Julius Bär mit leichtem Rückgang der verwalteten Vermögen

Boris Collardi
Boris Collardi, zurückgetretener CEO der Julius Bär Gruppe. (Bild: Julius Bär)

Boris Collardi, CEO Julius Bär Gruppe. (Bild: Julius Bär)

Zürich – Die Julius Bär-Gruppe hat in den ersten vier Monaten 2015 die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB zu spüren bekommen. Wegen der Frankenstärke muss die Vermögensverwalterin einen leichten Rückgang der verwalteten Vermögen ausweisen. Die dadurch gestiegene Volatilität hat die Kunden allerdings auch zu einer höheren Handelstätigkeit angeregt, was zu deutlich verbesserten Margen geführt hat.

Per Ende April 2015 beliefen sich die von der Gruppe verwalteten Vermögen (AuM) auf 289 Mrd CHF gegenüber 291 Mrd per Ende des Jahres 2014, wie es in einer Mitteilung vom Dienstag heisst. Positiv wirkten sich «anhaltende Netto-Neugeldzuflüsse», eine positive Marktentwicklung und der Transfer von 4,3 Mrd CHF von Schweizer Private Banking-Aktivitäten der Bank Leumi im März 2015 aus. Der negative Effekt wegen der starken Aufwertung des Frankens gegenüber den meisten Währungen belief sich auf 19 Mrd CHF, wie es heisst.

Der Währungseffekt habe sich zusammen mit den anhaltenden Selbstdeklarationen in Frankreich und Italien teilweise auf den Netto-Zufluss ausgewirkt. Dieser bewegte sich annualisiert «am unteren Ende» des mittelfristigen Zielbereichs von 4-6%.

Bruttomarge über 100 Basispunkte
Die Bruttomarge stieg in den ersten vier Monaten dank einer «robusten Kundenaktivität» auf leicht über 100 Basispunkte (BP) an, nachdem sie im Gesamtjahr 2014 noch 94 BP betragen hatte. Die Zunahme war von der höheren Marktvolatilität bzw. einer höheren Kundenaktivität als Folge des SNB-Entscheids zur Aufhebung der Euro-Untergrenze von 1,20 CHF getrieben. So habe man etwa gestiegene Volumina bei strukturierten Produkten, einen Anstieg der Aktien- und Anleihentransaktionen und eine erhöhte Aktivität im Fremdwährungsbereich verzeichnet. Zudem hätten sich asiatischer Anleger im März und April 2015 neu positioniert.

Sehr ausgeprägt war die Zunahme von Volatilität und Volumen unmittelbar nach dem SNB-Entscheid am 15. Januar, was im Januar zu einer «ausserordentlich hohen Bruttomarge» führte. In der Periode Februar bis April 2015 bewegte sich die Bruttomarge laut den Angaben dann wieder leicht unter 100 Basispunkten.

Verbesserte Cost-Income-Ratio
Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich auf «leicht unterhalb» des mittelfristigen Zielbereichs von 65-70% – im Gesamtjahr 2014 hatte sie noch 69,9% betragen. Zu der Verbesserung trug der Anstieg der Bruttomarge bei, die Gruppe konnte aber auch von den mittlerweile «voll wirksamen Kostensynergien» aus der Integration des von Merrill Lynch übernommenen Geschäftes profitieren.

Die Wertberichtigungen, Rückstellungen und Verluste blieben – auf anteiliger Basis – in etwa auf demselben Niveau wie im zweiten Halbjahr 2014. In der Folge verbesserte sich die Vorsteuermarge nahe ans obere Ende des mittelfristigen Zielbereichs von 30-35 BP. In der Periode von Februar bis April 2015 habe sich die Vorsteuermarge in der Mitte dieses Bereichs bewegt.

Mit den verwalteten Vermögen von 289 Mrd per Ende April liegt Julius Bär im oberen Bereich der Analystenerwartungen, die im Durchschnitt (AWP-Konsens) 286 Mrd CHF betrugen. Auch bei der Bruttomarge wurden die Erwartungen (96 BP) übertroffen.

Zum Steuerstreit nichts neues
Die BIZ Kernkapitalquote (Tier 1) betrug per Ende April 21,1% (2014: 22,0%), die BIZ Gesamtkapitalquote 22,4% (23,4%). Weiterhin übertrifft die Gruppe damit ihre eigenen Zielwerte von 12% respektive 15% deutlich.

Keine Neuigkeiten gab es am Dienstag bezüglich der seit Jahren schwelenden Auseinandersetzung mit den US-Behörden um unversteuerte US-Kundenvermögen. Zuletzt hatte sich die Bär-Führung zuversichtlich gezeigt, zu den «nächsten Schweizer Banken» zu gehören, die dieses Kapitel abschliessen könnten. (awp/mc/upd/ps)

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