IHAG-Kommentar: Korrektur noch nicht ausgestanden, vorsichtig agieren

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Die Korrektur an den Börsen hat sich in der letzten Woche fortgesetzt und die Abwärtsbewegung hat sich beschleunigt. Es resultierten sowohl in den USA als auch in Europa Kursverluste von etwa 5%. Im Zuge dessen schoss der VIX-Index bis auf 37, ein Level, das letztmals im August 2015 erreicht wurde. Als Gründe für die Korrektur wurden technische Faktoren genannt. Fonds, die Volatilität short waren, mussten sich eindecken, was den VIX weiter nach oben trieb und schliesslich auch den Aktienmarkt belastete. Weiter waren Quant-Fonds mit CTA-Strategien (meist Trend-Follower) aggressive Verkäufer am Markt.

Während an den Aktienmärkten fast schon panikartige Zustände herrschten, ging es bei den Währungen vergleichsweise ruhig zu und her. Der Euro verlor über die Woche gegenüber dem Dollar 1.5%. Der Franken konnte etwas von seinem Status als sicherer Hafen profitieren und gewann gegenüber dem Euro 0.9%. Ein USD kostet per Wochenschluss 94 Rappen.

Die Zinsen, die der Auslöser für die Börsenkorrektur waren, stiegen in der letzten Woche zumeist nicht mehr weiter. Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen verharrte bei ungefähr 2.8% und das deutsche Pendant steht bei ca. 0.75%.

Gold und Öl unter Druck
Gold bot in der letzten Woche keinen Schutz gegen die Marktturbulenzen. Es resultierte ein Wochenverlust von 1.3%. Der Ölpreis kam ebenfalls unter Druck. Hier belasteten die Ängste über einen neuerlichen Boom bei den US-Schieferölproduzenten den Preis, nachdem bereits im letzten November die Fördermenge in den USA auf über 10 Mio. bbl/Tag angezogen hatte.

Die Korrektur an den Börsen mit dem dramatischen Volatilitätsanstieg hat sicherlich die meisten Anleger auf dem falschen Fuss erwischt. Man hatte sich in den letzten Jahren an einen stetigen Rückgang der Vola gewöhnt. Die letzte 5%-Korrektur im S&P500 lag mehr als 400 Handelstage zurück, was eine Seltenheit ist. Man darf allerdings nicht vergessen, dass es in der laufenden Hausse immer wieder zu Korrekturen von 10% bis über 15% kam. Bis jetzt haben die Börsen etwa 10% an Wert eingebüsst. Es ist damit durchaus möglich, dass die Turbulenzen noch nicht ausgestanden sind und es zu einer weiteren Verkaufswelle kommt. Es ist schlicht unmöglich zu wissen, wie viele Quant-Fonds noch Positionen liquidieren müssen.

Markttechnisch darf im S&P500 die Marke von 2‘535 (200-Tageslinie) nicht unterschritten werden. Weiter scheint sich die Krise auf den Aktienmarkt zu beschränken. Die Preise sicherer Assets, wie z.B. Gold oder Währungen (Schweizer Franken, Yen) haben nicht oder nur marginal angezogen. Andere Krisen-Indikatoren wie z.B. die Kredit-Spreads zeigen keine grösseren auffälligen Bewegungen. Banken sind viel besser kapitalisiert als vor der Finanzkrise, womit die Risiken jetzt tiefer sind.

Vorerst an Seitenlinie bleiben
Mittel- bis längerfristig sollten sich die Kurse wieder erholen können. Wir gehen jedoch davon aus, dass dies unter erhöhter Volatilität der Fall sein wird, d.h. das Tief-Vola-Umfeld der letzten Zeit dürfte sich nicht mehr wiederholen. Fundamental hat sich zwar wenig verändert. Das Wirtschaftswachstum bleibt robust und die Gewinne der Unternehmen steigen. Es ist aber durchaus möglich, dass die Wirtschaft zwar stark bleibt, das Momentum aber nicht mehr zunimmt, womit sich der Fokus weg von den Zyklikern zu eher defensiven oder Wachstums-Aktien bewegen könnte. Die Inflation dürfte etwas ansteigen, aber nicht so stark, als es zu einer Gefahr für die Märkte wird. Diesen Mittwoch werden die Konsumentenpreise (CPI) für den Januar veröffentlicht. Bei der Kernrate wird mit einem unveränderten Monatsanstieg von 0.2% gerechnet.

Wir raten den Investoren vorerst an der Seitenlinie zu verharren. Die aktuelle Korrektur wird in einem späteren Zeitpunkt zu Kaufgelegenheiten führen, wie meistens wenn der VIX so stark anzieht. Allzu viel Euphorie ist aber nach 9 Jahren Hausse nicht mehr angesagt. (IHAG/wum/mc/ps)

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