IWF bestreitet Druck auf EZB in Athen-Umschuldung

Christine Lagarde
IWF-Direktorin Christine Lagarde.

IWF-Direktorin Christine Lagarde.

Washington – In der Diskussion um die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Umschuldung Griechenlands hat der Internationale Währungsfonds jüngste Spekulationen zurückgewiesen. Der Fonds habe die Notenbank nicht darum gebeten, beim Schuldenschnitt Athens eine spezielle Rolle einzunehmen, teilte der IWF am späten Mittwochabend mit. Wenige Stunden zuvor hatte die «Financial Times» (FT) berichtet, der Fonds dränge die EZB, sich an der geplanten Umschuldung Griechenlands zu beteiligen.

Für zusätzliche Irritation hatten am Mittwochnachmittag Äusserungen von IWF-Chefin Christine Lagarde gesorgt. Sie hatte in Paris eine grössere Unterstützung öffentlicher Gläubiger gefordert, sollte der Forderungsverzicht privater Gläubiger nicht ausreichen. Derzeit verhandelt die griechische Regierung mit dem internationalen Bankenverband IIF über einen Schuldenschnitt. Die EZB, die infolge der Krise massiv griechische Staatsanleihen angekauft hat, hat bis zuletzt eine Beteiligung an der Umschuldung Griechenlands abgelehnt.

Hohe Kursgewinne für EZB bei Anleihekäufen?

Während die Notenbank die seit Frühjahr 2010 getätigten Anleihekäufe mit der Sicherung der Finanzstabilität rechtfertigt, halten ihr Kritiker vor, mit den Papieren womöglich hohe Kursgewinne einzustreichen. Grund: Die EZB hat die Papiere am freien Markt gekauft, als die Staatstitel bereits stark an Wert verloren hatten. Hält sie die Papiere bis zum Laufzeitende und geht Griechenland nicht pleite, erhält die EZB den kompletten Nennwert zurück. Experten sehen die Gefahr, dass einzelne Marktteilnehmer wie hochspekulative Hedge-Fonds gerichtlich dagegen vorgehen könnten.

Elegante Lösung vorgeschlagen
Um diese Problematik zu umgehen, hält das Institut der deutschen Wirtschaft IW Köln eine elegante Lösung parat: Wie das Institut am Donnerstag mitteilte, könnte die EZB Griechenland helfen, ohne sich an dem angepeilten freiwilligen Schuldenschnitt zu beteiligen. Das IW schlägt vor, die EZB könnte die Staatsanleihen zum Kaufpreis – also deutlich unter Nennwert – an den europäischen Rettungsfonds EFSF verkaufen. Der Kursgewinn zum Laufzeitende, der nun dem EFSF zustünde, könnte der Rettungsfonds sofort an den griechischen Staat durchreichen und damit dessen Staatsschuld reduzieren. Schicker Nebeneffekt: «Die EZB wäre elegant aus dem Rennen und die europäischen Steuerzahler würden nicht belastet», sagt IW-Experte Jürgen Matthes.

Eine Krux würde bleiben

Eine Krux bleibt aber auch bei dieser Lösung: Der Rettungsfonds müsste zeitweise drauflegen. Denn schliesslich würde der Fonds den Griechen die Differenz zwischen Nennwert und aktuellem Marktwert der Anleihen sofort erlassen. Die Papiere jedoch würden bis zum Laufzeitende beim EFSF schlummern – und erst dann würde der Fonds die verbleibende Differenz zum Nennwert erhalten. Im Ergebnis würde der EFSF also die Wertminderung der griechischen Staatsanleihen infolge der Schuldenkrise übergangsweise schultern. (awp/mc/upd/ps)

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