufenden Jahr.

Auf der anderen Seite habe es auch positive Lockdowneffekte gegeben. So habe es weniger Autounfälle gegeben, weil die Leute weniger gefahren seien. Auch die Einbrüche seien zurückgegangen. Und die Haftpflichtversicherung habe davon profitiert, dass weniger gearbeitet wurde. Positiv wirkte sich überdies eine geringere Belastung durch Grossschäden aus Naturereignissen aus.

Erwartungen übertroffen
Bei den Einnahmen stieg das Geschäftsvolumen um 2,7 Prozent auf 9,71 Milliarden Franken. Hierzu trug die Akquisition des spanischen Versicherers Caser bei. Dieser lieferte im zweiten Halbjahr einen Gewinnbeitrag von 54,3 Millionen Franken.

Mit den Zahlen hat die Helvetia die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die Dividende beträgt unverändert 5,00 Franken pro Anteilsschein.

Zudem gab die Helvetia ihre neue Strategie 20.25 bekannt, nachdem sie die bisherigen Ziele von über 10 Milliarden Franken Geschäftsvolumen mit der Übernahme von Caser erreicht hat. Unter anderem will der Versicherer bis 2025 Kosten von 100 Millionen Franken jährlich sparen. Details zu den Einsparungen wollte Konzernchef Gmür noch nicht vorlegen. (awp/mc/ps)

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