ING Invest: Analyse Mittlerer Osten und Nordafrika

ING Invest: Analyse Mittlerer Osten und Nordafrika

Fadi Al Said, Portfolio Manager des ING (L) Invest Middle East and North Africa Fonds.

Zürich – Nach einer kräftigen Performance seit Jahresbeginn meldete sich die Risikoaversion wieder zurück und die Märkte der Region legten im April eine Verschnaufpause ein. Dazu trugen auch die Verschärfung der Euroschuldenkrise und das weltweit schwierige Konjunkturklima bei.

Von Fadi Al Said, Portfolio Manager des ING (L) Invest Middle East and North Africa Fonds

Der Einbruch am schwergewichtigen saudischen Markt um 3,5 %, der von allen Märkten der Region am schlechtesten abschnitt, drückte den S&P Pan Arab Large Mid Index um 1,72 %. Der Kursrutsch wurde durch die enttäuschenden Ergebnisse aus der Petrochemie (außer SABIC) ausgelöst. Die erfreuliche Entwicklung des Bankensektors im Zuge der verstärkten Kredittätigkeit reichte nicht, um den Markt zu stützen: Privatanleger setzten vielmehr auf Gewinnmitnahmen. Der Rückgang der Ölpreise (Brent sank im Monat um 2,1 %) verstärkte die negative Marktstimmung noch. Mit nur leichten Rückgängen von 0,7 bzw. 1,0 % schnitten die Aktienmärkte von Kuwait und Doha im April am besten ab. Die Bankenschwergewichte in Kuwait bewiesen erhebliche Widerstandskraft und auch das größte petrochemische Unternehmen, Industries Qatar, schnitt positiv ab und stützte damit den Index. Beide Märkte haben in der Vergangenheit immer wieder ein hohes Maß an Widerstandskraft in schwierigen Phasen bewiesen.

ING MENA Fund im April um 1,3 % nachgelassen
Nachdem er seit Beginn des Jahres kräftig um 14,64 % zugelegt hatte, ließ der ING MENA Fund im April um 1,3 % nach, übertraf damit aber immer noch seine Benchmark, den S&P Pan Arab Large Mid Cap Index, der um 1,72 % gesunken war. Somit verbuchte der Fonds ein positives Alpha von 0,42 %. Diese Outperformance ist vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen: Erstens unsere Cashquote von 12 % (infolge der Fondszuflüsse gegen Monatsende über der maximal zulässigen Quote von 10 %), die wir im Hinblick auf einen möglichen Kursrutsch beibehalten haben, und zweitens die Konzentration auf unsere stärksten Positionen, die den Markt übertreffen konnten. Wir haben in diesem Monat eine neue interessante Investment-Chance ausgemacht: das Healthcare-Unternehmen NMC, eine unserer Top-Positionen. Unserer Ansicht nach ist NMC im Hinblick auf Bewertung, Geschäftsmodell, Branchenrisiko und mögliche Wachstumsmotoren einer der attraktivsten Titel in der Region. Wir sind weiterhin von den auf lange Sicht guten Perspektiven der Region überzeugt, auch unter Berücksichtigung der Marktdynamiken vor Ort und etwaiger negativer Einflüsse von den internationalen Märkten. Wir behalten die regionalen Märkte im Auge und betrachten etwaige Korrekturen als Gelegenheit, neue interessante Chancen zu identifizieren. Dabei zielen wir langfristig auf eine nachhaltige Performance für unsere Anleger ab.

Ausblick
Die weitere Entwicklung von Investments im Nahen & Mittleren Osten hängt entscheidend vom Zusammenspiel der drei Schlüsselfaktoren für Wirtschaftswachstum – Investitionstätigkeit, Humanressourcen und leistungsfähigerer regulatorischer Rahmen – ab. Vor diesem Hintergrund ergeben sich vor allem die folgenden Investmentthemen im Nahen & Mittleren Osten:

Der Bankensektor

  • Das Potenzial des saudischen Bankensektors
    • Das 2011 von geringer Profitabilität geprägte Umfeld hat die Banken nicht dazu animiert, verstärkt auf Risiko zu setzen und ihre ungenutzten Ressourcen ins Kreditgeschäft zu lenken. Dieser Mangel an Risikoappetit war sozusagen eine Nachwehe der weltweiten Finanzkrise von 2008, die auch diese Region zutiefst erschüttert hatte.
    • Die Regierung ist auf vielfältige Weise eingesprungen, um die Implementierung von Projekten zu beschleunigen.
    • Angesichts des höheren Wohlstands, der nicht zuletzt auch auf höhere Staatsausgaben zurückzuführen ist, dürften sich die Banken 2012 zunehmend auf bonitätsstarke Kreditnehmer konzentrieren.
  • Die Banken in den VAE … gut positioniert
    • Der NPL-Zyklus des Bankensystems hat seinen Höhepunkt hinter sich.
    • Der niedrige EIBOR trug zu einer Verbesserung der Banken-Spreads – wenn auch bei geringerem Volumenwachstum – bei.
    • Nachdem in H1 2011 der Höchststand der Risikovorsorge erreicht war, müssten die Bankbewertungen eigentlich revidiert werden. Doch durch die Bonitätsherabstufung der USA und die Staatsschuldenkrise in der EU hielt sich die Anlegerschaft für den Rest des Jahres von Finanzwerten fern.
    • Mit einem Kurs/Buchwert von 0,8 und einer Eigenkapitalrendite von 15,5 % sind die Bewertungen nach wie vor attraktiv, wenn auch Spielraum für eine Neubewertung besteht.
  • Katar … Rendite ist Trumpf
    • Die Banken von Katar weisen mit 18 % die höchste Eigenkapitalrendite in der Region auf. Die Wachstumsstory der Banken bleibt vor allem aufgrund der hohen staatlichen Infrastrukturausgaben intakt.
    • Dividendenrenditen von voraussichtlich 7 % in diesem Jahr sind bei Banken durchaus nicht ungewöhnlich und übertreffen deutlich die Renditen auf Staatsanleihen von rund 2 %.

 Immobilien in den VAE … Bodenbildung in einigen Segmenten

  • Nach unserer Einschätzung hat der Markt 2011 in einigen Segmenten die Talsohle erreicht.
    • Mit zunehmender Marktstabilisierung und einem leichten Rückgang der Forderungen an Eigenheimbauer atmen Bauunternehmer allmählich auf.
    • Entsprechend dürften sie jetzt in der Lage sein, auch die Märkte der Nachbarländer zu bearbeiten, die ebenfalls von den Erfahrungen in den VAE profitieren wollen.

Midcaps im saudischen Konsumgütersektor

  • Das höhere Pro-Kopf-BIP von $19.890 in 2011 ggü. $14.148 in 2009 beflügelt die Konsumausgaben.
  • Im Ergebnis erlebte der saudische Einzelhandel einen gewaltigen Wachstumsschub: In den ersten neun Monaten 2011 stiegen die Umsätze um 22 %, ein Trend, der voraussichtlich anhalten wird.

Ägypten … Fokus auf Schaffung einer stabilen Investmentplattform

  • Chancen ergeben sich hier in zweierlei Hinsicht: erstens die Betrachtung konjunktureller Konvergenz unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen durch Berücksichtigung aller möglichen Faktoren und zweitens die Fähigkeit, die jeweilige Lage zutreffend zu beurteilen und die Exponierung von Fall und Fall korrekt zu planen.
  • Bei einer Abwertung der Währung ist mit einer weiteren Marktkorrektur zu rechnen. Daraus könnte sich eine günstige Gelegenheit zum Einstieg in den Markt ergeben, der einerseits überkauft sein mag, aber andererseits einen stabilen Rahmen für die Geschäftsentwicklung bietet.

Voraussichtliche Katalysatoren für 2012:

  • Die lang erwartete Öffnung des saudischen Marktes für ausländische Investoren
  • Zunehmende Börsengänge in Saudi-Arabien
  • Aufnahme der VAE und Katar in den MSCI EM
  • Wahl einer stabilen Regierung und eines Präsidenten in Ägypten

Voraussichtliche Risiken für 2012:

  • Geopolitische Risiken (z. B. Eskalation Iran/Israel)
  • Thronfolge in Saudi-Arabien zeitgleich mit Kurswechsel (intern und extern)
  • Verzögerte Projektumsetzung in Saudi-Arabien und Katar
  • Mangelnde Einigung in Ägypten

(ING/mc/hfu)

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