IHAG-Kommentar: Die Börsenkurse fallen wie die Blätter von den Bäumen

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Die Korrektur an den Aktienmärkten hat sich in der letzten Woche mit unvermindertem Tempo fortgesetzt. Die Börsen plagen Wachstumssorgen, worunter zyklische Aktien am meisten leiden. Wasser in die Mühlen goss die amerikanische Chipfirma Microchip (-13.4% über die Woche), die von einer schwächeren Nachfrage aus China warnte. Der konjunktursensitive Halbleiterindex SOX brach daraufhin fast 7% ein. Über die Woche schlossen alle wichtigen Märkte im roten Bereich. Der S&P500 verlor 3.1%, der Dax 4.4% und der SMI 3.6%. Erstmals gerieten in der Schweiz die beiden defensiven Schwergewichte Roche (-5%) und Novartis (-5.1%) unter Verkaufsdruck.

Bei den Währungen zeigte der EUR gegenüber dem USD eine kleine Gegenreaktion nach den hohen Verlusten der Vorwochen. Ein weiterer Rückfall der Einheitswährung scheint aber vorprogrammiert zu sein.

Die Obligationenmärkte konnten von den Unsicherheiten an den Börsen profitieren und die Zinsen gingen zurück. So betrug der Renditerückgang beispielsweise in den USA 15 Basispunkte auf noch 2.30%.

Ölpreis in ungebremster Talfahrt
Der Ölpreis fällt weiter wie ein Stein. Innert Wochenfrist resultierte ein Verlust von 1.8%. Unter den OPEC-Mitgliedern herrscht eine Uneinigkeit, ob die Fördermenge gesenkt werden soll oder nicht. Wir denken, dass dieser Schritt früher oder später erfolgen dürfte. Unterdessen tut Saudi-Arabien das, was jeder Produzent vornimmt, wenn die Lager zu hoch sind: Es werden Rabatte gegeben, um die Lager zu leeren. Auch wenn der Ölpreis technisch nicht gut aussieht, sind wir doch der Ansicht, dass die weiteren Kursverluste von hier aus limitiert sind.

Der Goldpreis zeigte einen Rebound von 2.3%. In China votierte der Präsident der chinesischen Gold Association, das Land solle 8‘500 Tonnen Gold akkumulieren. Aktuell verfügt China über 1‘054 Tonnen Gold. Auch wenn nicht bekannt ist, über welchen Zeitraum diese Käufe erfolgen sollen, wäre das Volumen doch immens. Es würde mehr als drei Jahresproduktionen der Minen entsprechen. Wir gehen weiter davon aus, dass Gold in den nächsten Monaten aus saisonalen Gründen einen Rebound an den Tag legen wird.

Ängste um Wirtschaftsabschwung lasten auf Märkten
Ursprung der momentanen Korrektur an den Börsen sind hauptsächlich Ängste um einen Wirtschaftsabschwung. Dies betrifft unter anderem die ehemalige Wachstumslokomotive Deutschland, denn erneut erreichten uns von dort eine Reihe schwacher Wirtschaftszahlen. So fielen sowohl die Exporte und die  Industrieproduktion als auch der Auftragseingang der Industrie im August unter den Erwartungen aus. Zwar hatte der seit Monaten schwache Ifo-Index bereits auf eine solche Entwicklung hingedeutet, aber dennoch fiel der Dax weiter nach unten und durchbrach die technische Unterstützung bei 9‘000 Punkten sang und klanglos.

Weiter revidierte der IMF in seinem halbjährlichen Ausblick das globale Wirtschaftswachstum für 2014/15 herunter. Überdurchschnittliche Risiken sieht das Institut in Europa. Die Prognosefähigkeit des IMF ist indes auch nicht über alle Zweifel erhaben. So wurde vor sechs Monaten noch eine wirtschaftliche Beschleunigung für die zweite Jahreshälfte dieses Jahres erwartet. Obwohl der IMF vielbeachtet wird, sollte dessen Prognosen, die wegen dem langen Rhythmus sowieso meist dem Konsens hinterherhinken, keine allzu grosse Bedeutung beigemessen werden.

Investoren sollten abwarten
Wie geht es nun an den Börsen weiter? Die Monate September und Oktober sind meist schwierige Zeiten für Anleger und somit denken wir, dass das Ende der Korrektur noch nicht erreicht ist. Es fehlt beispielsweise die völlige Kapitulation mit einem sehr hohen Tagesverlust. Denkbar ist, dass die Earnings Season, die in dieser Woche in den USA richtig einsetzt, den Downtrend stoppen könnte. Wir raten den Investoren im derzeitigen Umfeld abzuwarten. Mit Käufen sollte zugewartet werden, bis aus der Earnings Season erste Trends ausgemacht werden können. Danach könnten tief gefallene zyklische Aktien interessant werden. (IHAG/wum/mc/ps)

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