IHAG-Kommentar: Achterbahnfahrt an den Börsen

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Zürich – Die Börsen blieben in der vergangenen Woche volatil, mit einem latenten Abgabedruck, teils auch wegen dem monatlichen Optionsverfall. Etwas Hoffnung kam mit Vorverhandlungen der Chinesen mit der Trump-Regierung auf. Allerdings „gingen weiter Minen hoch“, so wurde z.B. der bisherige Darling Nvidia mit nur leicht enttäuschenden Quartalszahlen 19% herunter bezahlt. Bei AMS wurde in einer Woche die Börsenkapitalisierung um weitere 32% reduziert, das Meiste davon allerdings im Vorfeld der Gewinnwarnung vom Donnerstag, da auch andere Apple-Zulieferer absackten.

Über die Woche verlor der DAX 1.6% und der EuroStoxx50 1.5%. Der SMI verzeichnete einen Rücksetzer von 1.8%. Während fünf Tagen sank der S&P 500, konnte aber mit einem freundlicheren Grundton ab Donnerstag einen „Reversal“ hinlegen und den Wochenverlust auf 1.6% eingrenzen.

Der Verkaufsüberhang bei Aktien trieb die Anleger wohl in Bonds. Zudem kamen von FED-Mitgliedern eher taubenhafte Aussagen bezüglich weiterer Zinsschritte im 2019. Jedenfalls sanken die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in den USA von 3.19% auf 3.08%. Auch der Deutsche Bund war gesucht, wohl auch aufgrund des Streits von Italien mit Brüssel über das Staatsbudget. Die Rendite im Bund sank ein paar Basispunkte auf 0.37%. In der Schweiz glitt der Zins wieder unter die Nulllinie auf -0.03%.

Der EUR/USD markierte am Montag mit den politischen Problemen in Europa bei 1.12 ein Jahrestiefst, konnte sich danach aber wieder auf über 1.14 aufrappeln. Die kommenden Zinserhöhungen des FED erscheinen weniger klar als auch schon. Umgekehrt drehte der USD/CHF nach einem kurzen Hoch über 1.01 wieder ab und schloss die Woche knapp unter 1.00. Beim EUR/CHF konnte ein erster kritischer Support bei 1.1330 verteidigt werden und am Freitag gelang sogar eine leichte Erholung auf 1.14. Die Furcht vor einem harten BREXIT und Chaos belastete das Pfund, wo die Kursbewegung einer Achterbahn gleicht, mit Rückfall auf 1.28 zum CHF. Das fast 600 seitige Vertragswerk stösst in Britannien teils auf Ablehnung, mit Rücktritten von zwei Ministern. Eine Lösung bieten diese allerdings nicht an. Über Nacht würden bei einem no deal im März Handelshemmnisse einsetzen, welche v.a. der Finanzbranche zusetzen dürften.

Der Goldpreis konnte den wichtigen ersten Support bei USD 1200 pro Unze halten und erholte sich bis zum Freitag auf USD 1221. Beim Ölpreis kam es am Dienstag zu einem seit langem nicht mehr gesehenen Preissturz von über 6%. Immerhin konnte in den folgenden Tagen die Hälfte wieder aufgeholt werden. Die IEA ging bis vor kurzem noch von einem Angebotsengpass aus, sprach aber im neusten Bericht nun von einem Angebotsüberhang, weil Saudi-Arabien und Russland die Förderung steigern, um die Ausfälle aus Iran zu kompensieren und die USA ebenfalls mehr fördern. Auch hat die US-Regierung eine Schonfrist von 180 Tagen für Ausnahmeländer (vermutlich China, Indien, Türkei) gesprochen. Zudem forderte Trump via Twitter von Saudi-Arabien, die Produktion nicht zu drosseln. Via Optionen hat sich die Volatilität in dieser Übergangsphase wohl noch erhöht. Über die Woche verlor der Ölpreis schliesslich 4% auf USD 67.20 pro Fass Brent.

Die Weltwirtschaft schwächelt und die Stimmung an den Börsen bleibt negativ mit belastenden Faktoren wie Italiens Haushaltsstreit mit Brüssel, das Hick-Hack beim Brexit, sowie nachlassendes BIP-Wachstum in Europa. Zudem gab es eine „Gewinnwarnung“ für Deutschland: Das BIP schrumpfte im 3. Quartal 0.2% gegenüber dem Vorquartal. Eine Abschwächung wurde wegen den Problemen der gewichtigen Autobranche erwartet, aber auch sonst deuten diverse Faktoren auf eine Abkühlung hin. Der schwächelnde DAX hat den Abschwung vorweggenommen. Die Frage ist, wie stark und wie schnell sich die Autobranche wieder aufschwingen kann. Immerhin herrscht Rekordbeschäftigung. Bundesbankpräsident Jens Weidmann gibt sich positiv für Deutschland und auch für die Eurozone.

Ein Lichtblick ist, dass die chinesische Regierung vor dem G20-Gipfel (Beginn 30. November in Buenos Aires) mit der Trump-Administration verhandelt. Es geht um eine Reihe von Konzessionen gegenüber den Amerikanern, um den Handelskrieg beilegen zu können. Übers Wochenende schienen sich am Asien-Pacifik-Meeting die Positionen aber eher zu verhärten. Falls doch ein Deal zustande kommt, sehen wir ein Erholungspotential bei diversen ausverkauften Werten. Allerdings konnte in den letzten Tagen wieder ein erhöhter Verkaufsdruck bei vielen Zyklikern aus Angst vor dem überschritten Zyklushoch beobachtet werden, weshalb wir noch abwarten würden. In den USA wird es mit dem Feiertag vom Donnerstag (Thanksgiving) eine verkürzte Handelswoche.

Im volatilen Börsenumfeld können wir Versicherungsaktien für Zukäufe empfehlen. Insbesondere Allianz und Zurich haben beide einen soliden Update zum 3. Quartal geliefert, weisen starke Bilanzen auf und können eine attraktive Dividende ausschütten. Zudem werden Versicherungen als Profiteure in einem steigenden Zinsumfeld gesehen. (IHAG/mc)

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