IWF: Eurozone muss «chronische» Finanzkrise vermeiden

Christine Lagarde
IWF-Direktorin Christine Lagarde.

IWF-Direktorin Christine Lagarde.

Washington – Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Eurozone vor einer «chronischen» Finanzkrise gewarnt. Die Gesetzgeber der Währungsunion dürften nicht nachlassen, Reformen im Bankensektor voranzutreiben und die wirtschaftliche Erholung zu stützen, fordert die Institution in ihrem neuen Bericht zur globalen Finanzstabilität.

Sollte der Eifer bei der Reparatur des Finanzsystems nachlassen, könnten alte Risiken dauerhaft zurückkehren, sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, José Viñals, bei der Vorstellung des Berichts am Mittwoch in Washington. Schwache Banken müssten dringend restrukturiert, Kapitalanforderungen weiter verschärft werden.

Überschuldung des Firmensektors in schwächeren Eurostaaten
Ein besonderes Risiko sei die Überschuldung des Firmensektors in den schwächeren Eurostaaten. Rund ein Fünftel der Kredite und Unternehmensanleihen dort seien «untragbar», könnten also nicht ohne Weiteres zurückbezahlt werden, erklärte Viñals. Das schade dem Vertrauen der Märkte und sei «eine Gefahr für ihre Volkswirtschaften und die Finanzstabilität».

Zypern zeigt Dringlichkeit von Reformen auf
Das globale Ausmass von Krisen wie in Zypern «unterstreicht die Dringlichkeit, die Reformen in der Eurozone zu vollenden», so die Analyse, die der Weltwährungsfonds zwei Mal im Jahr erarbeitet. Er ruft darin auch ausdrücklich zu einer Rekapitalisierung von Banken, einer gemeinsamen Bankenaufsicht und einer vervollständigten Währungsunion auf. Diese Themen werden auch bei der Frühjahrstagung der 188 IWF-Mitgliedländer Ende der Woche in Washington auf der Tagesordnung stehen.

Lockere Geldpolitik bereitet sorgen
Zunehmend sorgenvoll zeigte sich Viñals auch über die extrem lockere Geldpolitik vieler Staaten. Die niedrigen Zinsen trieben etwa private Pensionsfonds dazu, ihr Geld in risikoreichere Anlagen zu investieren als sie sollten. Allerdings wäre eine zu schnelle Abkehr von Hilfsprogrammen der Zentralbanken schlecht für die andauernde Erholung. «Während der Patient behandelt wird, sollte man ihm nicht die Medizin wegnehmen. Aber man muss auf die Nebenwirkungen aufpassen.»

Fortschritte ungleichmässig
Die globale Krisenfeuerwehr lobt in dem Bericht, wie vor allem die Banken in entwickelten Volkswirtschaften wesentliche Erfolge beim Umbau ihrer Bilanzen erzielt hätten. «Aber die Fortschritte waren ungleichmässig, so sind die Systeme in unterschiedlichen Stufen ihrer Reparatur.» In den USA sei der Prozess etwa weitgehend abgeschlossen, während das in der Eurozone nicht der Fall sei – vor allem nicht in den schwächeren Staaten.

Positivere Einschätzung
Insgesamt fiel die IWF-Einschätzung der globalen Finanzstabilität aber wesentlich positiver aus als noch vor einem halben Jahr, als in dem Bericht von einem «sehr brüchigen» Vertrauen ins Weltfinanzsystem und «bösen Abwärtsspiralen» die Rede war. So heisst es nun, die globalen Finanz- und Marktbedingungen hätten sich «in den vergangenen sechs Monaten spürbar verbessert». (awp/mc/pg)

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