Janet Yellen im Rampenlicht der Finanzmärkte

Thomas Stucki

Von Thomas Stucki, CIO St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Am nächsten Mittwoch wird die Fed-Präsidentin Janet Yellen den neuesten geldpolitischen Entscheid der US-Zentralbank präsentieren. Obschon bei der letzten Sitzung das Wort „patient“ aus dem Kommentar gestrichen wurde, gilt eine Zinserhöhung am Mittwoch als ausgeschlossen. Somit werden sich die „Fed Watcher“wieder auf Änderungen im Kommentar, in der Wortwahl von Frau Yellen oder auf ihre Körperhaltung stürzen, um eine Prognose für das Datum des „lift offs“ im Zinserhöhungszyklus zu erstellen.

Die Fed hat sich in ihrer Kommunikation dazu bekannt, dass sie sich bei ihrem Entscheid über mögliche Zinserhöhungen vor allem auf die Entwicklung im Arbeitsmarkt und die Inflationsentwicklung abstützen wird. Dies macht Sinn, da steigende Lohnkosten ein wichtiger Faktor für einen steigenden Inflationsdruck sind. Eine Lohn-/Preisspirale, welche vor allem in den 70er-Jahren die Inflationsraten in die Höhe getrieben hat, steht zwar nicht vor der Tür, bleibt aber ein Schreckensszenario für die Zentralbanken.

US-Inflation verharrt auf tiefem Niveau
Die Kerninflation ohne die stark gesunkenen Energiepreise beträgt in den USA 1.8%. Damit liegt sie nur geringfügig unter dem Zielwert von 2%. Sie ist jedoch in letzter Zeit eher gesunken und eine Trendumkehr nach oben ist nicht erkennbar. Ein Grund liegt auch darin, dass die Stundenlöhne trotz einer Arbeitslosenrate nahe dem inflationsneutralen Wert von 5.0 – 5.5% weniger als 2% im Jahresvergleich angestiegen sind. „Normal“ ist in den USA bei einer gut laufenden Wirtschaft ein Anstieg der Stun­denlöhne zwischen 3% und 4%. Andere Indikatoren wie der Anteil der Personen, die freiwillig ihre Stelle wechseln oder Erwartungsumfragen unter kleineren und mittleren Unternehmen deuten aber darauf hin, dass sich ein steigender Lohndruck langsam aufbaut. Steigende Löhnen könnten schnell höhere Inflationserwartungen auslösen und die Fed unter Zugzwang bringen, die Geldpolitik restriktiver zu gestalten.

Momentan kann Janet Yellen aber noch abwarten, ob die schwächeren Wirt­schaftsdaten der letzten Wochen der in den letzten Jahren übliche Winter-Blues sind oder ob eine effektive Eintrübung der wirtschaftlichen Dynamik dahinter steckt.

Datum für Chronisten
Die erste Zinserhöhung dürfte im September erfolgen. Das Startdatum ist wichtig für Analysten und Medien. Viel wichtiger als das Datum der ersten Zinserhöhung ist jedoch, wie der weitere Pfad des Zinserhöhungszyklus verlaufen wird. Wird nach dem ersten Schritt eine Pause eingelegt oder wird relativ zügig eine Anhebung der Zinsen in den Bereich von 2% erfolgen. Ich gehe von letzterem aus, was nicht heisst, dass 2016 an jedem Fed-Meeting die Zinsen weiter angehoben werden. Wann genau der Startschuss zum ersten Zinserhöhungszyklus in den USA seit 10 Jahren gegeben wurde, interessiert in fünf Jahren sowieso nur noch die Statistiker. (SGKB/mc/ps)

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