IWF: Finanzsystem in der Eurozone noch zu instabil

José Viñals

José Viñals, Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung. (© European Communities)

Washington -Das europäische Finanzsystem ist noch zu instabil, die Banken sind noch nicht ausreichend gestärkt – zu diesem Schluss kommt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner jüngsten Analyse. Die IWF-Experten sehen noch schwierige Herausforderungen. „Es hat in der Eurozone erhebliche Fortschritte gegeben. Viele Banken haben ihre Kapitaldecke deutlich gestärkt“, sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, José Viñals.

Auch die Unternehmen seien wieder finanzstärker. Aber: „Die unvollständige Reparatur von Bank- und Firmenbilanzen ist weiter ein Hindernis für die Erholung.“ Etwa mangele es in schwächeren Euroländern unverändert an einer Kreditvergabe, die zur Konjunkturankurbelung nötig sei.

Weiterhin Gefahr für die Weltwirtschaft
In seinem Bericht zur Finanzstabilität warnt der IWF: „Ein Anziehen des Wachstums hat die Aussichten verbessert, doch eine hohe Verschuldung, eine niedrige Inflation und finanzielle Ungleichgewichte sind weiterhin aktuelle Risiken.“ Gepaart mit drohenden Problemen der Schwellenländer sei das eine Gefahr für die Weltwirtschaft, heisst es in der Analyse, die am Mittwoch in Washington vorgelegt wurde.

Bank-Bilanzen noch nicht ausreichend von faulen Krediten befreit
Obwohl die Märkte den krisengeschüttelten Banken in der Eurozone wieder mehr vertrauten, seien die Bilanzen der Institute in Wirklichkeit noch nicht ausreichend von faulen Krediten befreit worden. Die Politik müsse daher weiter rigoros die Gesundheit des Finanzsystems überprüfen – etwa durch die anstehenden Stresstests. Darauf aufbauend müssten Bilanzen bereinigt und Banken geschlossen werden, die nicht mehr zu retten seien. Das könnte auch den nötigen Ausbau der Unternehmensfinanzierung auf anderen Kanälen beflügeln.

Weltweit betrachtet sei die Finanzstabilität in den entwickelten Volkswirtschaften „deutlich gestärkt“ worden, meint der IWF. Kreditrisiken seien insgesamt klar zurückgegangen. „Wir haben die Wende geschafft“, sagte Viñals. „Aber es ist zu früh, den Sieg zu erklären“. So seien die Staatsschulden in vielen Ländern weiter zu hoch – teilweise seien sie sogar zuletzt wieder gestiegen.

Neue Herausforderungen durch US-Geldpolitik
Vor allem aber bringe der Übergang zu einer strengeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed neue Herausforderungen mit sich. Eine verknappte Liquidität könnte die Schwäche einiger Schwellen- und Entwicklungsländer offenlegen, zu sehr von ausländischen Geldgebern abhängig zu sein. „Die grossen Kapitalzuflüsse in die aufstrebenden Länder während der vergangenen Jahre könnten sich umkehren“, sagte Viñals.

Es bestehe die Gefahr, dass steigende Zinsen, niedrigere Gewinne und Währungsabwertungen die Unternehmen dieser Ländern in eine gefährliche Kreditklemme brächten. Diese Finanzschwierigkeiten könnten zu den grossen Volkswirtschaften zurückschwappen und ihnen neue Probleme bereiten. Das hätten bereits die Marktturbulenzen in den vergangenen Monaten bewiesen. Die Abkehr von der lockeren US-Geldpolitik könnte noch „holprig“ weitergehen, warnte Viñals. Der Übergang zu einem Wirtschaftswachstum müsse geschafft werden, das nicht mehr von geldpolitischen Unterstützung abhänge, sagte Viñals. Deshalb sei die Konjunktur durch unternehmerische Investition und höhere Beschäftigung zu stützen.

Neue Schwierigkeiten könnten dem internationalen Finanzsystem auch geopolitische Krisen wie in der Ukraine bereiten. Bislang seien dort zwar nur die lokalen Märkte betroffen. Sollte sich der Konflikt aber ausweiten, könnten die globalen Märkte tief besorgt reagieren. Auch der weltweite Handel könnte in Mitleidenschaft gezogen werden. (awp/mc/pg)

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