Helvetia steigert mit Übernahmen das Geschäftsvolumen deutlich

Stefan Loacker
Stefan Loacker, ehemaliger Helvetia-CEO. (Foto: Helvetia)

Helvetia-CEO Stefan Loacker. (Foto: Helvetia)

St.Gallen – Die Helvetia-Gruppe hat mit den Übernahmen der Basler Österreich und insbesondere dank dem Kauf der Nationale Suisse stark an Gewicht gewonnen. Im ersten Halbjahr 2015 wuchsen dadurch vor allem die Prämieneinnahmen in der lukrativen Schweizer Nichtlebenversicherung während im Ausland etwa die Nischenprodukte Kunst- und Transportversicherung nun breiter aufgestellt sind.

«Mit der Integration der Zukäufe sind wir voll auf Kurs», sagte CEO Stefan Loacker am Mittwoch an einer Telefonkonferenz. Im zweiten Quartal schloss Helvetia die rechtliche und finanzielle Übernahme der Nationale ab und fusionierte die operativen Rechtseinheiten in der Schweiz. Die Schilder an den Gebäuden der Nationale sind ausgetauscht, und auch auf dem Briefpapier steht neu «Helvetia». Seit Anfang Mai bieten die beiden Versicherungskonzerne ihre Produkte aus einer Hand an.

Die rechtlichen Fusionen der ausländischen Markteinheiten, also in Deutschland, Österreich, Italien und Spanien seien bis Ende 2016 vorgesehen, hiess es weiter. Aus dem belgischen Geschäft der Nationale zog sich Helvetia zurück.

Dank Einsparungen beim Personal und den Sachkosten seien bereits erste Synergien in Höhe von 15 Mio CHF realisiert worden, so Loacker. Bis Ende Juni bedeutete der Zusammenschluss den Verlust von 292 Vollzeitstellen (FTE), wobei 60 mit dem Rückzug in Belgien zu tun haben. Insgesamt rechnet Helvetia mit Synergien im Umfang von 105 bis 130 Mio CHF. Demgegenüber dürften Integrationskosten von 160 bis 200 Mio anfallen, wovon 27 Mio im ersten Halbjahr verbucht werden konnten.

Wachstum im Nichtlebengeschäft
Die Helvetia-Rechnung des ersten Halbjahres wird indessen von den Zukäufen stark verzerrt. Das Geschäftsvolumen kletterte auf 5,29 Mrd CHF von 4,81 Mrd CHF, in Lokalwährungen betrug das Plus 15%. In der Nichtlebenversicherung erhöhten sich die Prämieneinnahmen währungsbereinigt um 50%, schliesslich war die Nationale Suisse stark auf dieses Segment ausgerichtet. Akquisitionsbereinigt hätte dieses Geschäft gemäss Loacker «stabile bis leicht positive» Wachstumsraten erreicht.

Dagegen nahm das Volumen im Lebengeschäft in Lokalwährungen um 3,4% ab. Hier sei das Zeichnen von traditionellem, kapitalintensivem Geschäft bewusst gedrosselt worden, während sich die anlagegebundenen Produkte und Depoteinlagen (+4,5%) positiv entwickelten. Die Neugeschäftsmarge litt unter den tiefen Zinsen und ging um 0,7 Prozentpunkte auf 0,3% stark zurück.

Gewinnwachstum im Nichtleben- und Lebengeschäft
Das Ergebnis aus den Geschäftstätigkeiten (nach Steuern), welches die Helvetia aufgrund der Verzerrungen des IFRS-Gewinns durch Akquisitionseffekte wie Integrationskosten oder Goodwill-Abschreibungen in den Fokus stellt, erhöhte sich um 12% auf 221 Mio CHF. Auch hier war die Nichtlebensparte mit einem Anstieg um knapp 46% der entscheidende Treiber. In der Lebensparte nahm das Ergebnis um 18% zu, wobei zinsbedingt weniger Reserven gebildet werden mussten als noch vor Jahresfrist. Ein Minus von 22 Mio verzeichnete das Segment Corporate.

Im Nichtlebenteil profitierte die «neue» Helvetia von einem «schadenarmen» Halbjahr sowie den akquisitionsbedingt höheren Volumen. Dadurch verbesserte sich die Combined Ratio um 1,6 Prozentpunkte auf 92,4%. Besonders der Heimmarkt Schweiz fiel mit einem erneut tiefen und damit guten Wert von 86,7% (VJ 84,2%) auf. Unter dem Strich weist die Gruppe nach IFRS-Rechnungslegung ein auf 162 Mio CHF von knapp 200 Mio gesunkenes Periodenergebnis aus, lag damit aber über den Erwartungen der Analysten.

Mit den Kapitalanlagen erzielte die Helvetia eine direkte Rendite von 2,3% (VJ 2,7%), was auf die «extrem tiefen» Renditen auf Neu- und Wiederanlagen von Bonds zurückgeführt wird. Die Kapitalausstattung bleibe mit einer Solvenz-1-Quote bei 200% und einer SST-Quote (Schweizer Solvenztest) in der Bandbreite von 150-200% nach wie vor solide.

Neue Ziele will sich die Gruppe bis Ende Jahr setzen und diese anlässlich der Bilanzmedienkonferenz im März 2016 vorstellen.

Die Helvetia-Aktie startete in einem schwachen Gesamtmarkt zunächst im Plus, konnte sich aber in der Folge dem negativen Markttrend nicht widersetzen. Am Nachmittag büssen die Papiere 2,4% ein während der marktbreite SPI 2,3% verliert. (awp/mc/upd/ps)

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