IHAG Kommentar: Zwischen Bangen und Hoffen

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Die vergangene Woche begann an den Aktienmärkten mit einer Talfahrt, weil sich die Verschuldungsspirale in Europa weiter abwärts drehte. Am Donnerstag löste dann der EZB-Präsident Mario Draghi eine Gegenbewegung aus, weil er die Märkte mit seinen Äusserungen zur klaren Intervention beeindruckte.

Die vagen aber mit demonstrativer Entschlossenheit ausgesprochenen Andeutungen, dass die EZB alles tun werde, um den Euro zu bewahren, weckten die Hoffnungen und Phantasien der Anleger. Trotz des Einbruchs am Montag, stiegen der S&P 500 sowie der DAX im Wochenvergleich je 0.9%, der SMI 1.2%.

Bondrenditen auf Erholungskurs
Die Bondrenditen konnten sich mit der Hoffnung auf Stützungsaktionen durch die EZB markant erholen, v.a. bei Spanien und Italien. Die Rendite der zehnjähriger spanischen Referenzanleihe fiel von 7.56% (Höchst am Dienstag) bis am Freitag auf 6.70% zurück. Im Gegenzug erhöhten sich die Renditen in den starken Ländern USA um 10 und Deutschland gar um 24 Basispunkte. Auch der Fall des EUR/USD konnte mit den oben erwähnten Äusserungen unter die 1.20er-Linie verhindert werden und der Wochenschluss lag mit 1.24 1.7% über der Vorwoche. Umgekehrt schaffte es der CHF/USD nicht auf die Parität und kam im Wochenvergleich 1.7% auf 0.975 zurück. Der EUR/CHF konnte von der SNB unverändert gehalten werden.

Gold wieder gefragt
Gold war wegen der möglichen indirekten Monetarisierung der europäischen Staatschulden (Notenpresse) als sicheres Investment wieder gefragt und stieg Ende Woche über USD 1600 pro Unze, mit einem Schlusskurs von USD 1617. Auch der Ölpreis konnte sich mit dem erhofften Stimulus auf die Wirtschaft auffangen und schloss praktisch unverändert bei USD 105 pro Barrel.

Draghi markiert Stärke
Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi beeindruckte am Donnerstag in einer Rede in London: “Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten.” Er soll sogar hinzugefügt haben: “Und glauben Sie mir – es wird ausreichen.” Die EZB scheint mit der Geldpresse eine der letzten Instanzen zu sein, welche die Krisenspirale zu brechen und die Märkte zu beruhigen vermag. Nun ist aber nicht klar, welche Mittel die EZB anwenden könnte, was aber kurzfristig wohl eine positivere Wirkung an den Finanzmärkten hat, als wenn man konkreter geworden wäre. Spekuliert wird, dass der ESM doch eine Banklizenz erhalten solle und sich bei der EZB refinanzieren könnte, um unter Druck geratene Staatsanleihen zu kaufen. Auch direkte Anleihekäufen durch die EZB, eine Zinssenkung und neue längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) für Banken werden für möglich gehalten. Schützenhilfe leisteten noch Bundeskanzlerin Merkel und der französische Präsident Hollande, welche nach einem gemeinsamen Telefonat bekräftigten, dass auch sie alles tun wollen, um die Euro-Zone zu schützen.

Die Märkte wurden temporär beruhigt und es wurde etwas Zeit gekauft, aber die Ernüchterung wird wieder einkehren, die Schuldenberge können nämlich nur langsam abgebaut werden. Der Markt wird auch bald konkrete Massnahmen sehen wollen. Die Börsen werden von den Politikern und Notenbankern getrieben und dürften somit volatil bleiben. Eine Entwarnung können wir daher nicht geben. Erfreulich präsentierten sich aber mehrheitlich die bisherigen Semesterausweise, welche nicht die Krise widerspiegeln, über die man täglich in den Medien liest. Wir waren für das 2. Quartal vorsichtig, weil genau diese negativen Meldungen die Bestellungen und somit den Geschäftsgang der Unternehmen hemmen. Eine Abwärtsspirale ist allerdings bei den wenigsten Unternehmen eingetreten und die Bestellungen könnten bald wieder anziehen.

Konsolidierung erwartet
Erfreulicher waren die Ausweise sowie die leicht zuversichtlichen Ausblicke bei ABB, Syngenta, Roche, aber auch Compass. Der weltweit grösste Kantinenverpfleger Compass ist gemäss dem Interimsstatement unverändert auf Wachstumskurs und noch nicht teuer bewertet. Wir empfehlen diesen stetig wachsenden Wert klar zum Kauf. Bei ABB scheint sich wie vom Management erwartet der Trend wieder zu verbessern, was die Börse nach dem Quartalsausweis nun auch so sieht und der Kurs dürfte sich daher weiter erholen. Generell sehen wir nach der Erholung der letzten beiden Handelstage in der laufenden Woche bei den Aktienindices nun eine Konsolidierung. Titelspezifisch würden wir erst nach Publikationen der Semesterzahlen bei soliden Unternehmen investieren, weil Enttäuschungen doch markant abgestraft werden

(IHAG/mc/hfu)

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