IHAG Kommentar: Der EU-Gipfel brachte stabilisierende Beschlüsse

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Der anstehende EU-Gipfel lähmte die Akteure am Aktienmarkt und bewirkte bis am Mittwoch Abgaben. Als dann am Freitag Morgen unerwartet stabilisierende Beschlüsse des EU-Gipfels verkündet wurden, sprangen die überverkauften Aktienmärkte wieder an und setzten zu einem Kursfeuerwerk an. Der DAX z.B. gewann am Freitag 4.3%. Über die Woche stieg der S&P 500 2.0%, der DAX 2.4%, der Stoxx 50 1.7% und der SMI 1.3%.

Die Renditen für Staatsanleihen sicherer Nationen blieben abwartend auf der Seitenlinie. Nach der Einigung der Eurogruppe auf kurzfristige Hilfe für Italien und Spanien kam am Freitag dann Bewegung in die Zins- und Devisenmärkte. Zehnjährige Staatsanleihen von USA, Deutschland und der Schweiz stiegen am Freitag an. Im Gegenzug sanken die Zinsen der italienischen und spanischen Staatsanleihen markant um 50 bis 70 Basispunkte. Der Euro sprang gegenüber dem USD über die Marke von 1.26 und der USD fiel gegenüber dem CHF auf 0.95 zurück. Der EUR/CHF wurde weiterhin stabil bei 1.2012 gehalten.

Der Goldpreis bewegte sich lange um USD 1570 die Unze seitwärts, kletterte dann am Freitag Mittag gegen USD 1600 die Unze. Der Ölpreis konnte sich wieder etwas erholen und stieg von USD 90 bis auf USD 93 pro Barrel Brent. Spekulationen um eine mögliche Angebotsverknappung durch ein Iran-Embargo der EU sowie ein mehrtägiger Streik norwegischer Arbeiter im Ölsektor können als Gründe aufgeführt werden.

Zentrale Bankenaufsicht
Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone haben sich in einem Verhandlungsmarathon auf schnelle Hilfen für Krisenländer geeinigt. Am EU-Gipfel vereinbarten die 17 Staats- und Regierungschefs eine zentrale Bankenaufsicht für die Eurozone sowie eine Reihe von Massnahmen, um den Zinsdruck von Italien und Spanien zu nehmen. Damit sollen die beiden gewichtigen Länder aus der Zinsfalle befreit werden. Italien hat in einem entscheidenden Punkt ein Entgegenkommen erreicht: Staaten, welche die vereinbarten Regeln zu Schulden und Haushalt einhielten, würden nicht von der Troika aus EU, EZB und IWF kontrolliert, wenn sie finanzielle Hilfen eines Rettungsschirms in Anspruch nähmen. Der neue ESM-Fonds und der bisherige Rettungsfonds EFSF sollen zudem auf dem Markt für Staatsanleihen aktiv werden können, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Der ESM verzichtet dabei auf bevorzugten Gläubigerstatus. Die Euro-Finanzminister möchten die beiden Vorschläge bereits bei ihrem nächsten Treffen am 9. Juli beschliessen. Zusätzlich haben sich die Euroländer auf eine gemeinsame Bankenaufsicht unter Einbeziehung der Europäischen Zentralbank (EZB) geeinigt. Dies gilt als Voraussetzung dafür, dass marode Banken sich direkt aus Mitteln der Rettungsfonds rekapitalisieren können. Mit der Einigung in der Eurogruppe ist auch der Weg für die Verabschiedung eines EU-Wachstumspakets frei, mit dem EUR 120 Mrd. an Investitionen mobilisiert werden.

Wenige „Good News“ genügen, um einen Kurssprung zu bewirken
Im aktuell negativen und eher überverkauften Börsenumfeld brauchte es wenig „Good News“, um einen Kurssprung zu bewirken. Positiv ist sicher, dass sich die EU-Minister entgegen den Erwartungen doch zu Entscheiden durchgerungen haben, welche die Märkte kurzfristig beruhigen und die Abwärtsspirale stoppen könnten. Die grossen Probleme sind mit einer Marathonsitzung nicht gelöst, dazu braucht es einen langen und schmerhaften Prozess, aber ein erster Schritt ist getan. Wir würden erste Zukäufe in gebeutelten Industriewerten mit starken Marktstellungen ins Auge fassen. Nach einer ausserordentlichen IK-Sitzung haben wir am Dienstag die gedrückten Kurse zum Aufbau einer Position von Continental genutzt (Siehe Beitrag auf Seite 5). Die deutschen Autoaktien und deren Zulieferer haben in den letzten Wochen stark korrigiert, obwohl die Verkäufe ausserhalb Europas und im Premiumsegment weiterhin gut laufen. Einen ähnlichen Kursverlauf weist in der Schweiz Georg Fischer auf. Fischer erzielt einen grossen Teil des Gewinnes im stabilen Rohrgeschäft und ist im Autobereich Zulieferer der deutschen Automarken. Der Titel hat in drei Monaten 30% korrigiert und weist ein P/E 2012 von 8x und ein EV/EBITDA von nur 4.2x auf.

Kurse bleiben wahrscheinlich nervös
Bei Swatch sehen wir nach der Korrektur von CHF 440 auf CHF 375 ebenfalls gute Einstiegskurse, zumal die Bewertung attraktiv ist. Die Uhrenexporte sind weiterhin robust. Die Versicherungswerte mit ihren Investments in Staatsanleihen litten während Wochen unter Abgabedruck. Mit den EU-Beschlüssen dürften sie sich nun erholen. Auf der Titelliste haben wir bei den Versicherungswerten die Zurich im Vordergrund, welche im Sektorvergleich noch die geringsten Exposures zu den PIGS-Staaten hat. Der Charttrend zeigt nach oben und die Bewertung ist weiterhin günstig. Ebenso Zug entwickelt die Allianz, welche markant mehr Staatsanleihen hält und daher volatiler reagiert. Mit den Beschlüssen des EU-Gipfels sehen wir eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass die Aktienbörsen die Tiefstkurse dieses Jahr im Juni gesehen haben. Allerdings dürften die Kurse nun nicht in stetiger Fahrt nach oben ziehen, sondern nervös bleiben, denn die meisten vorauseilenden Konjunkturindikatoren mahnen zur Vorsicht. Wir würden dem Markt daher nicht nachrennen, sondern in schwächeren Tagen Zukäufe tätigen. (IHAG/mc/hfu)

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