IHAG-Kommentar: Handelsstreit bleibt im Fokus

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Der erste Handelstag im neuen Quartal startete am Ostermontag in den USA tief rot mit einem Sell-off von 3.5% bis zum Tiefst im S&P500. Der Tagesverlust betrug schliesslich 2.2% und die wichtige 200 Tage-Moving-Average-Linie war verletzt. Ausnahmsweise reagierte Europa am Dienstag nach Ostern etwas besonnener und die Verluste waren mit weniger als 1% begrenzt. Die Tiraden im Handelsdisput USA-China wurden etwas gelassener interpretiert. Die Stimmung blieb aber unsicher. Die US-Börsen erholten sich am Dienstag, mit einem negativen Opening Gap am Mittwoch von -1.5% und anschliessendem Intraday-Rally von 2.8%, weil von beiden Seiten versöhnliche Signale und Verhandlungswille kamen.

Am Donnerstag abend twitterte Trump von einer Verdrei-fachung der Zölle auf USD 150 Mrd. auf Importe aus China. Verhandlungstaktik oder Unberechenbarkeit? Es wurde von den Börsen zur Kenntnis genommen und stoppte den Rebound.

Der SMI (um Dividenden adjustiert) konnte diese nervenaufreibende erste Woche im neuen Quartal schliesslich mit nur einem leichten Minus von 0.4% beenden, der DAX gewann sogar 1.2% und der Euro Stoxx 50 1.4%. Der S&P 500 verlor mit dem schwachen Freitag hingegen 1.4% und der technologielastige NASDAQ 100 nach einem 4% Sturz am Montag insgesamt 2.3%.

Die Flucht in sichere Häfen bewirkte zuerst Druck auf den Renditen, mit entsprechender Umkehr gegen das Wochenende hin. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen kletterten schliesslich in den USA von 2.75% auf 2.78%. In Deutschland und der Schweiz gab es wenig Bewegung mit Wochenschluss bei 0.50% im Bund und -0.01% im Eidgenossen.

Der USD neigte etwas zur Stärke. Der EUR/USD sank über die Woche leicht von 1.2320 auf 1.2280. Der USD/CHF nahm in der zweiten Wochenhälfte Fahrt auf und stieg fast 1% auf 96 Rappen. Charttechnisch läuft dieses Währungspaar bei 96.50 in einen Widerstand und es bleibt spannend, ob die aufgenommene Fahrt weitergehen kann. Auch der EUR/CHF knabberte kurz am wichtigen Wiederstand bei 1.18.

Goldpreis steigt
Der Goldpreis entwickelte sich spiegelbildlich zu den volatilen Aktienbörsen. Von USD 1330 pro Unze ging die Entwicklung bis auf USD 1355, mit Schluss zurück zum Start bei USD 1332. Der Ölpreis sank am Dienstag über 2% und stabilisierte sich dann im Laufe der Woche bei USD 68 pro Fass Brent.

Gerade als die Börsen sich zu erholen begannen und die Drohungen im Handelsstreit zwischen USA und China von beiden als Taktik mit folgendem Deal interpretiert wurden, twitterte Trump am Donnerstag Abend von weiteren USD 100 Mrd. China-Importen mit neuen Zöllen. Man scheint sich langsam daran zu gewöhnen und bis zum 21. Mai, wo die Zölle scharf geschalten werden sollen, vergehen noch Tage mit Taktieren. Dieser Unsicherheit stehen ein unverändert positives Konjunkturumfeld und wohl solide Q1 Resultate gegenüber. Die Frage in der nun beginnenden Erstquartals Reporting Season wird sein, wie gut die Ausblicke der Firmenbosse ausfallen werden. Allzu euphorisch werden diese angesichts des Handelskonfliktes aber kaum erwartet.

Buy the Dip oder Sell any Rally?
Viele gute Aktien kamen im Sell-Off unter die Räder und sind nun günstiger zu kaufen, obwohl sich fundamental in den letzten Wochen wenig verändert hat. Nachdem die meisten Aktienindices nochmals auf die Tiefst vom Februar absackten und eine weitere Abwärtsspirale drohte, bildet die erste Erholung einen neuen Boden. Ein Rebound scheint daher möglich. Buy the Dip, dürfte aber nach 3%-5% in einen ersten Widerstand laufen (Take then some Profits). Der vorsichtige Investor kann auf diesen Rebound hoffen, der risikofähige, aktive von der Korrektur profitieren und jetzt gestaffelt Positionen dazukaufen. Support kommt heute von der offiziellen Ankündigung aus Nord Korea, dass das Land zum ersten Mal Bereitschaft zeigt, über die atomare Abrüstung zu diskutieren.

Unter den überverkauften Aktien scheinen uns folgende für einen Rebound interessant: ABB, Bossard, Komax, Kühne+Nagel, LafargeHolcim, HeidelbergCement.

Es gibt auch ein paar wenige Aktien, welche wie der Fels in der Brandung der Marktkorrektur trotzten und der Kurs sogar Momentum zu einem weiteren Anstieg aufweist: Adidas, Heineken, Kion, Orpea, Peugeot, Swatch, Total. Diese bleiben kaufenswert. (IHAG/frp/mc/ps)

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