IHAG-Kommentar: Die Bullen sind im vollen Gallop

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Am Mittwoch nahm der DAX ohne klaren Grund Fahrt auf, durchbrach die als Resistance geltende Marke von 10500 Punkten und kletterte in einem Schlussspurt bis auf 10700 Punkte, was dem Jahreshöchst entsprach. Damit hat der DAX gegenüber den US-Indices etwas aufgeholt. In New York schlossen am Donnerstag alle drei Haupt-Indizes, Dow Jones, S&P 500 und NASDAQ, am gleichen Tag auf neuen Rekordwerten. Der DAX konnte über die Woche 3.3% zulegen, der Euro Stoxx50 2.4% und der S&P 500 0.1%. Der SMI kletterte 1.2%, allerdings hauptsächlich getragen von Nestlé, welche am Donnerstag 2.4% anzog und diese Woche ausweist.

Bei den Zinsen blieb es lange ruhig. Allerdings bewirkten die schwachen Einzelhandelsumsätze am Freitag einen Rückgang. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sanken in den USA von 1.59% auf 1.53% und in Deutschland von -0.07% auf
-0.10%. In der Schweiz verharrte die Rendite bei -0.55%.

Der USD/CHF sank leicht von 98 Rappen auf 97.40 Rappen, dem Niveau von vor dem guten Arbeitsmarktbericht der Vorwoche. Spiegelbildlich legte der EUR/USD leicht von 1.1080 auf 1.1160 zu. Der EUR/CHF wurde um das Niveau bei 1.0880 gehalten

Ölpreis bleibt volatil
Mit den starken Aktien konnte sich der Goldpreis kaum entwickeln und bewegt sich bei USD 1340 pro Unze seitwärts. Am meisten Bewegung bemerkte man beim Ölpreis. In der ersten Wochenhälfte gab er etwas nach, nachdem die wöchentlich gemeldeten Lager in den USA auf Rekordniveaus angestiegen sind. Danach kam es aber zu Short-Eindeckungen, weil der Saudi Arabische Öl-Minister sich mit der OPEC nächsten Monat in Algerien treffen will, um über mögliche Aktionen zur Stabilisierung zu sprechen. Dies bewirkte beim Ölpreis einen Schub nach oben. Das Fass Brent stieg damit über die Woche mehr als 6% oder über 10% innert zwei Wochen.

In Europa haben gemäss dem Broker Barclays 86% der bisher rapportierenden Firmen die EPS-Schätzungen für das 1. Semester im Median um gute 2% übertroffen. Diese wurden allerdings im Vorfeld gesenkt. Für das ganze 2016 ergibt sich gemäss Konsens für den MSCI Europe (ohne UK) ein Nullwachstum, aber für 2017 wird ein Anstieg von 12% erwartet. Letzteres ist angesichts des anämischen Wirtschaftswachstums wohl zu optimistisch. Immerhin zeigten die am Freitag vorgelegten Daten zum GDP in Europa ein jährliches Wachstum von 1.6%, was genau in den Erwartungen lag. Gegenüber dem Vorquartal ergibt sich ein Zuwachs von 0.3%. Dynamisch entwickelt sich Spanien mit +0.7% und gut läuft es in Deutschland (+0.4%), wogegen Frankreich und Italien stagnierten.

Schweizer Small Caps stark
Sehr stark performten in den letzten Tagen die meisten Schweizer Small Caps. Das negative Sentiment mit Abschwächung des wirtschaftlichen Ausblick nach dem Brexit hat sich nicht manifestiert und viele Abschlüsse waren gut mit positivem Ausblick, was bei den vielen gut ausweisenden Small Caps nun zu überkauften Situationen führt. Für einen weiteren Anstieg bedarf es klarer Zeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs mit Umsatzwachstum, was sich aktuell nicht abzeichnet. Viele Manager haben aber gut gearbeitet, die Kosten gesenkt und die damit die Margen erhöht. Tiefe Zinskosten entlasten und helfen bei Akquisitionen, welche sich in kurzer Zeit positiv auf das EPS auswirken (Bei Finanzierungskosten von unter 2% ist dies bereits bei einem P/E von weniger als 50x der Fall).

Der Angstbarometer V2X (Volatilität des Euro Stoxx 50) ist auf sehr tiefes Niveau gesunken, die Anleger machen sich kaum mehr sorgen. Die Ampeln für Aktien scheinen in den Augen der Bullen immer grüner zu leuchten. Angesichts der in Europa meist negativen Zinsen bei Anleihen, welche durch die Notenbanken wohl weiter gedrückt bleiben werden, scheinen angehäufte Cashreserven in Aktien zu fliessen. Nach dem Brexit haben sich die Gewitterwolken somit verzogen, die Ausblicke der meisten Firmen waren anlässlich Halbjahreszahlen beruhigend und geopolitisch bleibt es abgesehen von ein paar Terroranschlägen in Thailand ruhig.

Wirklich? Von den kletternden Aktienmärkte unbemerkt, setzte der ukrainische Präsident Poroshenko die Truppen in Alarmbereitschaft. Russland wirft der Ukraine vor, Saboteure und Attentäter auf die Krim geschickt zu haben. Vor 2 Jahren hat Putin am Ende der Winterspiele von Sotschi die Krim beschlagnahmt. Plant er am Ende der olympischen Spiele einen neuen Schachzug? Ist zu beobachten.

Kühne+Nagel im Fokus
Trotz erholten Kursen in Europa und Rekordständen in den USA bleiben viele Investoren und auch Aktienstrategen skeptisch, mögen auf den meist überverkauften Kursen nicht mehr zukaufen und warten auf einen Einstieg, was die eher tiefen Volumen zeigen. Der Herbst brachte bisher meist Rücksetzer, die Frage ist noch, von welchem Niveau aus.

Auch wir waren in den letzten Wochen im Lager der vorsichtigen und würden Rekordkursen nicht mehr nachspringen. Auf der Suche nach soliden, zurückgebliebenen Aktien stösst man auf Kühne+Nagel. Das Umfeld bleibt anspruchsvoll, aber die Bilanz ist solide, die Dividende klettert parallel zum EPS stetig und die Dividendenrendite von 3.9% ist attraktiv. (IHAG/frp/mc/ps)

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