Jennifer Somm, CEO Bernexpo Groupe, im Interview

Jennifer Somm
Jennifer Somm, CEO Bernexpo Groupe. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Frau Somm, die Bernexpo Groupe hat im vergangenen Jahr den Umsatz um 8 Prozent auf 62,6 Mio Franken gesteigert, den Gewinn um 13% auf 3,3 Mio Franken. Welches waren die Erfolgsfaktoren?

Jennifer Somm: Die Bernexpo Groupe investierte gezielt in die Weiterentwicklung bestehender Plattformen und in die Lancierung neuer Formate. Mit dem HeroFest haben wir zum Beispiel den zukunftsträchtigen Bereichen E-Sports und Gaming eine eigene Plattform gegeben und eine völlig neue und vor allem junge Zielgruppe auf das Bernexpo-Gelände gebracht. Aber auch mit traditionellen Formaten konnten wir 2018 punkten: Die BEA behauptete einmal mehr ihren Status als grösster und vielfältigster Gesellschaftsevent der Schweiz und lockte rund 300’000 Besucherinnen und Besucher nach Bern.

Dennoch – die Messebranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Wie macht sich dies bei der Bernexpo Groupe bemerkbar?

Die Branche ist in der Tat im Umbruch. Dies gilt sowohl für Publikums- wie auch für Fachmessen. Im aktuellen Umfeld ist es daher zentral, klare Antworten auf die Herausforderungen des Marktes zu haben. Die Bernexpo Groupe begeistert ihre Kunden noch immer mit zahlreichen erfolgreichen Messen und wir können im Moment bei den meisten unserer Produkte stabile Besucher- und Ausstellerzahlen ausweisen. Das ist im Jahr 2019 schon mal ein sehr gutes Zeichen. Dieser Erfolg ist aber kein Zufall, sondern das Resultat einer stetigen Weiterentwicklung, einer grossen Offenheit für Neues und einer unablässigen Transformation des Unternehmens mittels Innovation.

Während die MUBA, die Züspa oder die Lausanner Comptoire für immer die Tore geschlossen haben, hält sich die letzten Freitag gestartete BEA weiterhin gut. Wieso funktioniert in Bern, was sonst kaum mehr funktioniert?

Es die breite Angebotspalette aus Erlebnis, Beratung und Testen, welche die BEA ausmacht und die Bernerinnen und Berner während 10 Tagen in Scharen anlockt. Hinzu kommt unsere stark traditionell und regional verwurzelte DNA, die den Charakter der BEA seit fast 70 Jahren prägt. Die Besucherinnen und Besucher kommen wegen der Tiere in Kombination mit der Landwirtschaft, gehen auf das grösste Riesenrad der Schweiz und kaufen regionale Spezialtäten ein. Die BEA ist ein Erlebnis für alle Sinne auf einer kompakten Fläche. Daneben brauchen wir eine grosse Offenheit für Innovation und den Mut, Veränderungen immer wieder aufs Neue anzupacken und uns stetig zu hinterfragen.

„Die Bernexpo Groupe begeistert ihre Kunden noch immer mit zahlreichen erfolgreichen Messen und wir können im Moment bei den meisten unserer Produkte stabile Besucher- und Ausstellerzahlen ausweisen.“
Jennifer Somm, CEO Bernexpo Groupe

Innovation ist also gefragt. Aber wie will man sich mit einem Mix zwischen Pferden und Mondfahrt und zwischen Kinderspielzeug und Cannabis Village positionieren?

Rund 300’000 Besucherinnen und Besucher sind der Beweis, dass der Mix aus Vielfalt, Tradition, Innovation und Emotion überzeugt. Es gilt, unablässig den Bogen zwischen Tradition und Innovation zu spannen, den sich wandelnden Bedürfnissen der Zielgruppe zu folgen sowie neue Entwicklungen mitzunehmen. Nur so gelingt es uns, den Erfolg langfristig zu sichern und den Status der BEA als grösster und vielfältigster Gesellschaftsevent der Schweiz zu wahren.

Lässt sich generell sagen, welchen Mehrwert Publikumsmessen noch generieren?

An unseren Publikumsmessen setzen wir auf das Live-Erlebnis, packende Inhalte und unmittelbare Emotionen, die unsere Besucherinnen und Besucher begeistern. Die persönliche Begegnung sowie die Differenzierung und Kuratierung von Inhalten steht im Fokus, um den Besuchern vor Ort echte und bleibende Mehrwerte bieten zu können.

Die Digitalisierung hat die Messebranche in Bedrängnis gebracht, andererseits kann sie das „Live“-Momentum ja auch unterstützen. In welche Richtung gehen in diesem Bereich Ihre Planungen?

Wir sehen die Digitalisierung als Chance, unser Kerngeschäft wertschöpfend zu erweitern. Ob live, digital oder hybrid ist letztlich zweitrangig, denn wir alle wechseln auch in unserem Alltag nahtlos zwischen der digitalen und der analogen Welt. Und genauso effektiv wollen wir unsere Angebote unseren Kundinnen und Kunden zur Verfügung stellen. Wir wollen «live» da einsetzen, wo es in seiner Kraft unschlagbar ist, nämlich im Erleben mit allen Sinnen und es komplementär mit digitalen Services wie auch mit digitalem neuem Business ergänzen. So ermöglichen wir unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu den für sie relevanten Communities und agieren als Testmarkt für Neuheiten in Echtzeit. Wir bieten Unterstützung für die Gesamtmarktbetrachtung und ein Benchmarking innerhalb ihrer Branche.

Nehmen Sie die die Integration von Together und Talendo in unsere Gruppe: Dies ist ein konsequenter und strategisch zentraler Entwicklungsschritt, der unsere Palette um starke, komplementäre Angebote für Studierende und Absolventen ergänzt. Wir sind hocherfreut, künftig die Themenbereiche Aus- und Weiterbildung sowie Karriere noch umfassender abbilden und unseren Zielgruppen sowohl über Live-Begegnungsmärkte wie auch Online-Plattformen zugänglich machen zu können.

2018 hat die Bernexpo Groupe mit dem HeroFest in den Bereich E-Sports und Gaming investiert. Was erwarten Sie sich davon längerfristig?

Wir wollen als der bedeutendste Event-Veranstalter für die Gaming-Szene in der Schweiz und dem nahen Ausland wahrgenommen werden. Mit dem HeroFest wecken wir Emotionen, stillen Neugier und bringen die Schweizer E-Sports-Community an einem Ort zusammen. Gemeinsam mit unserem Presenting Partner Swisscom und unserer Co-Organisatorin MYI Entertainment werden wir damit unsere Marktrelevanz massgeblich stärken und weiterentwickeln.

„Wir wollen als der bedeutendste Event-Veranstalter für die Gaming-Szene in der Schweiz und dem nahen Ausland wahrgenommen werden.“ 

Sie wollen sich noch stärker auf die Entwicklung neuer Formate fokussieren. Was schwebt Ihnen da vor?

Wir haben unsere Positionierung und unser Portfolio in den letzten Jahren konsequent geschärft. In unseren Schwerpunktfeldern «Bildung», «Industrie & Technik», «Interior & Design» sowie «Ferien & Freizeit» wollen wir unsere Plattformen live und digital weiterentwickeln und das Event-Erlebnis mit relevanten interaktiven Angeboten nachhaltig verlängern. Mit der Bündelung unserer Produkte, unserer Stärken, unseres Know-hows sowie unseres Netzwerks treten wir am Markt fokussierter, relevanter und glaubwürdiger auf. Das führt nicht nur zu mehr Erfolg, es erlaubt uns auch, den Markt mitzugestalten. In den von uns definierten Bereichen wollen wir mit den Formaten der Zukunft punkten, wie zum Beispiel Karriereschritt oder HeroFest. Dabei setzen wir auf innovative Veranstaltungskonzepte, relevanten Content, inspirierenden Austausch sowie kreative Interaktion und Partizipation. Diese Aspekte müssen stimmen und daran orientieren wir uns.

Im Februar haben die Bernexpo Groupe und HRS Real Estate AG mit einem «Letter of Intent» ihre Absicht bekräftigt, ein erweitertes Nutzungskonzept für das gesamte Bernexpo-Gelände zu erarbeiten und ein geeignetes Trägermodell für die Tochtergesellschaft Messepark Bern AG zu etablieren. Welche Vorteile bringt dieser Entscheid Bernexpo?

Unsere Ziele sind vielfältig: Einerseits werden wir zusammen mit HRS ein erweitertes, ergänzendes Nutzungskonzept für das gesamte Areal unseres Messeplatzes ausarbeiten und andererseits wird HRS Investoren suchen, die eine Mehrheit der Messepark AG übernehmen werden. Die Bernexpo Groupe will ihre Immobilien verkaufen und keine weiteren Investitionen in Neu- oder Umbauten vornehmen. Vielmehr wollen wir in unsere Kernkompetenz investieren und uns als führendes Live-Kommunikations-Unternehmen stärken und weiter ausbauen.

„Wir wollen in unsere Kernkompetenz investieren und uns als führendes Live-Kommunikations-Unternehmen stärken und weiter ausbauen.“

Kernstück ist die Realisierung der neuen Eventhalle. Die Detailplanung der „BEmotion Base“ wurde letzten November gestoppt. Wie geht es nun weiter?

Wenn die Verträge mit HRS unterzeichnet und die Investoren ebenfalls vertraglich ihr Engagement bekräftigt haben, werden wir detailliert über das weitere Vorgehen kommunizieren.

Nach dem alten Zeitplan hätte die Halle 2022 eröffnet werden sollen. Ist dieser Termin noch ein Thema?

Eine Eröffnung 2022 ist unrealistisch, da ein Baustart vor Ende BEA 2021 zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr möglich ist.

Frau Somm, wir bedanken uns für das Interview.

Zur Person:
Jennifer Somm ist seit März 2017 Geschäftsführerin der Bernexpo Groupe. Vor ihrem Engagement in Bern war Jennifer Somm ab 2008 bei Rufener Events Ltd. als Geschäftsführerin tätig. Zuvor war sie unter anderem Kommunikationsberaterin in Bern bei Jäggi Communications (heute Burson-Marsteller). Somm studierte BWL mit Schwerpunkt Finanz- und Rechnungswesen an der Uni St. Gallen. Sie ist ledig und Mutter einer 18-jährigen Tochter. Sie wohnt hauptsächlich in Zürich.

Zum Unternehmen:
Das Live-Marketing-Unternehmen BERNEXPO GROUPE inszeniert jedes Jahr mehr als 30 Eigen- und Gastmessen, über 200 Kongresse und Fachveranstaltungen sowie Event- Engagements jeder Grösse. Das BERNEXPO-Gelände ist eines der grössten Messegelände der Schweiz: Acht Messehallen in zwei Gebäudekomplexen vereinen rund 40’000 m2 Veranstaltungsfläche sowie 100’000 m2 Freigelände. Die BERNEXPO GROUPE beschäftigt ein Team von rund 140 Mitarbeitenden.

BERNEXPO GROUPE

 


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