Julius Bär im Halbjahr operativ verbessert

Boris Collardi
Boris Collardi, zurückgetretener CEO der Julius Bär Gruppe. (Bild: Julius Bär)

Boris Collardi, CEO Julius Bär Gruppe. (Bild: Julius Bär)

Zürich – Die Julius Bär-Gruppe hat operativ ein erfolgreiches erstes Semester 2015 hinter sich. Dabei hat die Vermögensverwalterin von den heftigen Marktschwankungen der vergangenen Monate profitiert, die zu einer hohen Kundenaktivität und damit zu stark gestiegenen Erträgen geführt haben. Wegen der hohen Rückstellung für den US-Steuerstreit resultierte unter dem Strich dennoch ein geschrumpfter Halbjahresgewinn.

Die Frankenaufwertung in der Folge der Aufhebung des SNB-Mindestkurses machte sich für Julius Bär direkt bei den verwalteten Kundenvermögen (Assets under Management AuM) bemerkbar, die im Vergleich zu Ende 2014 um rund 2% auf 284 Mrd CHF zurückgingen. Der Währungseinfluss liess die AuM um 20,5 Mrd CHF schrumpfen. Dies konnte nur teilweise durch eine positive Marktperformance (+5,0 Mrd), Akquisitionseffekte (+2,4 Mrd) sowie einen Netto-Neugeldzufluss von 6,5 Mrd CHF wettgemacht werden.

Nichts Neues vom US-Steuerstreit
Der adjustierte Konzerngewinn unter Ausklammerung der US-Steuerrückstellung stieg im Semester um 34% auf 384 Mio CHF. Einschliesslich der US-Rückstellung sowie weiterer ausgeklammerter Faktoren – vor allem Goodwill-Abschreibungen sowie Integrationskosten für übernommene Geschäfte – lag der Konzerngewinn nach IFRS dagegen noch bei 40 Mio CHF gegenüber 179 Mio CHF in der Vorjahresperiode.

Julius Bär hatte im Juni angekündigt, eine Rückstellung im US-Steuerstreit von 350 Mio USD zulasten des Halbjahresresultats zu tätigen. Weitere Neuigkeiten dazu gab es am Montag nicht: Er hoffe, das Thema im zweiten Halbjahr definitiv abschliessen zu können, sagte CEO Boris Collardi an der Halbjahres-Medienkonferenz in Zürich.

Portfolios umgeschichtet
Trotz dem währungsbedingten AuM-Rückgang stieg der Betriebsertrag im ersten Semester um 14% auf 1,41 Mrd CHF. In der Folge der Marktturbulenzen im Januar sowie im März und April habe man «in allen geographischen Gegenden» höhere Kundenaktivitäten erlebt, sagte Collardi. So hätten viele Kunden ihre Portfolios nach der SNB-Massnahme umgeschichtet. «Wir müssen nun sehen, wie sich das in der zweiten Jahreshälfte entwickelt», sagte der CEO im Hinblick auf das Gesamtjahr.

Die Massnahmen des im Februar wegen der Frankenstärke angekündigten Kostensparprogramms sollen vor allem in der zweiten Jahreshälfte spürbar werden, wie Collardi sagte. Das Programm, das einen Abbau von 200 Arbeitsplätzen beinhaltet, soll die Kostenbasis um insgesamt 100 Mio CHF reduzieren, rund 60 Mio davon im laufenden Jahr.

Weiterer Übernahmeappetit
Mit dem baldigen Abschluss der IWM-Integration – ausstehend ist noch die Übertragung des Indien-Geschäfts – und mit der Zuversicht auf ein nahendes Ende des US-Steuerstreits zeigt Julius Bär weiterhin Übernahmeappetit. Am Montag gab das Schweizer Institut den Kauf einer 40%-Beteiligung am mexikanischen Finanzberatungsunternehmen NSC Asesores für einen nicht genannten Betrag bekannt. NSC verwaltet Vermögen in Höhe von knapp 3 Mrd USD und beschäftigt insgesamt 46 Mitarbeitende.

Auch in der Schweiz schaue man sich nach weiteren Akquisitionen um, sagte Collardi: Dabei wolle man verwaltete Vermögen in der Grössenordnung von 5 – 15 Mrd CHF übernehmen. Offen gab er sich auf eine entsprechende Frage aber auch für die Übernahme eines «grossen Elefanten», also einer neuen grösseren und «transformierenden» Akquisition. Immerhin habe Julius Bär nach der IWM-Integration nun Erfahrung mit solchen Akquisitionen.

Bär-Aktie im Minus
Die bisherigen Mittelfristziele – eine Cost/Income-Ratio von 65-70%, eine Vorsteuer-Gewinnmarge von 30-35 Basispunkten und ein Nettoneugeldzufluss von 4-6% – wurden vorerst bestätigt. Man werde die Ziele aber bis zum kommenden Februar überarbeiten, kündigte Finanzchef Dieter Enkelmann an.

An einem insgesamt freundlichen Markt (SMI +0,4%) büsste die Julius Bär-Aktie 1,4% im Minus auf 53,35 CHF ein; dies, obwohl die Semesterresultate von den Analysten meist freundlich kommentiert wurden. Im Handel wurde der Kursrückgang entsprechend mit Gewinnmitnahmen nach dem starken Lauf der Aktie im Jahresverlauf begründet. (awp/mc/upd/ps/pg)

 

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