HSBC profitiert von besserer Lage bei Krediten

HSBC profitiert von besserer Lage bei Krediten
HSBC-CEO Noel Quinn. (Foto: HSBC)

London – Geringere Sorgen wegen fauler Kredite, ein glänzendes Kapitalmarktgeschäft und Einsparungen haben der britischen Bank HSBC zum Jahresstart einen hohen Gewinn beschert. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Steuern lag im ersten Quartal mit 6,4 Milliarden US-Dollar (5,3 Mrd Euro) mehr als doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor, wie die auf Asien fokussierte Bank am Dienstag in London mitteilte. Von Bloomberg befragte Experten hatten mit einem deutlich niedrigeren Ergebnis gerechnet.

Unter dem Strich verdiente die HSBC 3,9 Milliarden Dollar nach 1,8 Milliarden ein Jahr zuvor. Sie profitierte dabei von Einsparungen und einer besseren Einschätzung beim Blick auf mögliche Kreditausfälle. So löste die Bank im ersten Quartal rund 400 Millionen Dollar aus der Risikovorsorge auf. Ein Jahr zuvor hatte sie wegen der wirtschaftlichen Krise infolge der Corona-Pandemie noch drei Milliarden Dollar für Kreditausfälle zurückgestellt.

An der Börse wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Die HSBC-Aktie legte in London am Vormittag um rund zwei Prozent zu und gehörte damit zu den stärksten Werten im Leitindex FTSE 100.

Das Papier hatte sich zuletzt von seiner Kursschwäche im vergangenen Sommer und Herbst erholt. Im September war der Kurs zeitweise unter die Marke von 300 Pence gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise 2008/2009. Mit derzeit rund 431 Pence kostet das Papier aber nach wie vor deutlich weniger als vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. So gehört der Titel mit einem Abschlag von fast 30 Prozent seit Ende 2019 zu den grössten Verlierern im europäischen Bankenindex Stoxx 600 Banks .

Den Chef freut’s
Unternehmenschef Noel Quinn, der die Konzernführung erst vor Kurzem übernommen hat, zeigte sich mit der Ertrags- und Kostenentwicklung zufrieden. Besonders erfreut habe ihn aber die Entwicklung bei den notleidenden Krediten. Er zeigte sich auch beim Blick auf das laufende Jahr optimistisch. «Der Ausblick auf die Wirtschaftsentwicklung hat sich verbessert, auch wenn Unsicherheiten bleiben», sagte er. «Wir sind schwungvoll in das zweite Quartal gestartet.» Dabei habe die Bank die Kosten und Risiken weiter fest im Blick.

Quinn hatte der Bank bereits vor der Corona-Pandemie einen schärferen Sparkurs verordnet. Anfang 2020 kündigte er an, den Abbau von bis zu weiteren 35 000 Stellen zu prüfen. Die Zahl der Mitarbeiter könnte auf etwa 200 000 sinken, sagte er damals, als er noch Übergangschef war. Ende 2020 beschäftigte die Bank noch rund 226 000 Mitarbeiter. Die Verschärfung des Sparkurses galt unter Experten als wichtiger Schritt für Quinn, um sich den Posten dauerhaft zu sichern.

Er setzt damit die Rosskur der vergangenen Jahre fort. Nach der Finanzkrise zog sich die HSBC aus vielen Geschäftsfeldern und Ländern zurück und hat schon mehr als 70 000 Stellen abgebaut. Quinn kündigte zudem im Februar an, die Bank noch stärker auf Asien auszurichten. Das Institut, dessen Wurzeln ohnehin in Hongkong und Shanghai liegen, will dazu in den kommenden fünf Jahren sechs Milliarden Dollar in den Ausbau des asiatischen Geschäfts stecken.

Zugpferd Asien
In den ersten drei Monaten des Jahres war Asien wieder einmal die wichtigste Region für die HSBC. Hier verdiente sie vor Steuern und Sondereffekten fast 3,8 Milliarden Dollar – das sind rund 60 Prozent des Konzernergebnisses. Deutlich verbessert hat sich die Lage in Europa. Hier ergab sich ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,5 Milliarden Dollar – nachdem die Bank vor einem Jahr und auch im vierten Quartal noch in den roten Zahlen gesteckt hatte. Auch in Nordamerika besserte sich die Lage.

Zu kämpfen hat die Bank wie ihre Konkurrenz mit den niedrigen Zinsen infolge der weiterhin sehr expansiven Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken. Rechnet man Wechselkurs-Schwankungen, den Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen sowie andere Sondereffekte heraus, gingen die Erträge leicht auf 13,3 Milliarden Euro zurück. Dabei konnte die Bank die Folgen der deutlich gesunkenen Marge im Zinsgeschäft zum Teil durch die gut laufende Kapitalmarktsparte kompensieren.

Quartalsdividende in Aussicht gestellt
Quinn bekräftigte erneut die Absicht, die Aktionäre bald wieder vierteljährlich direkt am Gewinn zu beteiligen. Bereits bei der Bekanntgabe der nächsten Quartalszahlen im August könnte es dazu eine konkrete Ankündigung geben. Dabei geht es vor allem darum, ab wann die HSBC die Zahlung einer Quartalsdividende wieder aufnimmt, die gerade für angelsächsische institutionelle Investoren wichtig ist. Im vergangenen Jahr hatte die Bank die vierteljährliche Ausschüttung gestoppt, um das Geld während der finanziellen Gefahren durch die Corona-Pandemie und für den Konzernumbau im Haus zu halten.

Für 2020 gab es keine Quartalsdividende, sondern nur eine Ausschüttung von 15 US-Cent. Das Geld soll jetzt Ende April ausgezahlt werden. Zum Vergleich: Für 2018 – also den letzten Zeitraum, für den Dividenden ohne die Folgen der Pandemie gezahlt wurden – hatte die Bank insgesamt 51 Cent ausgeschüttet. Im Februar hatte die Bank mitgeteilt, ab 2022 zwischen 40 und 55 Prozent des Überschusses als Dividende an ihre Aktionäre zu verteilen. (awp/mc/ps)

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