IHAG Kommentar: Ampeln stehen nicht auf grün

IHAG Kommentar: Ampeln stehen nicht auf grün

Zürich – Die Nachrichtenlage war in der abgelaufenen Woche dünn. Mit einem weiteren Nachbeben bei Fukushima kam am Donnerstag noch einmal Nervosität in die Aktienmärkte. Insgesamt konsolidierten die Indices. Der S&P 500 sank im Wochenvergleich nach einem schwachen Freitagsschluss leicht um 0.3%, der Euro Stoxx 50 konnte dagegen 0.9% und der SMI 0.3% zulegen.

In den USA bleibt das FED bezüglich Zinserhöhung noch an der Seitenlinie, ebenso die Bank of England, dagegen läutete Mr. Trichet bei der EZB mit einem Anheben der Leitzinsen um 0.25% die Zinswende ein. Auch am langen Ende kletterten die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen weiter und in der Schweiz wurde die 2% Marke genommen, mit einem Wochenschluss von 2.04%. Der Zinsanstieg der EZB sowie die Stützung von Portugal wurden im Markt bereits eskomptiert, weshalb sich auf der Währungsseite nicht mehr viel bewegte. Der EUR/CHF-Kurs trat bei 1.315 an Ort. Der Dollar schwächte sich dagegen wieder ab und der USD/CHF-Kurs sank auf 0.91. Der Ölpreis stieg allerdings fast 5% auf USD 122 pro Barrel Brent, weil sich in Libyen keine schnelle Kapitulation von Ghadhafi abzeichnet. Edelmetalle waren auch gesucht und der Goldpreis konnte die Resistance bei USD 1440 durchbrechen. Die Unze stieg um 3% auf USD 1471.

Amerikanischer Aktienmarkt zeigt Widerstandskraft
Eurokrise, Krieg in Nordafrika und Umwälzungen im Mittleren Osten mit Ölpreisanstieg sowie Nuklearkatastrophe in Japan: Die Aktienmärkte wurden im laufenden Jahr mit so vielen und kaum abschätzbaren Nachrichten konfrontiert wie schon lange nicht mehr. Dies bringt die Investoren nicht an die Aktienmärkte zurück. Die Bewegungen waren heftig und die V-förmige Erholung nach den Weltuntergangsbildern in den Medien wurde von den wenigsten Investoren richtig ausgenützt. Andererseits zeigte vor allem der amerikanische Aktienmarkt eine enorme Widerstandskraft. Wenn diese Ereignisse keine Korrektur bewirkten, was dann? Somit könnten die Investoren aus der Deckung, sprich der parkierten Liquidität kommen.

Iberien scheint stabilisiert
Nun stellt sich auch Portugal wie erwartet unter den Schutzschirm der EU. Das Land muss sich zwar einer noch strikteren Schlankheitskur unterziehen, was den globalen Investor aber nicht mehr gross berührt. Dagegen scheint Spanien nicht mehr als nächster schutzbedürftiger Kandidat gesehen zu werden, die Wirtschaft stabilisiert sich in Iberien. Die Staatsverschuldung in Europa dürfte somit als Unsicherheitsfaktor in den Hintergrund treten.  Bleibt noch das Risiko der der nuklearen Verseuchung in Japan. Dort konnte der Ausfluss radioaktiven Wassers in den Pazifik gestoppt werden. Allerdings sind in den Kernen der vier Reaktoren die Verhältnisse noch nicht unter Kontrolle, was die Injektion von speziellen Gasen zeigt, aber die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation sinkt. Somit sind wir in einer Situation die auf Englisch „ climbing the wall of fear“ (Erklimmen der Angstmauer) umschrieben wird. Gut möglich, dass diejenigen, welche die Nerven verloren haben, verkauften und der Verkaufsdruck nun gering ist. Dann könnte die Erholung noch ein paar Wochen weiter gehen, die Untätigen sitzen auf ihrem Cash und kommen immer mehr in einen Anlagenotstand. Die Bewertungen der Aktien sind nämlich nicht teuer, die Dividendenrenditen liegen meist über derjenige der eigenen Unternehmensobligationen. Die Ampeln stehen aber nicht auf grün. Budgetkürzungen, steigende Zinsen und Inflation (Öl, Rohstoffe) könnten das Wachstum bremsen, die Margenentwicklung eintrüben und Gewinnrevisionen bewirken.

Erst nach Publikation der Quartalszahlen investieren
Givaudan und Ems Chemie haben erste Umsatzzahlen publiziert, wonach sich der starke Schweizer Franken im 1. Quartal rund 8% (Givaudan) bis 10% (EMS) negativ auf den Umsatz in CHF ausgewirkt hat. Dies gibt eine Indikation für die weiteren Unternehmen. Die Entwicklung der Margen sowie Angaben zur Durchsetzung von Preiserhöhungen werden aber entscheidender sein. Solide Unternehmen mit Preissetzungsmacht oder Möglichkeit zur Effizienzsteigerung werden sich durchsetzen, Enttäuschungen abgestraft. Wir werden erst Mitte Mai wissen, in welchem Lager sich die Mehrheit befindet und wohin sich die Aktienmärkte weiterentwickeln. Daher erscheint es sicherer, erst nach Publikation der Quartalszahlen Investitionen zu tätigen. In diesem Sinn könnte Givaudan den Abwärtskanal seit Dezember verlassen und wieder gegen CHF 1000 streben. (IHAG/mc/hfu)

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