Insolvenzweltmeister: Spanien holt 2014 Gold

Spanien Fussball-WM 2010

Mindestens punkto Rückgang der Firmenpleiten ist Spanien Weltmeister. Bild: Gewinn des WM-Titels 2010 in Südafrika.

Wallisellen – Pünktlich zur Weltmeisterschaft in Brasilien hat Euler Hermes in seiner jüngsten Insolvenzstudie den Weltmeister 2014 ermittelt. Das Ergebnis der Studie zeigt überraschende Parallelen zum Sport: Bei den Unternehmensinsolvenzen verzeichnet der amtierende Fussball-Weltmeister Spanien einen Rückgang von 23% im Vergleich zu 2013 und holt damit den Titel. Auf dem Silberrang folgen die – von Jürgen Klinsmann trainierten – USA (-10%) und Grossbritannien (-7%). Deutschland erreicht bei der Insolvenz-WM mit einem Rückgang der Insolvenzen zwar das Halbfinale, geht aber letztlich mit dem „undankbaren“ 4. Rang bei den Medaillen leer aus. Fussball-WM Gastgeber Brasilien hingegen geht bei der Insolvenzstudie als grosser Verlierer vom Platz: Die Euler Hermes Ökonomen prognostizieren einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 9%. Auch für die „Squadra Azzura“ Italiens (+3%) und in der Wirtschaftsgrossmacht China (+2%) steigen die Unternehmenspleiten im Jahr 2014 an.

Weltweite Insolvenzen rückläufig – aber noch 23% über dem Vorkrisenniveau
„Die Aussichten im Jahr 2014 sind insgesamt relativ gut. Weltweit sind die Insolvenzen rückläufig, jedoch weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau“, sagte Wilfried Verstraete, Vorstandsvorsitzender der Euler Hermes Gruppe. „Zwar verbessern sich die operativen Gewinne von Unternehmen langsam, es ist jedoch kaum Umsatzwachstum zu erkennen. Es bleibt also turbulent und der Wettbewerb stark. Zudem ist das Ausfallrisiko in einer schnell wachsenden globalen Wirtschaft auch bei rückläufigen Insolvenzen weiterhin hoch.“

Weltweit gehen die Insolvenzen nach Einschätzungen von Euler Hermes im Jahr 2014 um rund 8% zurück. Dennoch liegen sie noch 23% über dem Vorkrisenniveau der Jahre 2003 bis 2007. In insgesamt 18 Ländern erwarten die Ökonomen des Kreditversicherers 2014 einen Anstieg von Insolvenzen und auch zahlreiche Branchen verzeichnen aufgrund des hohen Preisdrucks und zum Teil schleppender Nachfrage weiterhin ein hohes Ausfallrisiko.

Schweiz: „Für die Schweiz prognostizieren wir ein Wachstum von 2% der Insolvenzen für 2014 und 2015“, sagte Stefan Ruf, CEO von Euler Hermes Schweiz. „Die Schweiz schneidet somit was die Veränderungen angeht mittelmässig ab in der Insolvenzweltmeisterschaft. Absolut gesehen bleiben jedoch die Insolvenzen hierzulande sehr stabil und sind im Vergleich zu unseren Nachbarländern auf einem sehr guten Niveau. Spezielle Herausforderung für Schweizer Exporteure, die nach Brasilien exportieren, sind die teilweise sehr langen Zahlungsziele und die Notwendigkeit zur Absicherung gegen Debitorenverluste. Die Nachfrage nach Absicherung nimmt zu. Weiter ist das Rechtssystem Brasiliens relativ langsam und macht es schwierig, Forderungen gerichtlich einzutreiben. Eine lokale Präsenz resp. lokales Know-how ist für die Exporteure in Brasilien besonders wichtig.“

Deutschland: Guter Halbfinalist mit Rückgang der Insolvenzen um 6% im Jahr 2014
Deutschland verzeichnete 2013 bei geringem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) einen Rückgang der Insolvenzen um 8%. Für 2014 erwarten die Euler Hermes Experten bei einem Wachstum des BIPs um 1,7% einen weiteren Rückgang der Unternehmensausfälle um -6% sowie im Jahr 2015 um weitere -3%. Vor allem der Energiesektor bleibt schwierig. Im vergangenen Jahr traten 13% mehr Unternehmen in der Branche den Gang zum Amtsgericht an – im Vergleich zu 2008 ist dies ein Anstieg um 197%. Insgesamt betrugen die durchschnittlichen offenen Forderungen pro insolventem Unternehmen im vergangenen Jahr € 1,1 Mio.

Exportweltmeister: Offensive ist die beste Defensive – starker Euro belastet deutsche Exporteure
„In Deutschland bleiben vor allem die Energie-und Metallbranche sehr risikoreich“, sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes. „Auch das Baugewerbe, die Hotel-und die Transportbranche, der Handel sowie das produzierende Gewerbe verzeichnen hierzulande weiterhin absolut eine hohe Anzahl an Unternehmensinsolvenzen – auch wenn diese sowohl im vergangenen Jahr als auch in 2014 insgesamt rückläufig sind. Zudem belasten die rückläufigen Exportpreise die deutschen Exportaktivitäten, ebenso wie die geringe Inflation, der starke Euro und die zunehmende Konkurrenz durch amerikanische und vor allem auch japanische Unternehmen. Die Devise von Exportweltmeister Deutschland heisst dennoch weiterhin ‚Offensive ist die beste Defensive‘.“

China: Anstieg der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2014 – erstmals seit 5 Jahren
China bleibt hingegen bei der Insolvenz-WM im Mittelfeld stecken und zählt damit zu den Verlierern: Nach Einschätzungen von Euler Hermes steigen die Insolvenzen in der Volksrepublik im Jahr 2014 um 2% an. Das bedeutet nach 5 Jahren in Folge erstmals wieder einen Anstieg der Pleiten im Reich der Mitte. Im vergangenen Jahr verzeichnete China noch einen Rückgang von -3,6%. Hauptgründe für den prognostizierten Anstieg sind das verlangsamte Wirtschaftswachstum, eine zurückhaltende Vergabe von Krediten sowie Überkapazitäten in der Produktion.

Gastgeber Brasilien scheitert in Vorrunde: 9% mehr Insolvenzen in 2014, weiterer Anstieg in 2015
Gastgeber Brasilien hingegen verpasst trotz des Heimvorteils und voller Stadien den Einzug in die nächste Runde. In 2013 meldeten mehr als 160 Grossunternehmen, sogenannte „Grande Empresas“ in Brasilien Insolvenz an, zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen nicht eingerechnet. Für 2014 erwarten die Euler Hermes Ökonomen wie bereits in den Jahren 2012 und 2013 einen weiteren Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen um +9% sowie um weitere +3% in 2015.

Brasiliens Gegner: Hohe Inflation und Zinssätze, steigende Preise, schwächelnde Binnennachfrage
Die Wirtschaft bekommt von den vier aufeinanderfolgenden Grossveranstaltungen von Confederations-Cup über Weltmeisterschaft, Präsidentschaftswahl bis zu den Olympischen Spielen bisher wenig zu spüren. Das Wachstum ist mit prognostizierten 2% im Jahr 2014 und 2,5% in 2015 verhältnismässig niedrig, die Inflation hingegen weiterhin hoch. Konsumentenpreise steigen 2014 um voraussichtlich weitere 6% an. Die daraus resultierende schwächere Binnennachfrage macht den Unternehmen ebenso zu schaffen wie fehlende Investitionen und eine strengere Geldpolitik: Die Zentralbank hat den Leitzinssatz in den vergangenen zwölf Monaten massiv angehoben auf 11% im April 2014. Dies führt zu einem enormen Zinssatz von durchschnittlich 30% für Privatkredite.

Trotz WM: Sinkende Autoverkäufe, Stagnation in der Stahlbranche, fehlende Investitionen
Der Autoabsatz ging beispielsweise im April um knapp 10% im Vergleich zum Vorjahr zurück. Das produzierende Gewerbe schwächelt ebenfalls: Seit rund 18 Monaten verzeichnet die brasilianische Stahlbranche keinerlei Wachstum. Ein weiteres grosses Problem Brasiliens sind fehlende Investitionen. Die Investitionsrate beträgt nur etwa 20% des Bruttoinlandprodukts (BIP) – das ist der niedrigste Wert der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China).

Land der Dribbelkünstler anfällig für Risiken – grosse Abhängigkeit von Exporten nach China
Mit diesen insgesamt schwachen Voraussetzungen bleibt das Land der Dribbelkünstler anfällig für negative externe Einflüsse. Die Volatilität der Währungskurse stellt im Jahr 2014 ebenso ein grosses Risiko dar wie die Entwicklung der Rohstoffpreise sowie die starke Abhängigkeit von der chinesischen Wirtschaft. China ist inzwischen Brasiliens grösster Handelspartner – ein langsameres Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat damit starke Auswirkungen auf die brasilianischen Exporte. Die Abschwächung der Wirtschaft in Brasiliens Nachbarstaaten wie beispielsweise Argentinien, stellt ebenfalls ein Risiko für den WM-Gastgeber dar.

Weiterführende Informationen:
Studie zu weiteren Risiken für die globale Wirtschaft (Auszüge, deutsch):
http://www.eulerhermes.de/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/euler-hermes-economic­outlook-no-1205-1206.pdf

Die vollständige Studie zu Risiken für die globale Wirtschaft in englischer Sprache finden Sie hier:
http://www.eulerhermes.com/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/EH-Economic-Outlook­Macro-Hot-bright-and-soft-spots-March-April14.pdf

Über Euler Hermes
Euler Hermes ist weltweiter Marktführer im Kreditversicherungsbereich und anerkannter Spezialist in den Bereichen Kautionen, Garantien und Inkasso. Das Unternehmen verfügt über mehr als 100 Jahre Erfahrung und bietet seinen Business-to-Business(B2B)-Kunden Finanzdienstleistungen an, um sie im Liquiditäts-und Forderungsmanagement zu unterstützen. Über das unternehmenseigene Monitoringsystem wird täglich die Insolvenzentwicklung kleiner, mittlerer und multinationaler Unternehmen verfolgt und analysiert, die in Märkten tätig sind, auf die 92% des globalen BIP entfallen. Das Unternehmen mit Sitz in Paris ist in mehr als 50 Ländern vertreten und beschäftigt über 6’000 Mitarbeiter. Euler Hermes ist eine Tochtergesellschaft der Allianz und ist an der Euronext Paris kotiert (ELE.PA). Sie wird von Standard & Poor’s und Dagong mit einem Rating von AA-bewertet. 2013 wies das Unternehmen einen konsolidierten Umsatz von EUR 2,5 Milliarden aus und versicherte weltweit Geschäftstransaktionen im Wert von EUR 789 Milliarden.
Euler Hermes Schweiz beschäftigt rund 50 Mitarbeitende an ihrem Hauptsitz in Wallisellen und den weiteren Standorten in Lausanne und Lugano.
Weitere Informationen finden sich unter: www.eulerhermes.ch.

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