IHAG-Kommentar: Sektorrotation pausiert – Volatilität bei einzelnen Aktien

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Die Börsen reagieren zunehmend mit Zurückhaltung auf Donald Trumps Regierungsstil. Der Dow Jones konnte die in der Vorwoche mit Schwung genommene 20‘000er Marke nicht halten und gab am Montag und Diensatg ca. 1% ab. Am Freitag kehrte wieder Zuversicht zurück, der Dow Jones kletterte auf 20‘071 und schloss die Woche fast unverändert.

Bis am Donnerstag ergab sich ein ähnliches Bild in Europa, allerdings mit weniger Erholung am Freitag. Der DAX verlor über die Woche 1.4% und der Euro Stoxx50 0.8%. Der SMI entwickelte sich mit -0.3% etwas besser, weil Novartis und auch Roche (trotz verhaltenen Abschlüssen) sich erholen konnten. Bankenaktien litten in Europa nach Bilanzkonferenzen unter Abgaben.

Fed ohne Überraschung
Beim FOMC-Meeting gab es keine Überraschungen, der Leitzins wurde unverändert belassen. Das Fed plant weiterhin graduelle Erhöhungen. Bei den Zinsen blieb es ruhig. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen pendelten in den USA um 2.46%, mit einem kurzen Rücksetzer am Freitag nach dem Arbeitsmarktbericht, welcher gemischt ausfiel, mit mehr als erwarteten neu geschaffenen Stellen, aber auch einer leicht höheren Arbeitslosenrate sowie geringer als erwartetem Lohnanstieg. In Deutschland sanken die Zinsen der zehnjährigen von 0.50% anfangs Februar bis auf 0.415%. In der Schweiz bewegt sich das entsprechende Zinsniveau  bei -0.14% seitwärts.

Seit anfangs Jahr konnte der EUR zum USD von 1.04 bis auf 1.08 per Donnerstag erstarken, scheint aber nun zu konsolidieren. Umgekehrt fiel der USD/CHF letzte Woche kurz unter 99 Rappen, hat aber momentan noch keine Kraft, wieder in Richtung Parität zurückzupendeln. Der EUR/CHF fiel bis auf 1.065, ein Mehrmonatstief, wurde dann wieder gegen 1.07 hochgezogen.

Die etwas gedämpfte Stimmung bei den Aktien liess den Goldpreis über die Marke von USD 1200 pro Unze steigen, allerdings mit wenig Kraft. Am Schluss der Woche stand die Notiz bei USD 1212 pro Unze Gold. USD 1220 ist eine Wiederstandniveau, welches heute morgen umkämpft wird. Fällt dies, ist ein erster Anstieg bis USD 1250 offen. Der Ölpreis ist mit Abgaben in die neue Woche gestartet, erholte sich aber gegen Ende der Woche wieder. Die Opec hatte Ende November eine Produktionsdrosselung von täglich 1.2 Mio. Fass ab Januar angekündigt, welche bereits grösstenteils umgesetzt sei. Das verkleinerte Angebot und stützt den Preis – sehr zu Freuden der US-Förderer. Gemäss Einschätzungen von Goldman Sachs könnten diese ihre Produktion in den kommenden Monaten um 0.3 Mio. Fass pro Tag steigern. Insgesamt scheint sich der Ölpreis nun in einem Band zwischen USD 53 bis USD 57 pro Fass Brent seitwärts zu entwickeln.

Griechenland rennt die Zeit davon
Die mottende Griechenland-Krise mit der steigenden Verschuldung flackert wieder auf. Beim Rettungsprogramm bleibt der deutsche Finanzminister Schäuble hart und fordert die Einhaltung der Ziele, wogegen andere eine Aufweichung des Drucks auf die Griechen bevorzugen. Derweil rennt die Zeit davon und im Juni könnte Athen angesichts der fälligen Schuldenrückzahlungen von gegen EUR 20 Mrd. das Geld ausgehen.

Die Euphorie über Donald Trump weicht zunehmender Irritation, weil er die USA wie ein allmächtiger CEO einer Firma managed. Es scheint fast so, dass er als Alleinherrscher ein autoritäres Regime aufzieht und im Eilverfahren Dekrete unterschreibt. Hire and fire wird nun auch in der Regierung angewandt, nicht genehme Staatsdiener werden schnell ausgewechselt. Auf internationaler Ebene reagierte die EU ungehalten auf die Twitter-Sticheleien und der EU-Ratspräsident Donald Tusk stufte die neue US-Politik als gefährlich ein. Der Mexikanische Präsident hat konsequenterweise seinen Besuch abgesagt. Weiter gab es ein Treffen mit CEO’s von Pharmafirmen. Trump skizzierte hier einen Deal in Form tieferer Medikamentenpreise gegen schnellere Zulassungen von neuen Medikamenten. Pharma Aktien hatten eine gute Woche, obwohl auch der Abschluss von Roche, ähnlich wie zuvor Novartis, die Erwartungen nur knapp erfüllte. Dieses Jahr wird bei beiden Firmen entscheidend, wie sich die Konkurrenz aus Generika und Biosimilars auf Umsatz und Gewinn auswirkt. Wir bleiben hier vorsichtig.

Nach einem guten Januar mit Rekordhöchstständen in den USA, kommt es zu einer Konsolidierung. Bei den Firmenausweisen werden enttäuschte Erwartungen teils hart abgestraft. Auch scheint die Sektorrotation weit fortgeschritten und zu stocken, kam es doch bei Banken in den USA und Europa zu Rückschlägen bis auf charttechnisch kritische Niveaus, allerdings mit einem Rebound am Freitag wegen Fantasie aus Deregulierung in der US-Bankengesetzgebung.

ABB und Georg Fischer im Fokus
Diese Woche wird es spannend bei ABB, welche nach enttäuschendem Auftragseingang im Oktober einen Rückschlag hinnehmen musste, seither aber nur noch gegen oben zog, teils geschürt durch Fantasien einer Aufteilung der Firma, welche von aktivistischen Investoren gefordert wird. Wir wären hier vorsichtig, der letzte Oktober könnte sich wiederholen, falls die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Dagegen erwarten wir einen guten Abschluss bei Georg Fischer (per 28. Februar). Die Aktie hat seit Oktober 8% verloren und scheint reif für eine Erholung. (IHAG/frp/mc/ps)

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