IHAG-Kommentar: OXI, Nein! Griechischer Wein, schenk nochmals ein

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Der Montag nach dem „OXI“ (Griechisch: Nein) fiel nicht so schlecht aus, wie es viele Marktteilnehmer und die Medien befürchtet hatten. Zwar wurden sehr tiefe Eröffnungskurse verzeichnet, aber die Erholung setzte umgehend ein. Von Panik war nichts zu sehen. Neben Griechenland stieg auch China im Sorgenbarometer der Anleger. Mit dem Einreichen einer Reformliste aus Athen per Donnerstag kam zunehmend neue Hoffnung auf einen Deal in die Börsen. Nach einem Verlust von 4.4% bis am Mittwoch, macht der Euro Stoxx 50 rechtsumkehrt und legte vom Wochentiefst über 7% zu.

Die Performance über die Woche betrug im Euro Stoxx 50 2.5% und im DAX 2.3%. Der defensivere SMI vermochte mit 2.5% unerwartet zu folgen, weil das Schwergewicht Novartis vom Zulassungsantrag der FDA für das neue Herzmedikament Entresto 4.7% klettern konnte. Der S&P 500 bewegte sich in einem volatilen Band über die Woche seitwärts.

Sicherheit war zu Wochenbeginn gesucht und die Zinsen fielen parallel zu den Aktienkursen, bis auch hier die Investoren wieder auf Risk on umpolten. Damit blieben die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in den USA unverändert bei 2.38%. In Deutschland fielen sie im Wechselbad der Gefühle von 80 auf 60 Basispunkte und kletterten am Freitag gegen 0.90%. In der Schweiz waren die Zinsen am Mittwoch sogar wieder unter Null gerutscht, stiegen jedoch gegen das Wochenende wieder auf 9 Basispunkte.

Wie bereits früher beobachtet, reagierte der Euro weniger volatil auf die griechischen Wechselbäder, als die Börsen. Nach einem kurzen Taucher auf 1.095 zum USD, stieg der EUR am Freitag gegen die Marke von 1.12. Die SNB verteidigte den CHF zum EUR bei 1.04. Somit musste der USD etwas nachgeben. USD/CHF tendierte über die Woche seitwärts, sank aber am Freitag gegen 94 Rappen.

Gold als sicherer Hafen ausgedient
Gold hat als sicherer Hafen ausgedient. Auch am Montag nach dem „OXI“ blieb der Kursanstieg bescheiden. Während die Aktienmärkte mit Verlusten auf das negative Votum der Griechen reagierten, konnte der Goldpreis nicht davon profitieren. Dabei sollte die zunehmende Angst vor dem Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone Gold als sicherem Hafen eigentlich zugutekommen. Der Goldpreis notierte am Freitag bei noch USD 1160 je Unze. Der Ölpreis sank in der letzten Woche wieder unter USD 60 pro Barrel Brent und verlor über die Woche 3.5%. Ein Deal mit dem Iran im Atomstreit scheint nun doch kurz vor Abschluss, womit zusätzliches iranisches Öl auf den Markt sprudeln wird.

Pünktlich vor Ablauf eines Ultimatums schickte die Regierung in Athen am Donnerstagabend ihre Pläne an die Geldgeber. Vorgängig wurde der bockige Finanzminister Varoufakis gegen den gemässigteren Euklid Tsakalotos ausgewechselt. Mit der Reformliste hat Griechenland die Tür für eine Einigung im Schuldenstreit wieder aufgestossen. Mit Steuererhöhungen und einer Rentenreform will Griechenland die Gläubiger zu weiteren Milliardenhilfen bewegen. Vorgesehen ist u.a., Reeder höher zu belasten und Steuervergünstigungen für Inseln zu streichen. Im Gegenzug verlangt Griechenland EUR 53 Mrd. an Hilfen, um bis 2018 seine Schulden bedienen zu können. Ein Schuldenschnitt wurde nicht mehr erwähnt, was aber Tsipras letztlich egal sein kann. Zwar erfüllt der damit paradoxerweise genau, was die Griechen und er selbst im Referendum abgelehnt haben, aber er kann es doch als Sieg verkaufen, falls nun die Umschuldung und weitere Gelder im Umfang von EUR 53 Mrd. gesprochen werden, statt der lediglich EUR 10 Mrd. aus dem Bankenfonds, welche vor der Abstimmung angeboten wurden. Mit Griechenland nun vorerst stabilisiert, und Europa mit einem Deal wieder geeint, wäre der Weg frei für die Erlösungs-Rally. Auch in China konnten sich die Zocker-Börsen wieder erholen.

Marathonsitzungen in Brüssel
Über das Wochenende kam es zu Marathonsitzungen in Brüssel, ohne eine Einigung. Es scheint nun, dass die Eurogruppe Griechenland nicht traut und harte Bedingungen für ein drittes Rettungspaket fordert. Es wurde den Griechen ein neues Ultimatum bis Mittwoch gesetzt. Damit ist Tsipras in die Enge getrieben, denn die Forderungen scheinen noch härter, als was die Griechen in der Volksbefragung vor einer Woche abgelehnt haben. Siegt bei den Griechen die Vernunft oder kommt es zur stolzen Trotzreaktion mit folgendem Chaos im Lande? Bei letzterem hätten die Börsen zu früh frohlockt und könnten die Tiefst von anfangs Juli wohl nochmals testen, was ein Rückschlagspotential von 7% bringen könnte. Allerdings wäre auch möglich, dass es nicht so schlimm kommt, denn mit dem Grexit (evtl. nur temporär?) könnte man sich auf anderes konzentrieren. Stützungsinstrumente gibt es beim ESM und der EZB genügend, um dies zu verdauen.

Daher würden wir mit Zukäufen abwarten, aber eine Kaufliste bei einer Einigung mit weiterer Kurserholung bereit halten. Zurückgestufte Zykliker und Finanzwerte dürften profitieren. Kaufenswert wären dann HeidelbergCement, Adecco, Credit Suisse und BBVA. Ob mit oder ohne Griechenland, von Sommerflaute kann keine Rede sein. Zudem beginnt nun die Halbjahresberichtsperiode. Wir erwarten insbesondere bei Georg Fischer gute Zahlen (welche wir aber für Zukäufe abwarten würden) und eine Kurserholung, nachdem die Aktie in den letzten Wochen stark korrigiert hat. (IHAG/frp/mc/ps)

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