IHAG-Kommentar: Krieg und Frieden mit Russland

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Zürich – Nach einem freundlichen Wochenstart kam am Mittwoch nach einem Telefonat von Putin mit Poroschenko, wonach ein Waffenstillstand in der umkämpften Ostukraine abgemacht worden sei, wieder Hoffnung auf und die Börsen zogen an. Am Donnerstag vermochte noch Mario Draghi mit der Zinssenkung der EZB die Stimmung hochzuhalten. Am Freitag verpuffte zumindest im SMI alles wieder und die Kurse gaben nach.

Über die Woche gelang dem DAX dennoch eine Avance von 2.9% und dem SMI eine von 1.5%. Bei den Schweizer Blue Chips stach Novartis mit einem Wochenanstieg von fast 5% heraus. Positive Nachrichten zu einem Herzmedikament liessen die Analysten Zusatzumsätze von über USD 5 Mrd. bis in wenigen Jahren modellieren. Der S&P 500 konnte dank einem Schlussrally am Freitag nochmals 0.2% zulegen und schloss auf Rekordhöhe über 2000 Punkte.

Bei den Zinsen kam es nach Erreichen von Jahrestiefstwerten in der Vorwoche zu einer leichten Gegenbewegung. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen stiegen in den USA 11 und in Deutschland sowie der Schweiz jeweils 4 Basispunkte.

Eurokurs fällt unter 1,30 USD
Innerhalb der Währungen kam es zu grösseren Verschiebungen. Die Erwartung der Marktteilnehmer, dass sich die beiden Blöcke USD und EUR bezüglich künftiger Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken gegenläufig bewegen werden, wurde bestätigt. EZB-Chef Mario Draghi senkte am Donnerstag nicht nur die Leitzinsen praktisch auf Null, sondern kündigte zugleich den Kauf von Kreditverbriefungen (ABS) ab Oktober an. Der bereits angezählte EUR fiel darauf zum USD von 1.31 bis kurz vor 1.29. Der SNB gelang es, den CHF zum EUR bei 1.2060 zu halten. Im Gegenzug sprang der USD/CHF 0.915 bis auf 0.93 hoch. Gold blieb in einem Nebenschauplatz schwach und glitt auf USD 1267 die Unze zurück. Der Ölpreis sank wieder leicht auf USD 101 pro Barrel Brent.

Leichter Rückenwind für Europas Industrie
Mario Draghi setzt seinen aggressiven geldpolitischen Kurs unter Beifall fort. Der Zweck heiligt die Mittel und so versucht die EZB mit immer tieferen Zinsen den Kreditkreislauf anzukurbeln. Obwohl gebetsmühlenartig behauptet wird, dass KMU’s nicht an Kredite herankommen, scheint die Nachfrage wohl auch nur verhalten zu sein. Den südländischen Banken und hochverschuldeten Staaten dürfte diese Tiefzinspolitik allerdings mehr helfen. Mit dem (endlich) schwachen Euro hat die EZB nun auch eine Schlacht im Währungskrieg gegen den USD gewonnen und gibt der Industrie in Europa etwas mehr Rückenwind. Die Hauptprobleme Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und kaum Wachstum können mit der Liquiditätsschwemme nicht gelöst werden. Dazu braucht es politischen Willen zu struktureller Veränderung. Dagegen besteht das Risiko, dass die EZB weitere Verwerfungen und Fehlallokationen an den Finanzmärkten begünstigt. Bei Rentenantritt wird z.B. jeder Arbeitnehmer nur eine geringe Pension auf dem angesparten Pensionskassengeld erhalten, was bei der Überalterung zu einer zusätzliche Zeitbombe werden kann.

Waffenruhe in der Ukraine
Der telefonisch vereinbarte Waffenstillstand von Putin mit Poroschenko brachte wieder Hoffnung. Allerdings kann Putin gar keinem Waffenstillstand zustimmen, da ja Russland laut eigenen Angaben nicht in der Ostukraine präsent sei. Trotz diesem Dementi sprechen die NATO und EU-Minister klar von einer illegalen russischen Präsenz in der Ukraine. Putins Verwirrspiel erhielt eine zusätzlich Nuance, mit der Vorlage eines sieben Punkte umfassenden Friedensplans. Dieser wurde mit Skepsis aufgenommen, weil sich Moskau in der Vergangenheit in anderen Konflikten nicht an Abmachungen gehalten hat. Derweil suchte der Nato-Gipfel Antworten auf Putins Provokationen. Vorgängig versprach US-Präsident Obama den neu zur EU und NATO eingetretenen osteuropäischen Staaten hundertprozentigen Beistand gegen Russland. Nach monatelangen Kämpfen haben sich die ukrainische Regierung und prorussische Rebellen am Freitag in Minsk auf eine Waffenruhe geeinigt. Poroschenko forderte zugleich eine «effektive, internationale Kontrolle» der Waffenruhe. Die EU haben derweil eine Grundsatzeinigung über ein neues Paket an Wirtschaftssanktionen gegen Russland getroffen. Trotz dem Waffenstillstand will man den Druck auf Moskau erhöhen und bei Bedarf die weiteren Sanktionen allenfalls noch diese Woche implementieren.

Ampeln stehen auf Orange
Viele Risiken sind vorhanden, die Ampeln stehen auf Orange, aber dennoch erholten sich der Börsen weiter. Gesucht waren bereits teure, dafür sichere Branchen wie Pharma, Food, Medtech und Aktien wie Givaudan. Fakt ist, dass die Börsen anfangs August in den Abgrund schauten. Ohne Euphorie und mit viel Skepsis haben sich die amerikanischen Indices innert einem Monat zuerst erholt und sind bereits wieder auf Rekordniveaus geklettert. Auch der SMI hat sich am Donnerstag auf ein Jahreshöchst aufgeschwungen, teils auch dank dem neuen Herzmedikament von Novartis. Der STOXX 50 Europe schloss sich an. Nur der DAX wird im Rebound durch die Russlandkrise gebremst. Kurzfristig muss dieser Rebound wohl erst einmal verdaut werden. Wir erwarten daher eine Konsolidierung. Falls mit Putin widererwarten doch ein Deal ausgehandelt werden kann und die Situation in der Ukraine mit weiteren Sanktionen nicht eskaliert, liegt dank nun tiefem Euro-Kurs eine weitere Erholung der europäischen Aktien drin.

Zyklische Aktien mit Aufholpotential
Nachdem zuerst die sicheren Aktien (Pharma, Food) gekauft wurden, haben in einer zweiten Welle die zurückgebliebenen zyklischen Aktien Aufholpotential. In diesen politischen Börsen muss man sich aber des Rückschlagspotentials bewusst sein und Stopp-Limiten setzen. Eine Schlagzeile genügt für einen Kursrutsch. Weiteres Erholungspotential attestieren wird der Deutschen Post, welche nur geringfügig vom Geschäft mit Russland abhängig und stark in Asien aufgestellt ist. (IHAG/frp/mc/ps)

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