IHAG-Kommentar: Zeitpunkt für Zukäufe rückt näher

IHAG-Kommentar: Zeitpunkt für Zukäufe rückt näher

Zürich – Die Aktienindices bewegten sich im Vorfeld der Wahlen in Griechenland in Lauerstellung seitwärts bis leicht fester. Der S&P 500 stieg über die Woche 1.3%, der Europe Stoxx 50 1.8% und der SMI 0.7%. Sie SNB hatte in einer überraschenden, aber klaren Aufforderung an die Adresse der Credit Suisse diese aufgefordert, noch in diesem Jahr ihre Kapitalbasis deutlich zu erhöhen. Die Aktie der Grossbank brach darauf am Donnerstag fast 11% ein und verlor über die Woche 8%.

Die Lage an den Bondmärkten für „sichere Nationen“ entspannte sich etwas. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen blieben in den USA bei 1.59% und in der Schweiz bei 0.58% fast unverändert, stiegen aber für Deutsche Bundesanleihen fast 10 Basispunkte auf 1.44%. Im Gegenzug kletterte die Rendite der in zehn Jahren fälligen spanischen Anleihe auf fast sieben Prozent – eine Marke, ab der die Refinanzierung als schwierig gilt. Die Ratingagentur Moody’s hatte die Bonitätsnote der Iberer am Mittwoch auf „BBB-“ und damit eine Stufe vor Ramschniveau gesenkt.

Beruhigung an Devisenmärkten
Auch bei den Devisenmärkten sah man eine Beruhigung. Der Euro konnte gegenüber dem USD leicht zulegen auf 1.26. Die teure aber geglückte Auktion italienischer Staatsanleihen stützte etwas. Parallel schwächte sich der USD gegenüber dem CHF auf 0.95 wieder etwas ab. Der EUR/CHF blieb bei 1.2012 unverändert und die SNB bekräftigte am Donnerstag nochmals, die Untergrenze mit allen Mitteln zu verteidigen.

Der Goldpreis konnte im Vorfeld der Wahlen in Griechenland leicht zulegen und stieg auf USD 1627 die Unze. Der Ölpreis bewegte sich über die Woche seitwärts und schloss bei USD 97 pro Barrel Brent. Die OPEC entschied am Donnerstag in Wien, unverändert maximal 30 Mio. Barrel pro Tag zu fördern, womit sich Saudi-Arabien gegen eine Senkung durchsetzen konnte.

Trotz der diversen Unsicherheiten zeigten sich die Börsen erstaunlich resistent, v.a. in den USA. Es baute sich die Hoffnung auf, dass die Welt am Montag nach den Wahlen in Griechenland doch nicht untergeht und dass die Politiker sowie insbesondere die Notenbanker sich vorbereiten konnten und hinter den Kulissen mit weiteren Massnahmen bereit stehen, um Europa zu retten.

«Durchwursteln» statt Chaos in Athen
Samaras und die Neo Demokratia haben nun die Wahlen in Griechenland gewonnen. Dies sollte die Bildung einer Regierung ermöglichen, welche den Sparkurs und den vorläufigen Verbleib in der Eurozone beibehält, wenn auch mit gewissen Zugeständnissen. Statt eines gefürchteten Chaos wird man sich nun weiter „durchwursteln“. Die Finanzmärkte und Börsen dürften kurz aufatmen, eine Lösung in Griechenland ist aber nicht in Sicht. Im Vorfeld des G20 Treffen in Mexiko sind auch keine grossen Neuigkeiten gemeldet worden. Hauptthemen sind nachhaltiges Wachstum und die Bekämpfung der Armut.

Bei den meisten kotierten Europäischen Grossbanken scheint der Kursrückgang generell übertrieben und die Bewertung gemäss Preis/Buchwert zu tief. Allerdings ist die Transparenz der Bilanzen gering und die Skepsis zur Qualität gross. In diese negative Stimmung platzte nun am Donnerstag die harsche Aufforderung der SNB an die Adresse der Credit Suisse, umgehend das Eigenkapital deutlich zu erhöhen, was viele Fragezeichen hinterlässt. In der Sonntagspresse wurde publik, dass der CEO Brady Dougan sich noch eine Woche zuvor mit der SNB-Spitze bei einem Lunch getroffen hatte. Es darf vermutet werden, dass die CS-Spitze mit einer gewissen Arroganz gegenüber der SNB aufgetreten ist, weil sie bisher keine Hilfe benötigte. Das SNB-Statement war jedenfalls ein Schuss vor den Bug. Statt zusammen an der umsichtigen Stärkung der Bilanzen zu arbeiten und Vertrauen aufzubauen, wird dem Finanzplatz Schweiz weiter Schaden zugefügt. Die komplizierten und interpretationsbedürftigen Buchhaltungsregeln der risikogewichteten diversen „Basel“ Versionen sind da auch nicht hilfreich und verunsichern im Vorfeld eher. Tatsche ist, dass CS die risikogewichteten Aktiven um CHF 100 Mrd. auf CHF 294 Mrd. markant reduziert hat, kaum Staatsanleihen von Peripheriestaaten hält und bis Ende 2012 die harte Version von Basel 3 mit 7% Eigenkapital unterlegen will. Die relevante Aufsichtsbehörde Finma verlangt 6% und müsste bei einer ungenügenden Deckung aktiv werden, respektive wäre wohl bereits aktiv geworden. Der risikobewusste Investor kann auf diesem Niveau einen Rebound bei CS versuchen.

Versicherungswerte zu stark unter die Räder geraten
Ebenfalls im Finanzbereich kamen unserer Ansicht nach die Versicherungswerte zu stark unter die Räder. Auch charttechnisch scheint Zurich Insurance unter CHF 195 einen Boden gezogen zu haben und setzt nun zu einem Rebound an. Die solide Bilanz und die hohe Dividendenrendite machen Zurich auch für den vorsichtigen Investor interessant.

Die meisten Aktien haben markant korrigiert und sind günstig bewertet, weshalb der Zeitpunkt für einen partiellen Einstieg näher rückt. Gelöst sind die Probleme noch nicht und das Gipfeltreffen der EU-Minister Ende Juni müsste noch klare Schritte bringen, bis entwarnt werden kann. Wir warten vorderhand noch auf Ereignisse, welche auf eine Stabilisierung der Situation hindeuten. (IHAG/frp/mc/ps)

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