IHAG-Kommentar: Putin und Poroschenko im Fokus

Symbolbild IHAG Privatbank

Zum Wochenbeginn herrschte dank der Hoffnung auf Friedensgespräche in Minsk und Mario Draghis angedeutetem QE fast schon Euphorie. Der S&P 500 überschritt erstmals in seiner Geschichte die 2000-er Marke. Am Donnerstag wurde die bisherige Wochenperformance an einem Tag jäh ausradiert, als offizielle Medien aus der Ukraine eine russische Invasion meldeten. Nach Angaben der Ukraine und der Nato hat Russland Truppen in ukrainisches Staatsgebiet gebracht. Die Börsen reagierten prompt und sackten ab. Präzisiert wurde später von 1000 russischen Soldaten in der Ukraine gesprochen, was noch keine Invasion bedeutet und die Börsen warteten am Freitag in Lauerstellung. Die Wochenperformance betrug 0.8% beim S&P 500, 1.4% beim DAX und 1.2% beim SMI.

In der Unsicherheit waren Staatsanleihen gesucht. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sanken in den USA und der Schweiz rund 5 und in Deutschland gar 10 Basispunkte, wo ein Jahrestiefst bei 0.88% markiert wurde. Die Teuerungsrate sank in der Eurozone auf 0.3%, dem niedrigsten Stand seit 2009.

Der EUR/USD wird von der Spekulationen belastet, das FED würde im nächsten Jahr die Zinsen erhöhen, während von der EZB weitere geldpolitische Lockerungsmassnahmen erwartet werden. Der EUR/USD schwächte sich somit weiter ab und fiel bis auf 1.314. Im Gegenzug kletterte der USD zum CHF gegen 0.92. Beim EUR/CHF kam Druck gegen unten auf, v.a. mit den Kriegsmeldungen am Donnerstag. Die SNB hatte wohl alle Hände zu tun und konnte bei 1.205 das Steuer wieder herumreissen. Über die Woche gab EUR/CHF von 1.21 auf 1.206 nach, was das Jahrestiefst markiert.

Konsolidierung beim Ölpreis
Gold hat den Status als Fluchtanlage schon lange verloren und bestätigte dies. Am Donnerstag gelang lediglich ein Anstieg von 10 USD, nicht aber die Rückeroberung der USD 1300er Marke. Im London Fixing schloss die Unze bei USD 1288 gerade einmal 1% über der Vorwoche. Beim Ölpreis war nach wochenlangem Sinken eine Konsolidierung über der Marke von 102 USD pro Barrel Brent zu verzeichnen.

Deutsche Wirtschaft im Rückwärtsgang
Die deutsche Wirtschaft lahmt. Der IFO-Index tendierte im August erneut tiefer und das Geschäftsklima verschlechterte sich den vierten Monat in Folge. Dass die Konjunktur ins Stocken gerät, und dieses Mal auch den Euroland-Musterschüler Deutschland betrifft, wird hauptsächlich der Unsicherheit wegen der Entwicklung in Russland / Ukraine zugesprochen. Die erneut schwachen IFO-Zahlen in Deutschland, enttäuschende New Home Sales in den USA oder die Auflösung der französischen Regierung wurden aber anfänglich ignoriert. Die Hoffnung auf eine geldpolitische Lockerung der EZB erstarkte und der Wolf Putin schien Kreide gefressen zu haben. Jedenfalls negierte er öffentlich, die Separatisten in der Ostukraine direkt zu unterstützen. Die Erholung der Aktienkurse setzte sich fort und die USA Indices stiegen auf oder gegen ihre Rekordwerte. Innert 2 Wochen konnte der Dax die Hälfte seines zehnprozentigen Rückganges wieder gutmachen. Die Indices in den USA befinden sich bereits wieder auf dem Top ebenso wie das positive Sentiment der Bullen.

Lage an Börsen bleibt angespannt
Die Situation an den Börsen bleibt angespannt, wie die Reaktion am Donnerstag zeigte, als Kiew eine russische Invasion meldete. Es handelt sich noch nicht um den Beginn der gefürchteten Invasion der russischen Armee, aber eine Zuspitzung der Lage. Anscheinend erstarken die russischen Separatisten im Südosten beim Asowschen Meer, wo ukrainische Stahlwerke liegen, welche dem Oligarchen Rinat Achmetow gehören. Russland dementiert die Präsenz russischer Soldaten aber weiterhin kategorisch und beschuldigt im Gegenzug, Kiew wende faschistische Nazimethoden gegen Andersdenkende an. Über das Wochenende forderte Putin in einem Fernsehinterview weitere Gespräche mit der bewusst schwammig gehaltenen Formulierung der „staatlichen Verfassung“ im Südosten der Ukraine. Dies sind keine Entspannungssignale. Am Wochenende sind auch die Minister der EU in Brüssel zu einem Sondergipfel zusammengekommen. Die EU und USA bereiten weitere harte Sanktionen gegen Russland vor.

Nach Hoffnungen in der Ukraine-Krise zum Wochenbeginn ernüchtert und verunsichert die Eskalation nun. Politische Schlagzeilen haben ein hohes Gewicht. Ein wichtiger Termin ist am Donnerstag der Zinsentscheid der EZB, wo auch Informationen über die weitere Geldpolitik orientiert werden könnte. Zudem wird sie auch ihre vierteljährliche Prognose zu Konjunktur und Inflation in der Eurozone vorlegen.

Solide Immobilienaktien im Fokus
Angesichts der tiefen Zinsen und der volatilen Börsen kann der Investor wieder einen Blick auf solide Immobilienaktien werfen. Der Halbjahresabschluss des Marktleders in der Schweiz, Swiss Prime Site, hat uns jedenfalls überzeugt. Die quellensteuerfreie Rendite von 4.8% sowie die leichte Steigerung des Buchwertes zeugen von Stabilität und SPS kann als Depotbeimischung empfohlen werden. (IHAG/frp/md/ps)

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