Julius Bär steigert Jahresgewinn deutlich

Boris Collardi
Boris Collardi, zurückgetretener CEO der Julius Bär Gruppe. (Bild: Julius Bär)

Boris Collardi, CEO Julius Bär Gruppe. (Bild: Julius Bär)

Zürich – Die Julius Bär Gruppe hat im vergangenen Geschäftsjahr die Gewinnzahlen deutlich verbessert und überrascht die Aktionäre mit einer kräftigen Dividendenerhöhung. Um die Auswirkungen der starken Frankenaufwertung aufzufangen, startet die Vermögensverwalterin ein Kosteneffizienzprogramm, das einen Abbau von rund 200 Arbeitsplätzen beinhaltet.

Den um Integrations- und Restrukturierungskosten adjustierten Konzerngewinn konnte Julius Bär im abgelaufenen Jahr um 22% auf 586 Mio CHF erhöhen, wie den am Montag publizierten Zahlen zu entnehmen ist. Der IFRS-Konzerngewinn fiel mit 367 Mio fast doppelt so hoch aus wie 2014. Zurückzuführen war die starke Verbesserung beim nicht-bereinigten Gewinn vor allem auf die geringeren Kosten für die Integration des Internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts (IWM) von Bank of America/Merrill Lynch, die nun beinahe abgeschlossen ist.

Die Aktionäre sollen von den verbesserten Gewinnzahlen über eine Erhöhung der Dividende auf 1,00 CHF nach 0,60 CHF im Vorjahr profitierten. Das Dividendenniveau solle zudem in den kommenden Jahren auf dem höheren Niveau bleiben, versicherte CEO Boris Collardi am Montag an der Bilanzmedienkonferenz.

Stärkerer Neugeldzufluss
Der Neugeldzufluss zum grössten Schweizer Vermögensverwalter beschleunigte sich im vergangenen Jahr auf 12,7 Mrd CHF (VJ 7,6 Mrd). Die verwalteten Vermögen lagen per Jahresende auf einem neuen Höchstwert von 291 Mrd (+14%). Basierend auf Marktwerten stammten davon 60 Mrd aus dem IWM-Geschäft.

Die 2012 angekündigte Übernahme des IWM-Geschäfts sei damit zum grossen Teil abgeschlossen, erklärten die Bär-Verantwortlichen vor den Medien. Als letzte Einheit wird im laufenden Jahr noch das Indien-Geschäft zu Bär kommen. «Zehntausende von Kunden haben seither zu uns gewechselt», sagte Collardi.

Mit den gesamten Kundenvermögen von bisher rund 60 Mrd CHF bewegt sich der Transfer am unteren Rand des ursprünglichen Ziels von 57 bis 72 Mrd. Bei den Zielen bezüglich Verbesserung der Produktivität und Stellenabbau beim neuen IWM-Geschäft sieht sich das Institut dagegen gut im Rennen.

Kostensparprogramm
Die Frankenaufwertung in der Folge der Aufhebung des SNB-Mindestkurses trifft Julius Bär wie andere Vermögensverwalter stark, weil in der Landeswährung deutlich mehr Kosten als Erträge anfallen. Die Bank reagiert nun mit einem Sparprogramm, das die laufende Kostenbasis um rund 100 Mio CHF senken soll, etwa 60 Mio davon bereits im laufenden Jahr. Ein Teil davon ist auch der Abbau von rund 200 Stellen, der mehrheitlich in der Schweiz anfallen wird.

Die Frankenstärke werde bei den Schweizer Vermögensverwaltern im laufenden Jahr zu einer verstärkten Konsolidierung führen, zeigte sich Collardi überzeugt – bei manchen Instituten fielen schliesslich 90% oder mehr der Kosten in Schweizer Franken an. Bei dieser Konsolidierung sei Julius Bär «in der besten Position, um als Gewinner daraus hervorzugehen».

Temenos liefert neue IT-Plattform
Vorwärts macht Julius Bär mit der Erneuerung der IT-Plattform, für der nun das Bankensoftware-Unternehmen Temenos ausgewählt wurde. Den Zeitbedarf für die IT-Erneuerung bezifferte Finanzchef Dieter Enkelmann auf 3 bis 5 Jahre. Gestartet wird das Projekt zunächst in Asien.

Nicht Neues gab es einmal mehr zum US-Steuerstreit. Collardi zeigte sich aber zuversichtlich, das Dossier im laufenden Jahr abschliessen zu können. 2015 werde es für die Banken der Kategorien 1 und 2 Fortschritte geben, prognostizierte er. «Ich denke, Julius Bär wird eine der nächsten Banken sein, die eine Einigung erzielen wird.»

Keine Angaben gab der CEO weiterhin zu einer allfälligen Höhe der US-Busse. Die Situation jeder Bank im Steuerstreit sei anders, wiederholte der CEO frühere Aussagen. Sobald Julius Bär aber Indikationen über die Bussenhöhe haben, werde diese Information über eine Ad hoc-Mitteilung publiziert, versicherte er.

Aktie zieht stark an
Am Aktienmarkt wurden die Jahresergebnisse mit einem starken Kursanstieg honoriert: Die Bär-Aktie legt in einem leicht anziehenden Gesamtmarkt (SMI +0,4%) gegen 13.15 Uhr um 6,5% auf 40,05 CHF zu. Überrascht habe vor allem die stärker als erwartet ausgefallene Dividendenerhöhung, ein Kostensparprogramm sei dagegen erwartet worden, hiess es am Markt. (awp/mc/upd/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.