Höchste Verzinsung bei Vorsorgekapital seit 25 Jahren

Höchste Verzinsung bei Vorsorgekapital seit 25 Jahren
(Pexels)

Zürich – Das Jahr 2025 war für die Schweizer Pensionskassen ein gutes Anlagejahr. Das Vorsorgekapital wurde laut dem Pensionskassenberater Complementa so hoch verzinst wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Dies geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten «Risiko Check-up» hervor. Demnach erzielten die untersuchten Pensionskassen im Jahr 2025 eine durchschnittliche Rendite von 6,4 Prozent.

Hohe Anlageerträge
Das Vorsorgekapital der Arbeitnehmenden wurde im Schnitt mit 4,3 Prozent verzinst, laut Complementa der höchste Wert der letzten 25 Jahre. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert der letzten zwei Jahrzehnte lag bei 3,5 Prozent.

Zu verdanken sei dieses positive Ergebnis vor allem dem sogenannten «dritten» Beitragszahler. Damit gemeint ist der Ertrag des von den Pensionskassen investierten Kapitals. Konkret betrug der Anlageertrag der analysierten Pensionskassen im letzten Jahr rund 78 Milliarden Franken.

Dies sei mehr als die Beiträge der Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden – die ersten und zweiten Beitragszahler – zusammengenommen. Diese zahlten 2025 insgesamt rund 67 Milliarden Franken in die Vorsorge ein. Dies unterstreiche die Leistungsfähigkeit des Kapitaldeckungsverfahrens der zweiten Säule, sagte Studienleiter Ueli Sutter anlässlich der Präsentation der Studie an einer Telefonkonferenz.

Auf der Grundlage der erfreulichen Resultate seien die Pensionskassen zudem in der Lage gewesen, die Reserven nochmals zu stärken. Der kapitalgewichtete Deckungsgrad stieg innert Jahresfrist um 2,7 Prozentpunkte auf 114,5 Prozent per Ende 2025. Entsprechend sei auch der Anteil der Vorsorgeeinrichtungen in Unterdeckung weiter gesunken und betrage noch 1,9 Prozent. «Dies sind die niedrigsten Werte seit Beginn der Datenerhebung vor 32 Jahren», so Sutter.

Aktien überholen Obligationen
Zu verdanken ist die gute Performance indes auch einer risikoreicheren Anlagestrategie. So hat der Anteil der eher mit Verlustrisiken verbundenen Anlageklasse «Aktien» im Jahr 2025 erneut um 1,4 Prozentpunkte zugenommen. Mittlerweile sei mit 33,9 Prozent über ein Drittel des Gesamtvermögens in Aktien investiert.

«Damit sind Aktien bereits das zweite Jahr in Folge die grösste Anlageklasse», erklärt Sutter. Der Anstieg gehe zudem primär zu Lasten der festverzinslichen Anlagen, die um rund 1,9 Prozentpunkte zurückgingen. Der Anteil liege mittlerweile mit 29,2 Prozent des Portfolios auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen.

Den Blick nach vorne gerichtet gehen die Complementa-Experten davon aus, dass sich die seit Jahren sinkenden Umwandlungssätze weiter stabilisieren dürften und bei rund 5,1 Prozent zumindest vorerst einen Boden bilden werden. «Gemäss den Aussagen der Kassen wird der Umwandlungssatz in den nächsten fünf Jahren nur noch sehr geringfügig zurückgehen», führte Sutter aus.

Kein Selbstläufer
Die hohen Renditen und die starken Reserven sind aber kein Selbstläufer. Zwar seien die Vorsorgeeinrichtungen der zweiten Säule gut ins Anlagejahr 2026 gestartet. Natürlich hinterlasse aber der Ausbruch des Iran-Krieges und die Sperrung der für den Energiehandel wichtigen Meerenge von Hormus seine Spuren.

So dürften erhöhte Energiepreise und eine höhere Inflation auch bei den Schweizer Pensionskassen ein Thema sein, sagte Thomas Breitenmoser, Leiter des Anlagegeschäfts bei Complementa. Weitere Herausforderungen seien die hohen Absicherungskosten bei Fremdwährungsanlagen, der Anlagenotstand bei Schweizer Wohnimmobilien und eine steigende Titelkonzentration in globalen Aktienindizes. Daher bleiben die Pensionskassen laut Breitenmoser im Anlagebereich «gefordert». (awp/mc/pg)

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