Julius Bär: 2’500 Namen von Mitarbeitenden an USA geliefert?

Boris Collardi

Julius-Bär-CEO Boris Collardi.

Genf – Die Privatbank Julius Bär soll den US-Behörden eine Liste mit rund 2’500 Namen von Mitarbeitenden geliefert haben. Diese umfassten Personen, die in Kontakt mit amerikanischen Kunden gekommen seien, heisst es in einem Artikel der Zeitung «Le Temps» (Ausgabe 29.6.2012). Auf der Liste stünden neben aktuellen Mitarbeitenden auch ehemalige Mitarbeitende sowie externe Vermögensverwalter, so die Zeitung. Die Bank wollte gegenüber «Le Temps» keine Stellung nehmen.

Der Bundesrat hatte im Frühling den im Fokus der US-Justiz stehenden Banken die Herausgabe von uncodierten Daten über Bankmitarbeitende und Drittpersonen externe Vermögensverwalter erlaubt. Nicht erlaubt ist dagegen die Lieferung von Kundendaten. Die Credit Suisse hatte damals bestätigt, Mitarbeitenden-Daten an die US-Justiz übermittelt zu haben, zudem soll der Schweizer Ableger der britischen HSBC entsprechende Daten geliefert haben.

Anwalt als Informationsquelle
«Le Temps» beruft sich bei ihren Informationen über Julius Bär auf den Anwalt Douglas Hornung, der gemäss dem Artikel eine Vereinigung «Swiss Respect» gegründet hat. Die Vereinigung habe sich der «Verteidigung der Schweizer Interessen» verschrieben und wolle die Aufmerksamkeit der Schweizer auf die «Schwere der Angriffe auf die Schweiz» lenken.

Der Genfer Anwalt seinerseits will seine Information über Julius Bär aus drei verschiedenen Quellen haben. Er schätzt, dass die elf Schweizer Banken, die wegen unversteuerter Gelder von US-Kunden ins Visier der amerikanischen Justiz geraten sind, insgesamt Daten über rund 10’000 Mitarbeitende an die USA geliefert haben. Die Schweizer Behörden wollten diese Zahl gegenüber «Le Temps» allerdings nicht bestätigen. (awp/mc/ps)

 

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