Julius Bär schreibt weniger Gewinn im Halbjahr

Boris Collardi

Boris Collardi, CEO Julius Bär.

Zürich – Die Julius Bär Gruppe weist für das erste Semester nach einer einmaligen Zahlung an die deutschen Steuerbehörden einen deutlichen Gewinnrückgang aus. Aber auch der starke Franken lastet auf der Vermögensverwaltungsbank. Die Bank will diesem mit Kosteneinsparungen begegnen. Der Zufluss von Neugeld hat im ersten Halbjahr angehalten.

Netto flossen der Bank in den ersten sechs Monaten des Jahres 4,9 Mrd CHF zu nach 3,3 Mrd im Vorjahreszeitraum. Dazu hätten alle Regionen beigetragen, am stärksten aber erneut die Wachstumsmärkte, teilte die Bank mit. Auch das lokale Geschäft in Deutschland habe einen beträchtlichen Zugang neuer Kunden verzeichnet. Trotz dem Neugeldzufluss gingen die verwalteten Vermögen per Ende Juni auf 165,6 Mrd CHF gegenüber 169,7 Mrd CHF zum Jahresende 2010 zurück. Der Neugeldzufluss sei durch den deutlich negativen Währungseinfluss von 8 Mrd CHF und eine leicht negative Marktentwicklung von 1 Mrd CHF mehr als ausgeglichen wurden. Die Custody-Vermögen verringerten sich um 3% auf 94,3 Mrd CHF.

Konzerngewinn um 25% rückläufig
Der Konzerngewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um 25% auf 196 Mio CHF zurück. Ohne den Einfluss der einmaligen Zahlung an Deutschland von 51 Mio nach Steuern habe sich der zugrunde liegende Konzerngewinn um 5% auf 248 Mio verringert, schreibt die Bank. Der Betriebsertrag ging um 2% auf 898 Mio CHF zurück. Die Bruttomarge fiel mit 105 Basispunkten (BP) dabei um 2 BP geringer aus als im ersten Halbjahr 2010, sie verbesserte sich aber zum zweiten Halbjahr 2010. Die Bank setze alles daran, auch künftig profitabel zu sein, heisst es in der Mitteilung: So werde die Kosteneffizienz der Organisation und der Geschäftsprozesse weiter gesteigert.

Frankenstärke drückt auf Cost/Income Ratio
Der Geschäftsaufwand erhöhte sich – einschliesslich der einmaligen Zahlung an Deutschland – dagegen um 12% auf 667 Mio CHF. Ohne diese Zahlung hätte der Geschäftsaufwand lediglich um 1% zugenommen, schreibt die Bank. Die Cost/Income Ratio verschlechterte sich auf 67,6% nach 63,4% in der Vorjahresperiode, was primär auf die Frankenstärke zurückzuführen sei: Der Aufwand falle mehrheitlich in Franken an, während der Ertrag fremdwährungsbasiert sei. Die Anstrengungen zu Kosteneinsparungen würden sich auch im zweiten Halbjahr niederschlagen, sagte Julius Bär-CEO Boris Collardi an einer Telefonkonferenz. Auf der Personalseite komme es zwar auch weiterhin zu Neueinstellungen, dabei werde aber vor allem «ertragsgenerierendes Personal» gesucht. Weitere Einsparungen sollen etwa bei den Marketingausgaben oder den Reisespesen erzielt werden.

Neue Kapitalziele
Mit den vorgelegten Zahlen hat der Vermögensverwalter die Konsenserwartungen ausser bei den verwalteten Vermögen übertroffen. Von AWP befragte Analysten rechneten im Durchschnitt mit einem Konzerngewinn von 173,1 Mio CHF und einem Betriebsertrag von 888,3 Mio CHF. Zudem hatten die Analysten den Neugeldzufluss im Schnitt bei 4,6 Mrd CHF und das verwaltete Vermögen bei 167,7 Mio CHF erwartet. Die Julius Bär hat sich des weiteren neue Kapitalziele gesetzt. Mittelfristig strebe die Gruppe eine BIZ Gesamtkapitalquote von mindestens 16% und eine BIZ Kernkapitalquote (Tier 1) von 12% an. Das neue Ziel der BIZ Gesamtkapitalquote wird damit begründet, dass diese besser mit den Vorgaben der FINMA übereinstimme als das Ziel der Tier-1-Ratio. Das neue Ziel entspreche zudem einem «Puffer» gegenüber den Minimalanforderungen der FINMA von 2%.

Keine Anleihen aus Euro-Peripherieländern
Die Bank betont des weiteren, dass sie keine griechischen, italienischen, spanischen, portugiesischen oder irischen Staatsanleihen in ihren Büchern habe. Zudem sei sie nicht in Krediten griechischer, portugiesischer oder irischer Banken und nur «in sehr geringem Mass in solchen solider spanischer oder italienischer Banken», mehrheitlich in Form von kurzfristigen Geldmarktpapieren, investiert. Das angekündigte Aktienrückkaufprogramm von bis zu 5% der ausstehenden Aktien über maximal 500 Mio CHF sei «auf Kurs», heisst es weiter. Per Ende Juni seien 1,87 Mio eigene Aktien im Wert von 66 Mio CHF zurückgekauft worden. (awp/mc/upd/ps)

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