Helvetia wächst und bereitet sich auf nächsten Wachstumsschritt vor

Philipp Gmür
Philipp Gmür, CEO Helvetia Gruppe. (Foto: Helvetia)

St. Gallen – Wachstum in der Sachversicherung, kaum Unwetter, die boomende Börse und ein einmaliger Steuereffekt haben den Gewinn der Helvetia im vergangenen Jahr in die Höhe klettern lassen. Nun will der Versicherer gemeinsam mit der Caser-Gruppe am spanischen Markt Gas geben. In der Beruflichen Vorsorge (BVG) tritt Helvetia dagegen bei Vollversicherungen auf die Bremse.

Die von Helvetia für 2019 vorgelegten Kennzahlen lassen sich sehen: Der Gewinn schwoll um einen Viertel auf 538 Millionen Franken an und das Geschäftsvolumen nahm in einem an sich als wachstumsschwach geltenden Markt um 4,2 Prozent auf 9,45 Milliarden Franken zu. In Lokalwährungen resultierte gar ein Wachstum von 5,6 Prozent, wie Helvetia am Mittwoch mitteilte.

Dabei profitierte die Gruppe von einem einmaligen Steuereffekt im Zuge der Unternehmenssteuerreform, der über 90 Millionen zum Gewinn beitrug. Aber auch im Versicherungsgeschäft klingelten die Kassen: Das Ergebnis in der Sachversicherung stieg um einen Fünftel, jenes im Lebengeschäft um über 50 Prozent.

Im Sachgeschäft bewegten sich die Kosten für Schäden aus Naturereignissen erneut auf tiefem Niveau und der Schaden-Kosten-Satz verblieb mit 92,3 Prozent weit unter der Marke von 100 Prozent. So verdient ein Versicherer in diesem Geschäft Geld. Die Lebensversicherung erhielt derweil viel Rückenwind von den Finanzmärkten und profitierte von einem verbesserten Produktmix.

Tarifanpassungen im BVG
Dabei setzt Helvetia wie die Konkurrenz im Lebengeschäft spätestens, seit sich die Zinsen auf ultratiefem Niveau bewegen, auf den Verkauf von kapitalschonenden Produkten. Dazu zählen beispielsweise fondsgebundene Lebensversicherungen, bei welchen der Kunde das Anlagerisiko mitträgt. Dieses Geschäft wuchs 2019 um 3 Prozent.

Im BVG-Geschäft legte das Volumen um knapp 2 Prozent zu. Auch Helvetia gewann nach dem Ausstieg des Konkurrenten Axa aus der Vollversicherung neue Kunden dazu. Bei der Aufnahme von Kunden hat Helvetia mit Blick auf die Profitabilität Vorsicht walten lassen, versicherte Konzernchef Philipp Gmür an der Bilanzmedienkonferenz.

Die Vollversicherung ist ein Rundumschutz, den nur noch wenige Versicherer den Firmen hierzulande in der zweiten Säule anbieten. Insbesondere Finanzmarktrisiken müssen mit Kapital «teuer» unterlegt werden. Hinzu kommt, dass die von der Politik für das Geschäft gesetzten Parameter die Umverteilung von Vorsorgegeldern von «jung zu alt» begünstigen.

«Diesen Missstand wollen wir nicht länger mittragen», sagte Gmür. Um Gegensteuer zu geben, hebt Helvetia die Tarife im BVG-Geschäft an. Und über eine Mischrechnung zwischen Rentenansprüchen im obligatorischen und überobligatorischen BVG-Teil soll der Umwandlungssatz, der zur Rentenberechnung herangezogen wird, über das gesamte Portfolio hinweg schrittweise gesenkt werden.

10 Milliarden im Blick
Weiter zulegen will Helvetia im Sachgeschäft. Im Januar kündigte die Gruppe die Übernahme von 70 Prozent am spanischen Versicherer Caser an. Damit wird Helvetia laut Gmür die vor Jahren gesetzte Ambition eines Prämienvolumens in Höhe von 10 Milliarden Franken erreichen.

Gemeinsam mit Caser stösst Helvetia in Spanien in die Top-10 vor. Zudem wird mit den Caser-Partnern Ibercaja, Unicaja und Liberbank der in Spanien für den Verkauf von Versicherungen wichtige Bankenvertrieb erschlossen. «Wir haben lange nach einer solchen Vertriebslösung gesucht und diese nun gefunden», sagte der Helvetia-Chef.

Die rund 780 Millionen Euro, die Helvetia für den Caser-Kauf in die Hand nimmt, sollen zu zwei Dritteln über die Lancierung von Anleihen und zu einem Drittel mit der Ausgabe neuer Aktien gestemmt werden. An der Generalversammlung (GV) beantragt der Verwaltungsrat die Schaffung von Kapital dafür. Zudem soll die Dividende um 20 Rappen auf 5 Franken je Aktien angehoben werden.

Ob die GV am 24. April wegen den vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus überhaupt in gewohnter Grösse über die Bühne gehen kann, ist noch offen. Im vergangenen Jahr besuchten mehr als 2’000 Aktionäre die Veranstaltung. Notfalls werde man die Aktionäre dazu ermutigen, ihre Stimme über den Stimmrechtsvertreter abzugeben, um die GV in kleinerem Rahmen durchführen zu können, hiess es. (awp/mc/pg)

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