Japan: Erneuter Versuch zur Yen-Schwächung

Masaaki Shirakawa

Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa.

Frankfurt am Main – Japan hat am Montag einen abermaligen Versuch zur Schwächung des rekordstarken Yen gestartet. Nach Interventionen im März und August griff die Notenbank zum dritten Mal in diesem Jahr am Devisenmarkt ein. Die Notenbank kaufte am Markt Dollar gegen Yen. In einer ersten Reaktion gab die japanische Währung zu vielen wichtigen Währungen stark nach. Zum Dollar wertete sie um rund fünf Prozent ab, zum Euro um gut vier Prozent. Ob die Abwertung nachhaltig ist, gilt angesichts der bisher verpufften Interventionen als umstritten.

Japans Finanzminister Jun Azumi begründete die Interventionen mit «spekulativen» Bewegungen am Devisenmarkt. In den vergangenen Wochen und Monaten war der Yen von einem Rekordhoch zum nächsten gestiegen. Vor dem Eingriff der Notenbank hatte er so viel wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gekostet. «Wir werden am Devisenmarkt intervenieren, bis wir zufrieden sind», sagte Azumi am Montag, ohne ein konkretes Kursniveau zu nennen. Der Dollar stieg zum Yen im Vormittagshandel von 75,50 auf bis zu 79,50 Yen. Der Euro stieg zum Yen von 107 auf rund 111,50 Yen.

Dritter Anlauf in diesem Jahr

Im laufenden Jahr hat sich Japan schon zweimal gegen den stetig steigenden Yen zur Wehr gesetzt: Gemeinsam mit den G7 wurde im März nach der schweren Natur- und Atomkatastrophe eingegriffen, im August folgte die zweite Intervention. Beide Eingriffe schwächten den Yen jedoch nur zwischenzeitlich – den Aufwärtstrend der japanischen Währung konnten sie nicht stoppen. Seit den ersten Wellen der Finanzkrise im Jahr 2007 hat der Yen zu Dollar und Euro um rund 40 Prozent aufgewertet. Dies lastet seither auf der stark exportorientierten Wirtschaft Japans, die wegen der Katastrophe im März ohnehin stark geschwächt ist. Zuletzt hatte vor allem die europäische Schuldenkrise für zusätzliche Kursgewinne beim Yen gesorgt, der unter Investoren wie der Schweizer Franken als «sicherer Hafen» gilt.

Experten zeigten sich in einer ersten Reaktion skeptisch, ob die Intervention nachhaltige Wirkung zeigen wird. Die Commerzbank verweist auf die wenig konkreten Aussagen des japanischen Finanzministers: Im Gegensatz zur Schweizer Nationalbank SNB, die Anfang September gegen den ebenfalls starken Franken interveniert hatte, habe Azumi keine Verteidigungslinie gezogen. Die SNB hingegen hatte eine Obergrenze für den Frankenkurs festgesetzt, die sie unter allen Umständen verteidigen will. Diese Grenze wurde seither nicht mehr überschritten. (awp/mc/ps)

Bank of Japan

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