IHAG Quartalsbericht: Börsen wanken zwischen Politik und solider Konjunktur

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Die Weltwirtschaft läuft nach wie vor rund. Die EZB wird die Anleihenkäufe am Jah­resende voraussichtlich ganz einstellen. Die Leitzinsen werden frühestens nach dem Sommer 2019 erhöht. Das Fed hob die Zinsen um 0.25% auf 1.75% bis 2.0% an und stellte im laufenden Jahr zwei weitere Zins­schritte in Aussicht. Die Aktienmärkte zeigten sich zwischen Politik und solider Konjunktur hin-und hergerissen. Deshalb suchten die Kapitalmarktteilnehmer in den Unterneh­mensergebnissen fieberhaft das Haar in der Suppe und nach Anzeichen einer Konjunk­turabkühlung. Die Gewinnberichterstattung verlief indes – vor allem in den USA – erfreu­lich. In Europa (Stoxx Europe 600 +4.4%) und den USA (S&P 500 +3.4%) resultierte im zweiten Quartal ein Plus.

Der Handelskonflikt zwischen den USA, China und weiteren Ländern sowie der Politkrimi in Italien setzten nicht nur den Schwellenländern zu (MSCI Schwellenländer –7.9%, Shanghai Composite –8.2%), auch in Europa gab es grosse Un­terschiede auf nationaler Ebene. Das export­orientierte Deutschland (DAX 30 +1.7%) und Italien (FTSE MIB –2.1%) konnten nicht mit Europa mithalten. Unter den Sektoren gehörten Banken (–5.3%), vor allem die euro­päischen mit Risikoexposition zu Italien oder der Türkei, zu den Verlierern. Anders prä­sentierte sich der Detailhandel (+10.4%), der auf Sektorenindexebene auch den boo­menden Internethandel enthält. Der Ölpreis schnellte aufgrund des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran und weiterer Kapazitätsengpässe in Venezuela und Libyen von USD 69 auf USD 79 hoch, was die Energiewerte beflügelte (+10.4%).

Bewegung gab es ebenfalls im Zins- und Währungsgefüge. EU-feindliche Parolen seitens der italienischen Regierung trieben die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen Italiens bis auf 3.1% hoch, bevor sich diese bis zum Quartalsende auf 2.7% ermässigten. Dagegen halbierten sich jene der Deutschen Bunds auf 0.3%. 10-jährige Eidgenossen rentieren mit – 0.1% wieder negativ. Zudem lasteten die von der EZB zunichte gemachten Zinserhöhungsfantasien schwer auf den Renditen und dem EUR, der ohnehin unter dem nachlassenden Konjunkturoptimismus gegenüber der Eurozone litt und im Vergleich zum USD 5% verlor.

Auf das Jahr 2018 hochgerechnet, dürfte das BIP in der Schweiz sowie in der Eurozone gut 2% und in den USA über 3% wachsen. Die Wachstumsraten sind allerdings geringer als in vergangenen Konjunkturzyklen. Gerade deshalb könnte sich der jetzige Zyklus weiter in die Länge ziehen. Das gilt auch für die USA, die bereits neun Jahre Aufschwung erleben. Das Restrisiko eines drohenden Handelskriegs zwischen den USA und anderen Wirtschafts­räumen bleibt, sollte sich aber bis zum Jahres­ende nicht mehr materialisieren. Die USA benötigten fast ein Jahr, um Importzölle auf Güter aus China im Umfang von USD 50 Mrd. zu implementieren. Falls sich die Mühlen überhaupt nennenswert weiterdrehen – wo­von wir nicht ausgehen –, dürften Volumen von USD 200 Mrd. oder gar USD 400 Mrd. nicht weniger Zeit in Anspruch nehmen.

Die wieder zum Leben erwachte Volatilität führte europäische (MSCI Europe) und US-amerikanische (S&P 500) Aktien zurück auf durchschnittliche Bewertungsniveaus, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis. Sollten die Ängste vor einem Handelskrieg wieder etwas nachlassen, müssten sich die hiervon gebeutelten Märkte und Sektoren deutlich erholen. Zusätzlich werden US-Aktien im laufenden Jahr durch Aktienrückkäufe im Wert von USD 650 Mrd. unterstützt. Potenzial für steigende Renditen an den Anleihenmärkten bietet sich in der Eurozone und in den USA, zumal die Inflationserwar­tungen wieder etwas anziehen könnten.

Trotz der gefürchteten Verflachung der Zinskurven in den USA rechnen wir nicht mit einer inversen Struktur (Zinsen für kurze Laufzeiten sind höher solche für lange Laufzeiten, was in der Regel eine Rezession signalisiert). Einerseits werden in der Eurozone die Anleihenkäufe voraussichtlich eingestellt. Deshalb könnten die Kapitalmarktteilnehmer weniger geneigt sein, auf höher rentierende US-Treasuries auszuweichen. Andererseits erhöhen in den USA das voranschreitende Quantitative Tightening und die Fiskalpolitik das Angebot an US-Treasuries. (IHAG/mc/ps)

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