IHAG-Kommentar: Entspannung in der Russlandkrise

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Die Woche startete ohne klare Gründe mit roten Bildschirmen und markanten Kursrutschen. Unsicherheit wegen der Spannung zwischen dem Westen und Russland sowie der zum 5. Mal in Folge schwache PMI in China wurden aufgeführt. Die Meetings des US-Präsidenten mit europäischen Ministern brachte neben scharfer Verurteilung keine neuen Sanktionen gegen Russland. Die Lage entspannte sich und die europäischen Börsen begannen zu klettern. Über die Woche gewann der DAX 2.6%, der Euro Stoxx50 2.5% und der SMI 1%. Der S&P 500, welcher sich bisher resistent in der Nähe des Allzeithöchst halten konnte, ging volatil mit 0.5% etwas tiefer ins Wochenende.

Mit der leichten Entspannung sanken die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in den USA, Deutschland und der Schweiz ein paar Basispunkte. Gleichzeitig konnte sich der USD wieder etwas aufraffen und erstarkte zum EUR auf 1.375 sowie zum CHF auf 88.7 Rappen.

Der EUR/CHF erklomm am Dienstag die Marke von 1.22, konnte diese aber nicht ganz halten und ging knapp darunter ins Wochenende. Die Edelmetalle setzten den Sinkflug fort. Gold verlor die psychologisch wichtige Marke von USD 1300 und schloss im London Fixing bei USD 1292 die Unze. Der Ölpreis stieg gegen Wochenschluss leicht auf USD 108 pro Barrel Brent.

Aufschwung in Deutschland gewinnt an Fahrt
Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat gemäss der Einschätzung der Bundesbank im ersten Quartal an Fahrt gewonnen und zeigt eine erhebliche Verstärkung des gesamtwirtschaftlichen Expansionstempos. Verstärkt werde die Belebung durch das milde Wetter, das zum Beispiel dem Bau zugute kam. Volle Auftragsbücher in der Industrie, optimistische Produktionserwartungen sowie die verbesserte Lagebeurteilung des Gewerbes deuten in Deutschland auf ein gutes BIP-Wachstum hin. Der etwas tiefere Ifo-Index wurde nicht negativ aufgenommen. Die aktuelle Lage bestätigt die starke deutsche Wirtschaft und der gesunken Ausblick war angesichts der Krise mit Russland nicht weiter verwunderlich. Im bisher schwachen Frankreich sprang der Einkaufsmanagerindex Markit-PMI überraschend über die 50er Marke. Die Konjunktur in Europa erholt sich.

Das auslaufende 1. Quartal brauchte starke Nerven, wurden doch die über Wochen aufgebauten Kursavancen nun zwei Mal innert Tagen ausradiert. Bei wichtigen Support-Niveaus drohten bei Unterschreiten weitere Kursrutsche. Allerdings bewirkte eine leichte Beruhigung der Lage jeweils zwei Mal ein Rebound, welcher uns nun wieder in ein neutrales Territorium brachte. Solange die Truppenkonzentration an der Grenze zur Ukraine anhält, bleibt das Risiko von Kampfhandlungen mit erneuten Kursrutschen.

Ukraine-Krise für Europa voraussichtlich mit wirtschaftlich wenig Auswirkungen
Es sieht nun ganz danach aus, dass der Westen die Annexion der Krim zwar nicht anerkennt, faktisch aber nichts dagegen unternehmen kann. Sollten nun die Sanktionen des Westens nicht direkt gegen den russischen Staat gerichtet werden, beispielsweise in Form von Verboten gewisser Export- oder Importgüter, dürfte die Ukraine-Krise für Europa wirtschaftlich wenig Auswirkungen zeigen. Politisch ist aber viel Geschirr zerschlagen worden und Russland dürfte in der nächsten Zeit isoliert dastehen. Der Gang der Weltwirtschaft bleibt davon kaum beeinflusst. Allerdings verunsicherten Meldungen des US-Geheimdienstes, dass sich weiterhin russische Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen zögen. Nach einem Treffen der beiden Aussenminister der USA und Russland wollte Russland die Truppen an der Grenze der Ukraine noch nicht abziehen, aber beide Seiten betonten eine diplomatische Lösung anzustreben. Die Zeichen deuten eher auf Deeskalation hin. Somit könnten die Indices in Europa noch etwas klettern, bis sie bei den Jahreshöchstständen an einen Widerstand stossen und dann die neue Richtung gesucht werden muss.

Auf Unternehmensseite sind die Jahresabschlüsse nun präsentiert. Den meisten Firmen geht es gut, aber die schwachen Währungen bewirkten bei den Managern einen vorsichtigen Ausblick oder eine Reduktion der Guidance. Von der Russland Krise kaum betroffen ist Fresenius, welche allerdings nach einer Reduktion der Guidance im Februar unter die Räder kam. Seit Mitte März beginnt sich der Kurs aber wieder zu erholen, weil die sonst stabil wachsende Aktie bei einem EV/EBITDA 2015 von 8.3x preiswert ist.

Swatch und Richemont im Fokus
Die beiden Uhren&Schmuck-Aktien Swatch und Richemont sind noch nahe bei ihren Jahrestiefst. Swatch hatte letzte Woche eine Analystenkonferenz, wo sich der CEO Hayek wie erwartet positiv äusserte und dies auch in einem Interview in der Weekendpresse wiederholte. Beide Aktien sollten eigentlich von einer weiteren Entspannung der Lage profitieren und sich wieder in Richtung der Jahresanfangskurse bewegen. (IHAG/frp/mc/ps)

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